Musik

Von der Knospe zur BlüteCharley Ann geht ihren Weg

18.04.2015, 20:54 Uhr
imageVon Kai Butterweck

Trotz bekannter Eltern stellt sich Charley Ann Schmutzler für ihren Traum von der Musikkarriere ganz hinten an. Statt im Windschatten von Mami und Papi ins Business zu segeln, entscheidet sich die Sängerin für einen Castingshow-Alleingang.

Wer im Schoße von Eltern aufwächst, bei denen das Rampenlicht zum Alltag gehört, dem stehen bei der späteren Berufswahl in der Regel sämtliche Türen offen. Oftmals bedarf es nur einiger weniger Telefonate, um die Tore in den Entertainment-Olymp weit aufzustoßen, wenn sich Kinder von "Stars" dazu entschließen, es Mama oder Papa gleichzutun. Auch Charley Ann Schmutzler, Tochter der Schauspielerin Claudia Schmutzler ("Ein Fall für Stefanie", "SOKO Wismar") und des erfolgreichen Bassbariton Florian Hartfiel, wollte in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Sie wollte es aber alleine schaffen.

Das Berühmtsein an sich habe sie noch nie interessiert, so die gebürtige Dresdnerin im Gespräch mit n-tv.de: "Ich wollte einfach nur schauspielern und singen. Mit etwas mein Geld verdienen, das mir auch Spaß macht." Mit der Schauspielerei klappte es bereits in jungen Jahren schon beachtlich gut. Schon mit 13 ergatterte sie eine Nebenrolle in der satirischen Liebeskomödie "Leroy". Mit der Musik hingegen tat sich Charley Ann etwas schwerer: "Ich war ein schüchternes Mädchen, sang lieber für mich alleine unter der Dusche. Mein Gesang der Öffentlichkeit zu präsentieren, widerstrebte mir eher", verrät uns Charley Ann.

Warum zum Casting?

Doch die Liebe zur Musik wurde irgendwann zu groß, um sie weiterhin im Inneren versteckt zu halten. Mit 18 Jahren will Charley Ann raus in die Welt. Mama und Papa sollen allerdings im Verborgenen bleiben. Sie will es alleine schaffen. So bewirbt sich Charley Ann im Jahr 2013 für die Castingshow "The Voice Of Germany". Doch die Schüchternheit stellt der angehenden Sängerin erneut ein Bein, sie zieht ihre Bewerbung wieder zurück. Da stellt sich natürlich die Frage: Wieso ausgerechnet eine Castingshow? Warum entschied sich Charley Ann nicht für den klassischen Weg? Warum gleich ins Rampenlicht? Es dauert einen Moment, ehe die Sängerin antwortet: "Gute Frage, auf die ich, ehrlich gesagt, keine richtige Antwort habe. Ich wollte nur singen. Da bot sich das Format einfach an."

Ein Jahr später versucht es Charley Ann dann erneut. Während ihr beim Warten auf Schauspiel-Angebote daheim die Decke auf den Kopf fällt, entscheidet sich die mittlerweile in Hamburg lebende 21-Jährige für einen zweiten Castingshow-Anlauf. Trotz eigener Vorbehalte und jeder Menge kritischer Stimmen aus ihrem Freundeskreis wagt sie den Schritt ins Ungewisse, und merkt bereits nach wenigen "The Voice"-Tagen, dass es der richtige Weg war: "Ich hielt vorher auch nicht viel von Castingshows. Doch "The Voice" war irgendwie anders. Ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass sich die Verantwortlichen des Formats intensiv mit jedem einzelnen Kandidaten beschäftigen. Die Musik und der Mensch dahinter standen zu jeder Zeit im Vordergrund. Das hat mich beeindruckt und angetrieben", erinnert sich Charley Ann.

Die Folge: Aus der ehemals schüchternen Alleinunterhalterin wird eine selbstbewusste Frau, die mit ihrem außergewöhnlichen Soul-Timbre nicht nur die beiden Fanta-4-Juroren Michi Beck und Smudo um den Finger wickelt, sondern auch die TV-Zuschauer in ihren Bann zieht. Im Show-Finale setzt sie sich mit ihrem Song "Blue Heart" schließlich die Krone auf. All die Überwindungen und Entbehrungen haben sich letztlich ausgezahlt. Charley Ann ist im Ziel angekommen. Und das ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer beiden berühmten Erzeuger. Ein Punkt, der die Sängerin besonders stolz macht: "Ich bin total happy, es alleine geschafft zu haben, auch wenn es hart war. Aber es hat sich gelohnt."

Mit "besonders hart" bezieht sich Charley Ann vor allem auf die fehlende Freizeit, die nicht nur die Beziehung zu ihren Freunden, sondern auch die zu ihrem Lebenspartner auf eine schwere Belastungsprobe gestellt hat: "Wir sind aber immer noch zusammen, auch wenn es schwer ist. Ich kann nur allen, die einen ähnlichen Weg einschlagen wollen, dazu raten, sich im Vorfeld von der Basis ihrer Beziehungen zu überzeugen. So ein Casting-Marathon ist wirklich kein Zuckerschlecken."

Charley Ann Schmutzler ist ihren Weg gegangen. Dieser Tage erscheint ihr Debütalbum "To Your Bones"; ein Album, das internationale Soul-Pop-Vergleiche nicht zu scheuen braucht. Bleibt nur zu hoffen, dass die sympathische Wahl-Hamburgerin nicht dasselbe Schicksal erleidet, wie viele andere Castingshow-Gewinner vor ihr. Sprich: Heute ganz oben, und im nächsten Jahr bereits wieder in der Versenkung verschwunden. Wäre schade drum.

"To Your Bones" bei amazon bestellen

Quelle: ntv.de