Musik

"Ich bin einfach nur ein Mann" Bryan Adams, immer "Man of the Year"

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So kennt man ihn, ganz in seinem Element.

(Foto: imago stock&people)

Der Mann ist die Ruhe selbst, ganz im Gegenteil zu allen, die um ihn herum sind. Es herrscht Aufregung, denn er soll einen Preis bekommen. Die Stadt ist verstopft, es ist kein Durchkommen, es scheint einen Menge Männer zu geben, die preiswürdig sind. Adams reiht sich ein in eine exklusive Riege von Kerlen wie Tom Jones, Mads Mikkelsen, Tommy Hilfiger, Daniel Brühl, die Fantastischen Vier und Boris Becker. Boris Becker? Da wollte wohl jemand Frau Becker glücklich machen; auch gut, denn worum geht es im Leben? Um die Liebe natürlich, und darüber weiß auch der 56-jährige Bryan Adams ein oder zwei Lieder zu singen, womit wir bei Thema wären: Er hat ein neues Album, "Get up" heißt es, und die Kritik erreicht eine Bandbreite von "Schmalz" bis "Schmirgelstimme wie eh und je". Super sieht er aus, als er die Tür zu einem Umkleideraum der Komischen Oper öffnet, wo am Abend die Preisverleihung des Männermagazins GQ stattfinden soll - selbst im schlimmen Licht und dem schnöden Charme dieses Zimmers, in dem die Zeit seit 1989 stehen geblieben scheint.

n-tv.de: Happy Birthday, Mr Adams. Alles Gute zum Geburtstag!

Bryan Adams: Wow, danke, dass Sie daran gedacht haben! Es haben mit heute noch nicht so viele gratuliert. Könnte ich auch noch eine Umarmung haben?

Logo kann er. Und tatsächlich, er sieht nicht nur gut aus.

Willkommen in meinem glamourösen Ankleidezimmer.

Dem Anlass gerecht … Wir wollen natürlich über Ihr Album sprechen, aber zuerst einmal die Frage danach, ob Sie jemand sind, dem Preise wichtig sind.

Na klar, das ist immer nett, nach all der Zeit (lacht). Ich meine, das Album ist in den deutschen Charts gleich auf der drei gelandet, das ist großartig. (zögert)

Sind Sie etwa überrascht?

Ja, ich weiß nicht. Schauen Sie, eines müssen Sie über mich wissen: Ich habe eigentlich nie große Erwartungen. Dann kann ich auch nicht enttäuscht erden. Verstehen Sie?

Ja, klar, aber Sie wissen doch, was Sie können, oder?

Schon, aber wie die Reaktionen ausfallen, weiß man nie.

Ihr letztes Album hieß "Track of my Years", es ist noch gar nicht so lange her. Es war eine Art Rückblick. Jetzt der Weckruf "Get up!", ein Blick in die Zukunft?

Ja, die Zukunft ist das, was mir momentan sehr am Herzen liegt.

Gilt dieses "Get up" Ihnen selbst oder ist eine Aufforderung an andere?

Es ist eher so eine innere Angelegenheit … Ich mag das, was dahinter steht. Den Hintern hochzukriegen, sozusagen. Und es gab Alben, die klangen im Titel ähnlich, wie zum Beispiel "18 'til I die" … passen Sie auf, dass Ihr Tee nicht zu lange zieht!!

Und schwupps, zieht er den Beutel aus der Tasse und hantiert das dampfende Ding ins Waschbecken.

Der wird schnell zu stark, dann schmeckt er nicht mehr.

Die Kritiken zu ihrem Album sind gut, fast überschwänglich. Manche wirken überrascht – wie kommen Sie denn mit schlechten Kritiken zurecht, ficht Sie das überhaupt noch an?

Ich lese das nicht, ich höre es mir nicht an, ich sehe es mir nicht an. Ich gebe also einen Scheiß darauf (lacht). Ist doch alles reine Geschmacksache, und wer mich nicht mag, kann sich genug andere anhören.

Ich mag vor allem die Stücke in der Acoustic Version – und Verzeihung, dass ich das jetzt sage, aber ich habe sofort an George Harrison gedacht, als ich "Don't Even Try" gehört habe …

Das ist doch schön, das ehrt mich. Ich hatte das auch so im Kopf.

Ich dachte, ich will das vielleicht nur hören …

… Nein, nein, es war Absicht! Ich wollte diesen Sixties-Sound, und auch bei "You belong to me" ist das so. Es war nämlich so: Ich wurde von einem Regisseur gebeten, einen Soundtrack zu schreiben für einen TV-Piloten, in dem es um eine Band gehen sollte. Leider ist die Serie dann doch nicht entstanden, aber ich war auf den Geschmack gekommen. Und dann fragte mich mein Songwriter Jim Vallance, was aus den Stücken geworden sei. Naja, hier sind sie also. Und es ist echt egal, woher die Inspiration für einen Song kommt, so lange er gut ist. (lacht)

Die schnelleren Stücke sind eher so im Fifties-Style, man sieht geradezu die Petticoats schwingen.

Ja, aber ich seh' mehr Rockabillies … (lacht)

We did it all“ ist mein Lieblingslied, man kann es sofort mitsingen. Wie macht man so einen Song?

Keine Ahnung, Hauptsache Sie können mitsingen! Ich mag auch bei dem Song, was dahinter steht. Dieses "wir haben schon eine Menge gemeinsam erlebt, jetzt schaffen wir den Rest auch noch" ist etwas, was sich doch durch unser aller Leben zieht. Es ist dieses "Wir gegen den Rest der Welt"-Gefühl, es ist so romantisch, oder?

Deswegen kann ich auch mitsingen … Und Sie haben dieses Gefühl bestimmt auch schon erlebt, oder?

Ja, natürlich. Manchmal, wenn man mit jemandem zusammen ist, dann fühlt man sich ja unbesiegbar. Dieses Gefühl kann sich aber auch wieder ändern. Leider. Das Lied "Brandnew Day" wurde von diesem Kerl komponiert, der denkt, dass es woanders immer besser ist, als da, wo er gerade ist. Und als er dann „auf der anderen Seite“ ankommt, stellt er fest, dass es auch nicht schlecht war, wo er herkommt. (lächelt)

Man kann nicht immer das haben, was man will, aber wenn man es dann bekommt, will man es vielleicht doch nicht mehr.

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So stellt man sich einen Gentleman-Rocker doch vor ...

(Foto: imago/Future Image)

Da muss ich jetzt mal drüber nachdenken.

Wann sehen wir Sie wieder?

Nächstes Jahr werde ich ständig auf Tour sein.

Gut!

Ja, das Motto ist eben "Get Up!" Ich muss den Arsch hochkriegen.

Sie sind doch noch jung! In einem Interview haben Sie vor kurzem gesagt, dass Ihr Songwriter und Ihr Produzent (Jeff Lynne) – alle in den Fünfzigern und Sechzigern – noch jung sind. Gilt das auch für Frauen?

Das hängt doch total von der Person ab. Ich muss nochmal auf "18 'til I die" zurückkommen: Das ist mein Motto. Wenn der Geist jung ist, dann ist alles kein Problem. Musik hält einen jung, und alt werden kann man später noch.

Aber nochmal: Ist da ein Unterschied zwischen älteren Frauen und älteren Männern?

(lacht) Keine Ahnung, ich bin ja keine Frau, ich habe es überprüft. Ich kenne Frauen in den Fünfzigern, die sind cool und wunderschön und jung im Kopf. Und ich kenne auch welche, die sind es nicht. Sie sollten davor keine Angst haben. Habe ich die Frage beantwortet? (lächelt)

Sie sagten auch, dass Sie dieses Album vor 25 Jahren hätten aufnehmen sollen, warum? Waren Sie da nicht eine ganz andere Person?

Nein, ich weiß nicht, ich glaube eigentlich nicht. Ich habe mich gerade heute schonmal gefragt, ob es denn wirklich gut wäre, wenn man alles nochmal machen könnte. Würdest du zurückgehen in der Zeit, wenn du könntest, und alles nochmal genauso machen?

Schwere Frage, nein, eher nicht.

Ja, sicher nicht genauso, aber das meiste. Und deswegen bringt es eh mehr, in die Zukunft zu schauen.

Das heißt, das Album kommt jetzt genau richtig.

Ich kann ja eh nichts mehr dran ändern. (lacht)

Mögen Sie eigentlich noch Ihren Mega-Hit "Everything I do?" oder können Sie den nach über zwanzig Jahren nicht mehr hören?

Natürlich mag ich den noch. Bei einem Konzert dreh ich das Mikro ins Publikum und alle singen, das ist fantastisch.

In „That's Rock'n Roll“ fragen Sie: „Wollt ihr Revolution oder Spaß?“ Was ist Ihnen lieber?

Ich habe eine Menge Spaß, seitdem ich eine Revolution ausgelöst habe (lacht). Das ist das Beste, ich hab beides. Diese Frage richtet sich aber tatsächlich an Menschen die Musik machen. Man muss sich am Anfang seiner Karriere schon fragen, was man will: Will man die Welt verändern oder einfach einen schnellen Lacher. Im Sinne von "kurzlebig". Man hat die Wahl.

Dann haben Sie ja alles richtig gemacht.

Das würde ich jetzt noch nicht behaupten. Das müssen andere beurteilen.

Noch eine Frage zur aktuellen Situation der Flüchtlinge in Europa – was sind Ihre Gedanken dazu?

Jeder der irgendwie helfen kann sollte das tun! Wenn man nicht selbst helfen kann, dann sollte man das Rote Kreuz unterstützen, die sind immer dort, wo es am wichtigsten ist. Es ist ja schon ein unglaubliches logistisches Problem: Millionen von Flüchtlingen brauchen täglich eine Flasche Wasser, eine Decke, müssen sich waschen. Das hört sich nach nichts an, bedeutet aber alles.

Haben Sie Angst?

Hm, nein, es war abzusehen. Was passiert, wenn man in ein Bienennest schlägt?

Die Bienen fliegen in Panik davon.

Ja. So war das im Irak, und so läuft es überall auf der Welt. In meinem Buch "Wounded" geht es ganz viel darum, was der Krieg und seine Folgen angerichtet hat.

Letzte Frage: Was an Ihnen gefällt Ihnen am besten - der Musiker, der Fotograf oder einfach der Mensch?

Puh, schwere Frage: aber wahrscheinlich der Musiker, denn der hat es möglich gemacht, meine Träume zu verwirklichen. Ich bin aber einfach meinem Instinkt gefolgt. Und dann erst konnte ich der Fotografie nachgehen. Tja und der Mann, hm, ich bin einfach ein Mann. (lacht) Aber ich bin natürlich auch vor allem ein menschliches Wesen, und da dauert es eine Weile, bis man herausgefunden hat, wer und wie man wirklich ist. Ergibt das irgendeinen Sinn?

Mit Bryan Adams sprach Sabine Oelmann 

Im Frühjahr geht Bryan Adams auf große Tour.

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Quelle: n-tv.de, soe

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