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Religiöser Wahn, Nazis, Killer Baldaccis Will Robie zeigt das wahre Amerika

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Baldaccis "Der Feind im Dunkeln" entwirft ein erschreckendes Bild einer auf sich gestellten Kleinstadt: Alles scheint dort möglich.

picture alliance / dpa

Will Robie ist ein Killer, im Dienst der CIA. Wo er ist, sterben Menschen, zum Wohl des Staates. Klingt nach einer Menge US-Pathos? Richtig, und das ist von David Baldacci gewollt. Erst recht, wenn es im fünften Fall gegen Nazis und Untergangssekten geht.

Rund 20 Jahre ist es her, dass "Absolute Power" mit den Hollywood-Legenden Clint Eastwood und Gene Hackman in die Kinos kam. Knapp 50 Millionen spielte der Crime-Thriller ein, bei dem Tausendsassa Eastwood Regie führte und eine Hauptrolle übernahm. Der Plot basiert auf dem gleichnamigen Roman des damals noch recht unbekannten US-Autors David Baldacci. Heute ist Baldacci einer der weltweit bekanntesten und bestverkaufenden Thriller-Autoren der Welt. Seine Werke wurden zum Teil für TV und Kino verfilmt. Seinen Anfängen à la "Absolute Power", mit dem ihm auch dank der Hilfe der Eastwood-Verfilmung der Durchbruch als Autor gelang, ist Baldacci bis heute treu geblieben: Crime-Thriller - das gilt auch für das neueste Werk seiner "Will Robie"-Reihe namens "Der Feind im Dunkeln".

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"Der Feind im Dunkeln" (Lübbe Audio) ist am 26. Oktober erschienen.

Während bei "Absolute Power" ein Einbrecher Zeuge wird, wie der Secret Service die Geliebte des Präsidenten ermordet und er dann selbst zum Gejagten wird, der zum Schweigen gebracht werden soll, steht in der "Will Robie"-Reihe ein Profikiller, der keine Gefangenen nimmt, im Mittelpunkt. Einer, der nicht hinterfragt, sondern handelt, im Auftrag der CIA. Kaltblütig. Das ist schließlich sein Job, und in dem ist er der Beste.

Actionreicher Aufgalopp

In "Der Feind im Dunkeln", dem mittlerweile fünften Buch der "Will Robie"-Reihe, verschlägt es den Killer zunächst nach London, wo er eine Terrorzelle möglichst geräuschlos ausradieren soll. Die Zelle ist im Besitz einer schmutzigen Bombe und will die auch detonieren lassen. Mehr als ein Dutzend gegen Will Robie heißt es dann - und am Ende obsiegt wieder einmal Robie.

Seiner Partnerin Jessica Reel, die im Irak als Scharfschützin arbeitet, ergeht es nicht ganz so gut: Bei einem Hinterhalt stirbt ein Trupp von GIs, die Reel mit ihren Fähigkeiten eigentlich beschützen soll. Allerdings wurden sie verraten. Aus dem Hinterhalt, in den sie geraten, kann sich nur Reel lebendig retten. Erste Selbstzweifel keimen in ihr, für einen Scharfschützen schlimmer als der Tod.

Während Robie und Reel ihren Aufträgen in Übersee nachgehen, hält ihnen ein Mann in der Heimat den Rücken frei: "Blue Man", ein CIA-Führungsoffizier. Doch genau der ist nun plötzlich spurlos verschwunden - und Robie und Reel sollen ihn aufspüren. So lautet ihr gemeinsamer neuer Auftrag. Nicht auszudenken, wenn "Blue Man" in die Hände von Terroristen gefallen wäre.

Robie und Reel halten das für unwahrscheinlich, auch weil "Blue Mans" letzter Aufenthaltsort ein kleines Kaff in Colorado gewesen ist. Dort verschlug es ihn jedes Jahr hin, zum Fischen. Aber Grant, so der Name der Kleinstadt, war auch der Geburtsort "Blue Mans", dort verbrachte er seine Jugend, dort fand er seine erste große Liebe. Robie und Reel machen sich auf den Weg.

Colorado: Schmelztiegel der Durchgeknallten

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David Baldacci

(Foto: Alexander James)

Vor Ort merken die beiden schnell, dass die Uhren hier anders ticken: Die Bevölkerung hasst Washington, die Regierung und die Staatsbeamten. Sie tragen ihre Wut und ihre Waffen offen zur Schau. Respekt vor den Feds? Nicht in Grant. Und als ob diese Grundstimmung nicht schon einschüchternd genug wäre, bekriegen sich hier auch noch eine Gruppe Neonazis unter ihrem Führer Dolph mit einer religiösen Sekte namens "Kings Apostel".

Die Staatsmacht steht in Grant, diesem Schmelztiegel der Durchgeknallten, chronisch unterbesetzt zwischen den Fronten. Und es verschwinden weitere Personen, tauchen Leichen auf. Zeugen verschwinden, werden hingerichtet. Irgendetwas Großes scheint in Grant in Gang zu sein, Menschenhandel, Drogenschmuggel inklusive. Aber wer zieht die Fäden? Für Robie und Reel geht es schnell ums nackte Überleben.

Gut, das ist bei der "Will Robie"-Reihe nicht neu. Dann schon eher, dass die Story die Seite von Amerika zeigt, die man bei den Berichten aus New York, Washington, Los Angeles oder San Francisco nicht sieht: das dreckige Gesicht der Abgehängten und Zurückgelassenen. Sie sind weiß und Rednecks durch und durch. Hier zählt nicht das Gesetz, sondern das Recht des Stärkeren. Hier gedeihen Naziträume auf Privatgrund, der kurzerhand zu ex-territorialem Gebiet erklärt wird. Hier treffen religiöse Eiferer auf fruchtbaren Boden.

Grant könnte auch in Sachsen liegen

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Peter Lontzek liest die "Will Robie"-Reihe von David Baldacci.

(Foto: Surej Kalathil)

Grant mutet wie das Krebsgeschwür an, das auch hierzulande längst Metastasen gebildet hat und munter weiter vor sich hin wuchert. Baldacci nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: Er spricht von "Einwegarbeitern", deren "Arbeitsverhältnisse terminiert" werden, sprich: Arbeit ohne Lohn bis man zu schwach zum Weiterleben ist und "entsorgt" wird. Es lebe der neoliberale Kapitalismus!

Noch direkter und erschreckender sind die Worte, die Baldacci dem Naziführer Dolph in den Mund legt: "Die Demokratie ist die schwächste aller Regierungsformen." Und: "Die effizienteste und langlebigste Regierungsform ist ohne Zweifel die Autokratie: Einer befiehlt, alle anderen gehorchen ... Die Menschen wollen keine Freiheit, sie wollen Sicherheit. Demokratien können ihnen das nicht bieten, aber eine Person, ausgestattet mit der entsprechenden Macht - die kann das!"

Starker Tobak. Und weiter geht's, denn passenderweise ist der Boss der religiösen Sekte Kings Apostel ein Undercover-Agent des FBI. Deutscher Verfassungsschutz ick hör dir trapsen. Und die passende Begründung für diese hochbrisante Verbindung von Staat und Sekte: "Wenn man Scheiße finden will, muss man im Dreck wühlen."

Auch das ist ein typischer Baldacci: Seine Sprache ist direkt, prägnant, verschwurbelte Schachtelsätze sucht man als Leser und Zuhörer vergebens. Das sorgt für Geschwindigkeit und Dynamik in der Handlung und dafür, dass der Plot nicht ausartet. Das Hörbuch in ungekürzter Fassung kommt auf eine Länge von 12 Stunden und 50 Minuten. Perfekt für einen Thriller.

Unverwechselbare Charakterstimme

Gesprochen wird das fünfte Will-Robie-Buch in ungekürzter Fassung wie auch die vorherigen Teile der Reihe von Thriller-König Peter Lontzek (er liest auch etwa die "Berger und Blom"-Serie  von Arne Dahl). Dessen sonore Stimme überzeugt in ruhigen Szenen ebenso wie bei den actiongeladenen. Gleichzeitig besitzt Lontzek aber auch die Gabe, sich in die gelesenen Personen hinein zu versetzen und sie so zum Leben zu erwecken - egal ob arroganter Milliardär, Hausfrau von nebenan, sorgenvolle Schwester, Redneck oder Profikiller. Die stimmlichen Nuancen machen den Unterschied. Seine Schauspielausbildung und die Arbeit am Theater oder auch als Synchronsprecher kommen Lontzek hier entgegen.

Für Lontzek sind die "Will Robie"-Bücher "Pageturner" mit "Hollywood-Pathos", wie er im n-tv.de-Interview sagt. Es gibt Millionen, die genau das mögen. Für sie ist "Der Feind im Dunkeln" ein absolutes Muss. Die vier Vorgänger muss man dabei nicht kennen, sie sind aber hilfreich, wenn man an der Weiterentwicklung der Person Will Robie interessiert ist. Also: Mit "Der Killer" anfangen, danach "Verfolgt" und "Im Auge des Todes" sowie "Falsche Wahrheit" vorknöpfen, ehe "Der Feind im Dunkeln" an die Reihe kommt. Will Robie macht schließlich auch keine Gefangenen.

"Der Feind im Dunkeln" bei audible downloaden

Quelle: n-tv.de

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