Hörbücher

Hörbuch von Arno Strobel Im Dorf regieren Angst und Schrecken

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Was geschieht in der halbverfallenen Scheune?

Bastian Thanners Freundin ist offenbar entführt worden und bangt nun in einem einsamen Dorf in Mecklenburg um ihr Leben. Der Journalist Thanner macht sich auf, ihr zu helfen und gerät in einen Alptraum, in dem ihm die Wirklichkeit immer weiter entgleitet.

Dass ländliche Gegenden durchaus ihr ganz eigenes Grauen entfalten können, ist nichts Neues. Und auch in Arno Strobels "Das Dorf" lässt bereits die Prologszene ahnen, dass dieses Dorf alles andere als ein romantischer Ort ist. Denn alles deutet daraufhin, dass hier gleich ein Mensch in einem brutalen satanischen Ritual sein Leben verlieren wird.

Doch zunächst reißt ein verstörender Anruf Bastian Thanner an einem Herbsttag aus dem Schlaf. Seine Freundin Anna ist am Telefon, vielmehr seine Ex-Freundin, denn Anna hat ihn verlassen. Nun aber fleht sie am Telefon mit angsterfüllter Stimme um Hilfe. "Sie werden mich töten", flüstert sie heiser. Frohndorf an der Müritz lautet Annas magere Ortsbeschreibung, bevor die Verbindung abbricht. Viel Zeit scheint nicht zu bleiben.

Allerdings reagiert die Polizei eher zurückhaltend auf Thanners Anzeige, eine Ex-Freundin, die nach vier Wochen Beziehung wieder ihrer Wege geht – das klingt eher nach einer unverarbeiteten Beziehungskiste als nach einem Verbrechen. Doch Thanner war schon damals sicher gewesen, dass Anna nicht freiwillig gegangen war. Schon deshalb kann er nun die Warnung einer anonymen Männerstimme nicht beherzigen: "Vergessen Sie sie!" Wenigstens will die Polizei versuchen, den Anruf zurückzuverfolgen und auch an der Müritz mal nachfragen.

Frohndorf oder Frundow?

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Das Hörbuch ist bei Argon erschienen und umfasst 6 CDs (19,95 Euro).

Bis dahin kann der Journalist Thanner, der als Dreijähriger seine Eltern bei einem Unfall verlor, jedoch nicht untätig in seiner Schweriner Küche sitzen. Seine Internetsuche liefert für Frohndorf keinerlei Treffer, stattdessen bietet sie Frundow an, es wird nicht die letzte Namensverwicklung für diesen Ort bleiben. Dieses Frundow jedenfalls liegt gerade mal anderthalb Autostunden entfernt und Thanner beschließt, sich selbst auf die Suche zu machen. Begleitet wird er von Zafi Hamut, einem libanesischen Freund mit ausgeprägter Zahlenzwangsstörung.

Tatsächlich stößt Tanner in Frundow auf Spuren von Anna. Ein Taxifahrer hat sie gesehen, in einem Keller meint er ihre Tasche zu entdecken. Doch je näher er seiner Ex-Freundin zu kommen scheint, desto geheimnisvoller werden die Dinge. Die abgeschiedene Siedlung heißt demnach gar nicht Frundow, sondern Kissach. Viele Häuser stehen leer, der Strom scheint nur unregelmäßig zu funktionieren, Telefon gibt es offenbar auch nicht. Die Menschen hier wirken seltsam, nicht nur verschlossen und misstrauisch, sondern fast zombiehaft. Immer wieder erhält Thanner Warnungen, plötzlich verschwindet Zafi, die Reifen seines Autos werden zerstochen.

Er kommt bei einer Dorfbewohnerin im Gästezimmer unter, doch mit jeder Stunde scheint die Lage bedrohlicher zu werden. Thanner erfährt, dass vor 25 Jahren im Dorf Furchtbares geschah. Menschen verschwanden und tauchten nie wieder auf, bei schwarzen Messen in der Scheune des Ortes erlitten sie unfassbare Qualen. Kinder wurden entführt und kehrten als seelische Wracks zurück. Hinter all dem scheint eine pseudoreligiöse Sekte zu stecken, die nun zurückgekehrt ist. Thanner gerät immer mehr in den Sog des Dorfes hinein, die Grenzen zwischen Realität und Traum verschwimmen zunehmend. Er versucht zu fliehen und wird mit Schüssen daran gehindert.

Was ist hier los?

Und was hat es mit jenen rätselhaften Aufzeichnungen auf sich, die vor 25 Jahren offenbar ein Journalist in Kissach gemacht hat? Sollte dieser Mann tatsächlich sein Vater sein? Thanner sieht Dinge, die es scheinbar nicht gibt oder so nicht gibt.

Häuser, in denen er eben noch mit Menschen gesprochen hat, wirken im nächsten Augenblick verfallen und leer. Ist sein Freund Zafi wirklich tot? Wer versucht, in sein Zimmer einzubrechen? Und wieso steht Anna plötzlich an seinem Bett? Die Wirklichkeit entgleitet Thanner immer mehr. Er bekommt das sichere Gefühl, verrückt zu werden, bis er schließlich gezwungen wird, einem schrecklichen Ritual beizuwohnen.

Bestsellerautor Arno Strobel legt mit "Das Dorf" inzwischen sein sechstes Buch vor. Inzwischen beherrscht er die Thrillerwerkzeuge von einsamer Gegend, wachsender Angst und zunehmender Hilflosigkeit aus dem Effeff. Dass dieses Szenario in "Das Dorf" mehr als einmal etwas unglaubwürdig daherkommt, ist bisweilen ärgerlich. Das gilt besonders für die Auflösung des Falles.

Schon die bisherigen Strobel-Titel hat Sascha Rotermund als Hörbücher eingelesen. Die tiefe und wandlungsfähige Stimme des 40-Jährigen gibt dem psychologisch aufgeladenen Text Strobels zusätzliche Spannung. Rotermund, der vielen als Synchronstimme von Bendedict Cumberbatch, Christian Bale oder Joaquin Phoenix bekannt ist, liest ruhig, fast stoisch, trotzdem entfaltet seine Stimme eine solche Kraft, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen.

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Quelle: ntv.de