Hörbücher

Shoot to thrill Wenn James Bond den "Kreidemann" trifft

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Wer jetzt Daniel Craig als James Bond sieht, sollte auch den Namen Dietmar Wunder im Kopf haben.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

In Deutschland stehen Krimis und Thriller hoch im Kurs. Das gilt auch für Audiobooks. Wichtig dabei ist die Stimme des Sprechers. n-tv.de stellt sechs actiongeladene Hochspannungs-Thriller vor. Gänsehaut garantiert.

Wenn Medienexperte Stephan Weichert im n-tv.de Interview sagt, dass "Deutschland ein Krimi-Leser-Zuschauerland" ist, glaubt man ihm das sofort. Die Einschaltquoten von "Tatort", "Polizeiruf" und "Bones" sind der Beweis. Dass die Zahlen stimmen, liegt auch an der jüngeren Generation, die der actiongeladeneren, schnelleren Krimi-Variante, dem Thriller, mehr und mehr frönen. Amazon Prime und Netflix sei Dank. Sie bringen laut Weichert "neue Erzählweisen" ins Spiel, auf die die Jugend abfährt.

Kein Wunder also, dass auch auf dem Hörbuch-Markt die Bestsellerlisten in schöner Regelmäßigkeit von Krimis und Thrillern angeführt werden und es auch immer mehr hochwertig inszenierte Hörspiele wie Jussi Adler-Olsens "Erbarmen" oder "Akte X: Cold Cases" gibt. n-tv.de stellt sechs Audiobooks vor, die Hochspannung fürs Kopfkino garantieren.

Köder, Puppen, Serienmörder

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"Hangman", Daniel Cole, 12:09 h, (Hörbuch Hamburg)

(Foto: Hörbuch Hamburg)

"Hangman" ist der zweite Fall der New Scotland Yard-Reihe von Daniel Cole. Spielte der Erstling "Ragdoll" nur in London, beginnt der zweite mit einem Mord in New York: Ein Toter wird von der Decke hängend gefunden.  Das Wort "Köder" ist in seine Brust geritzt. Die Cole-Fans wissen: Das sieht nach dem "Rafgdoll"-Mörder aus. Chief Inspector Emily Baxter aus London wird angefordert, auch sie kennt der Zuhörer aus dem ersten Buch.

Es bleibt nicht bei dem einen Mord. Dem nächsten Opfer wird das Wort "Puppe" in die Brust geritzt - und die Ermittler von FBI, CIA und New Scotland Yard haben es fortan nicht nur mit einem durchgeknallten Mörder zu tun, sondern auch mit völlig durchdrehenden Medien und sozialen Netzwerken.

"Hangman" spielt mit zwei Handlungssträngen, zwei Hauptspielorten, mehreren Sympathieträgern und punktet zudem mit der bei Krimi- und Thrillerfans sehr bekannten Stimme von Peter Lontzek (bekannt etwa für David Baldaccis "Will Robie"-Serie oder Arne Dahls "Berger und Blom"-Reihe). "Hangman" ist keine klassische Fortsetzung, sondern eher eine Weiterentwicklung und weckt hohe Erwartungen an den nächsten Fall.

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Im Kongo ist die Hölle los

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"Schwarzes Requiem", Jean-Christophe Grangé, 12:48 h in der gekürzten Fassung, (Lübbe Audio)

(Foto: Lübbe Audi)

Über Jean-Christophe Grangé noch viele Worte zu verlieren, wäre Zeitverschwendung. Es reicht, seine bekanntesten Werke aufzuzählen: "Die purpurnen Flüsse" und "Pakt der Wölfe", bekannt auch durch die kongenialen Verfilmungen. Mit "Schwarzes Requiem" übertrifft Grangé diese beiden aber noch. Bei diesem Hörbuch, das ungekürzt über eine Spielzeit von 20:39 Stunden geht, jede einzelne Minute hörenswert, knüpft Grangé thematisch an "Purpurne Rache" an. Der Titel verwirrt, weil er zwar auf die "Purpurne Flüsse"-Bücher hinweist, aber die Story nichts damit zu tun hat.

Mit "Purpurne Rache" und nun "Schwarzes Requiem" schafft Grangé eine Familiensaga, deren Geschichte(n) dem Zuhörer wie mehrere Schläge in die Magengrube vorkommen: Es geht um Verschwörungen, Geheimdienstmissionen, Bergbau, Verrat, Mord - und das alles spielt nicht nur in Frankreich. Ein Großteil der Handlung spielt im Kongo. Es geht um einen Massenmörder, der zwar gefasst und in eine Psychiatrie eingewiesen wurde, dort auch starb, nun aber offenbar zurückgekehrt ist und nach Jahrzehnten Pause sein Ursprungswerk vollenden will.

Was bei beiden Büchern fasziniert, ist das Wissen Grangés über das Leben im Kongo. Vor allem "Schwarzes Requiem" könnte prima auch als James-Bond-Teil durchgehen. Passenderweise ist Dietmar Wunder der Sprecher, die Synchronstimme von Bond-Darsteller Daniel Craig. Wunder liest aber nicht nur vor, er spielt regelrecht die einzelnen Rollen, sodass man sich als Zuhörer fast wie in einem Hörspiel fühlt. Die Verfilmungen von "Purpurne Rache", das man vor dem Genuss von "Schwarzes Requiem" unbedingt gehört haben sollte, dürften Kassenschlager werden.

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Wenn "Sleepers" auf "Die Goonies" trifft

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"Der Kreidemann", C. J. Tudor, 9:46 h, (der Hörverlag)

(Foto: Der Hörverlag)

Mit einer sehr bekannten Stimme kann auch "Der Kreidemann" von C. J. Tudor punkten. Kein Geringerer als Schauspieler Devid Striesow konnte für diesen Thriller gewonnen werden, der an "Sleepers" erinnert. Ein paar Freunde genießen zunächst voll ihre Kindheit, ziehen gemeinsam durch die Gegend - bis Eddie die Bekanntschaft des "Kreidemanns" macht. Er bringt dem Jungen bei, wie er mit seinen Freunden auf geheime Weise durch Zeichnungen kommunizieren kann. Das ist cool und macht Spaß. Doch dann führen die geheimen Botschaften sie zur Leiche eines Mädchens.  

30 Jahre später hat Eddie all das vergessen, die Vergangenheit hinter sich gelassen und die Freunde haben sich auseinandergelebt. Da taucht plötzlich ein Brief auf, der Inhalt: ein Stück Kreide und die Zeichnung eines Strichmännchens. Eddie wird klar: Die Vergangenheit hat noch keine Ruhe gefunden.

Als Zuhörer von "Der Kreidemann" fühlt man sich zunächst an die eigene glückliche Kindheit erinnert und an Filme wie Steven Spielbergs "Die Goonies". Man erinnert sich an den perfekten Sommer von einst, ehe Tudors Plot kippt und man sich inmitten eines spannenden Thrillers wiederfindet, der einen durch die unverkennbare Stimme Striesows noch zusätzlich fesselt und perfekt unterhält. Am Ende fühlt sich der Zuhörer wie Eddie, den "Der Kreidemann" nicht loslässt.

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Frauen, Liebe und Oasis

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"Missing", Claire Douglas, 10:42 h, (der Hörverlag)

(Foto: der Hörverlag)

Dass die Vergangenheit nicht ruht, beschäftigt auch Claire Douglas, herausgekommen ist ein in einem englischen Badeort spielender, packender Thriller: "Missing". Darin sind Francesca und Sophie beste Freundinnen. Sie genießen die 1990er-Jahre, Oasis, Madonna und ihre Freundschaft. Doch dann ist Sophie eines Tages spurlos verschwunden. Ein einzelner Turnschuh ist alles, was am Pier von ihr zurückbleibt.

18 Jahre später wird am Pier eine Leiche angespült. Francesca, mittlerweile gestandene Frau und Leiterin einer Hotelkette, muss zurück in den verschlafenen Ort. Sie will Antworten finden und Sophies Bruder hilft ihr dabei. Dabei ahnt Francesca nicht, dass sie selbst der Schlüssel zu den Rätseln der Vergangenheit ist.

"Missing" ist ein Hörbuch für Frauen. Punkt. Und für alle, die in den 1990ern groß geworden sind. Die zu Oasis oder Nirvana gerockt und den Euro Dance verabscheut haben. "Missing" ist für sie eine Reise zurück, Thema glücklichere Vergangenheit. Aber auch "Missing" zeigt, dass der Abgrund, das Böse, nur einen Steinwurf entfernt wartet - und dass die eigene Familienhistorie die größten Geheimnissen birgt. Gelesen wird "Missing"  (Beititel: "Niemand sagt die ganze Wahrheit") eindrucksvoll von Cathlen Gawlich und Lauren Maire. Maire ist die Synchronstimme von Ashley Greene ("Twilight"-Saga), Gawlich spricht Elizabeth Banks, bekannt etwa aus der "Tribute von Panem"-Reihe. Beide sind zudem selbst Schauspielerinnen, was dem Hörbuch sehr zugutekommt.

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Ein Einzelgänger kämpft sich durch

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"Drei Zeugen zu viel", Steve Hamilton, 8:19 h, (Audible Studios)

(Foto: Audible Studios)

Bei Steve Hamiltons "Drei Zeugen zu viel" handelt es sich um den zweiten Fall für Nick Mason. Der sperrige Titel ist Programm, der Erstling kam als "Das zweite Leben des Nick Mason" daher. Nick Mason landete im Knast für lange Zeit, kam aber frei und muss als Gegenleistung nun Handlangerdienste für einen Unterweltboss ausführen. Er ist quasi Privatdetektiv mit dickem Geldbeutel, guten Kontakten und einer unkonventionellen Vorgehensweise. Er ist zuweilen unberechenbar - und hat doch Prinzipien.

Die muss er allerdings immer häufiger über Bord werfen, denn seine Tochter und seine Ex-Frau sind nun Teil des Spiels. Sie werden bedroht, dienen als Pfand dafür, dass Mason seine Aufträge zur vollsten Zufriedenheit erledigt - und ohne großes Aufsehen. Das schreit natürlich nach Ärger, Action und coolen Sprüchen.

Peter Lontzek ist als Sprecher der Mann fürs Grobe und fürs Feingefühl. Beides beherrscht er perfekt. Und so sind die Nick-Mason-Thriller ganz großes Kopfkino in guter alter amerikanischer Detektiv-Haudrauf-Tradition.

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Waterboarding und "Akte X"-Gefühl

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"In deinem Namen", Harlan Coban, 9:03 h, (der Hörverlag)

(Foto: der Hörverlag)

Haudrauf steht auch bei Detective Nap Dumas auf dem Programm. Aber er weiß auch, die feine Klinge zu führen. Er kämpft allerdings noch immer mit dem Verlust seines Bruders Leo, der vor mittlerweile 15 Jahren gemeinsam mit seiner Freundin tot aufgefunden wurde, mysteriöserweise von einem Zug überfahren. Zur gleichen Zeit verschwindet auch Naps Freundin Maura spurlos - bis nun bei Mordermittlungen ihre Fingerabdrücke auftauchen.

Nap ist wie von Sinnen, er erhofft sich zum einen Antworten auf den Tod seines Bruders und zum anderen endlich, seine große Liebe wiederzusehen. Allerdings geschehen weitere Morde und wie es scheint, haben sie etwas mit der Vergangenheit zu tun und mit einer nahegelegenen, einst geheimen, Raketenbasis der Armee.

Wem dieses "Akte X"-Flair noch nicht reicht und wer zu den ganz Hartgesottenen gehört, wird akustischer Zeuge von Waterboarding-Folter. Sprecher Detlef Bierstedt sorgt dabei für den Extra-Kick, denn als Zuhörer hat man sofort George Clooney vor Augen, den Bierstedt synchronisiert. Das passt wie die Faust aufs Auge.

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Quelle: n-tv.de

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