Unterhaltung
Montag, 06. November 2017

"Ich bin gerne eine Diva": Alina - die nächste Mariah Carey

Mariah Carey zu treffen, das ist ein Wunschtraum, denn La Carey ist Alinas großes Vorbild. Eigentlich braucht Alina aber gar keine Vorbilder mehr - sie hat selbst das Zeug dazu, eines zu sein: eine Stimme, die einen umwirft, Texte, die in die Tiefe gehen. Selbst geschrieben, wohlgemerkt. Mit n-tv.de spricht die junge Sängerin in einem Café in München über Stimmung, Stimmungen und Stimmbänder.

n-tv.de: Bist du aufgeregt vor Auftritten?

Alina: Ja, voll! Ich habe sehr viel Respekt vor der Bühne. Und in letzter Zeit waren die Auftritte oftmals wie kleine Prüfungen. Ich habe schon immer Lampenfieber – aber natürlich habe ich mir ein paar Routinen zugelegt, die mir dann helfen. Aber jetzt passieren ständig Dinge, die habe ich so zuvor noch nie erlebt.

Ich bin mir sicher, dass wir viel von dir hören werden – deswegen erzähl' doch mal ein bisschen von dir, wo du herkommst, wo du hinwillst. Wir wollen dich kennenlernen!

Okay. Ich fange ganz vorne an: Ich komme aus dem Schwarzwald, aus dem beschaulichen Waldshut-Tiengen, direkt an der Schweizer Grenze.

Vermisst du deine Heimat manchmal?

Ja. Ich bin sehr gern in meiner neuen Heimat Berlin, aber manchmal vermisse ich den Schwarzwald schon sehr (lacht).

Hast du dort mit der Musik angefangen oder erst später?

Ich mache eigentlich schon immer Musik. Ich habe bereits in der Familienband meiner Eltern Musik gemacht. Mit sieben hatte ich den ersten Auftritt. Das war eine Hobbyband. Wir hießen praktischerweise genauso wie der Schreibwarenladen meiner Eltern (lacht).

Hatte schon immer eine "alte" Stimme: Alina.
Hatte schon immer eine "alte" Stimme: Alina.(Foto: Universal/ Ben Wolf)

Und was hast du gesungen?

Schlager-Klassiker, aber auch Elvis und die Carpenters. Meine Mutter an der Gitarre und Gesang, mein Papa an der Trompete, mein Opa am Bass …

Was waren deine damaligen Hits?

"Let's Twist Again" und Roberta Flag "Killing Me Softly". (lacht)

Mit sieben?!?

(lacht) Ja, ich hatte schon damals eine alte Stimme, hat man mir gesagt.

Naja, sagen wir mal, deine Stimme ist gewaltig, reif und voll. Aber nicht alt!

Ich war eigentlich immer am Singen. Meine Eltern haben mir nie gesagt, dass ich mal leise sein soll, oder dass ich etwas nicht kann. Ich war ihr Goldkehlchen auf dem Präsentierteller.

Ist doch toll! Die meisten Eltern warnen ihre Kinder doch vor einer Künstlerkarriere.

Stimmt, bei uns war es ganz im Gegenteil. In den Teeniejahren habe ich aber damit gehadert. Denn ich wollte immer alles geben und bringen und das geht eben nicht immer. Aber davon muss man sich als junger Mensch eben auch mal frei machen.

Und wie ist dir das gelungen?

Durch mein erstes Studium. Literatur, Kunst und Medien in Konstanz. Das war mein erster Schritt von zu Hause weg.

Weil du dich auch unter Druck gefühlt hast?

Ja, irgendwie schon. Ich habe der Musik dann auch erstmal den Rücken zugekehrt, obwohl das natürlich mein Leben war und ist.

Du wolltest da mal raus …

Ja …

Du fühltest dich unter Druck …

Ja. Ich musste mich einmal neu erfinden, die Puzzelteile wieder zusammensetzen. 

Hast du damals auch auf Deutsch gesungen?

Nein, immer nur Englisch. Obwohl ich zum Beispiel total auf Alexandra stand, "Mein Freund, der Baum", das habe ich geliebt.

Du klingst manchmal auch ein bisschen wie Alexandra und auch wie Daliah Lavi.

Oh, danke, das ehrt mich.

Ein bisschen Hildegard Knef und Marlene Dietrich sind auch mit drin …

Ja, das klingt dann noch ernster. Zum Singen auf Deutsch kam ich dann, als ich nach Mannheim an die Pop-Akademie ging. Dort habe ich wieder zu meiner singenden – ich sag' mal - Künstler-Persönlichkeit zurückgefunden.

In Mannheim hast du also nochmal gelernt, dass du Sängerin bist. Du wusstest es eigentlich schon, aber dort wurde es dir dann so richtig bewusst.

Ja, eine neue Tür ist für mich aufgegangen. Als Kind habe ich mir ja schon immer Melodien und Songs ausgedacht. Ich habe viel mit Sprache gemacht. Es gab aber kaum Vorbilder, oder fällt dir eine weibliche Songwriterin ein?

Kristina Bach? (Anm.: Die Sängerin und Komponistin schrieb Helene Fischers "Atemlos durch die Nacht")

(lacht) Stimmt. Aber es gibt doch wenige Vorbilder als Gesamtpaket. In Mannheim jedenfalls wollte ich mich nun endlich finden (lacht), und hatte dann auch so ein Aha-Erlebnis bei mir zu Hause im WG-Zimmer: Dort bin ich auf ein Glockenspiel gestoßen, das "Celesta", als ich mit Sounds experimentiert habe. Da habe ich eine neue Datei geöffnet, das dann gelooped und dann ist mein Song "Kind sein" rausgekommen.

Hattest du da auch dein "Kind sein" vermisst?

Ja, so weit weg von zu Hause. Mannheim ist ja sehr rau, aber auch ein bisschen wie Mini-Berlin, was Medien und Musik angeht. Da hat sich eine Szene gebildet. Und endlich war ich unter Gleichgesinnten, dachte ich. Man kann aber auch leicht untergehen, weil jeder wirklich stark seine höchsteigenen Ziele verfolgt. Jeder ist so wahnsinnig ambitioniert mit seinen eigenen Projekten. So irre dramatisch manche, aber dann auch wieder die Businessleute. Zusammengefasst: dort befindet sich eine Persönlichkeitsstörung neben der anderen, im positivsten Sinne (lacht).

Ist das nicht erleichternd, so viele, die etwas Ähnliches wollen?

Ja, schon, und ich war auch tatsächlich schon immer ein wenig exzentrisch, ein bisschen eine Diva …

Hat das nicht einen leicht negativen Touch?

Ja schon, aber ich bin gerne eine Diva (lacht).

Eine Diva hat Allüren …

Ja, aber dort an der Pop-Akademie ist mir klar geworden, dass das für ein Künstlerdasein natürlich genau das Richtige ist. Diven werden dringend gebraucht (lacht).

Sängerinnen mit großen Stimmen werden ja gern mal als Diva bezeichnet. Celine Dion, Aretha Franklin, Shirley Bassey ... Und diese Frauen gehen auch voran und machen Türen auf.

Eine Diva ist meiner Meinung nach das männliche Pendant zum Alphatier. Eine Frau, die weiß, was sie will, wofür sie steht, die etwas zu sagen hat und die erfolgreich ist. Eine Diva ist im besten Sinne weiblich und für mich mit überwiegend positiven Eigenschaften besetzt. Es hat geradezu etwas Emanzipatorisches.

Ich habe die besten Fans!
Ich habe die besten Fans!(Foto: Universal/ Ben Wolf )

Und wer ist dein Idol?

Das darf man ja keinem verraten eigentlich, aber es ist Mariah Carey. Ich l-i-e-b-e- sie! Team Mariah forever! Sie schreibt ihre Songs selbst, das sind ihre eigenen Geschichten. Sie hat die großartigste Pop-Stimme und sie spornt mich so an, weil sie eigentlich unsingbar ist. Sie ist der Jimi Hendrix unter den Sägerinnen. Mir kommen die Tränen, wenn ich ihr Unplugged-Album höre. Da sitzt Gott in den Stimmbändern.

Auf der eine Seite also Diva, auf der anderen Seite scheinst du aber extrem sensibel zu sein, so sind deine Texte. Bist du da nicht besonders angreifbar?

Am Anfang schon, aber das hat sich gelegt. Ich war schon immer der Typ "offenes Buch", deswegen kann ich gar nicht anders. Ich muss Dinge rauslassen, ansprechen. Ich kann nicht warten. Es muss sofort raus. Dafür bin ich nicht nachtragend. Ich bin eben extrovertiert und ich möchte mich mitteilen, so funktioniere ich. Ich öffne mich gerne und dann kriege ich auch positives Feedback. Und das verbindet, wenn man authentisch ist, wenn man Schwächen zulässt.

Das erleichtert, wenn es anderen ähnlich geht, stimmt. Du hast sechs Jahre an deinem Album gearbeitet, wie hast du da existieren können?

Horror! Ich habe alles gemacht! Unzählige Nebenjobs. Aushilfe, Kellner, Hotelzimmer putzen, Covermusik, auf Veranstaltungen gesungen, Gesangsunterricht gegeben, mit einem Freund eine Jam-Night organisiert, ich habe dann moderiert, das Booking und so weiter. Ich habe da jedenfalls gelernt, auf der Bühne freier zu sein. In Berlin hatte ich einen Bürojob in einem Start-Up, als Office-Managerin (lacht). Das war aber nix für mich. Aber mit jedem Nein bin ich näher zu meinem Ja gekommen. Philosophisch, oder?

Nein sagen ist ja gar nicht einfach.

Ich musste zum Beispiel nein zum Chanson sagen. Ich liebe den Chanson, aber es ist nicht hundertprozentig meins. Ich wollte die Freiheit haben, Popmusik machen zu können und selbst zu schreiben.

Hattest du schon größere Krisen?

Ja, als ich meine Stimmbänder operieren lassen musste, da hatte ich wirklich Angst, dass es nie wieder sein wird früher. Aber ich habe eine ganz tolle Stimmtherapeutin, alles ist gut geworden.

Und dann Berlin?

Naja, es wartet ja keiner auf einen. Man muss ganz schön rudern. Aber bald hatte ich das richtige Management, und dann auch Produzenten. Aber das hat gedauert.

Lebst du gerade deinen Traum?

Irgendwie schon! Eigentlich übersteigt es alles gerade jegliche Erwartung. Es ist großartig. Ich bekomme auch so ein tolles Feedback, die Leute schreiben mir, dass sie sich in meiner Musik erkannt fühlen. Ich bekomme die schönsten Nachrichten auf der Welt.

Mit Alina sprach Sabine Oelmann

Am 7. November spielt Alina in München, am 9. November in Köln, weitere Termine folgen

"Die Einzige" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen