Musik

Mit A capella von null auf eins Das Phänomen Pentatonix

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Social-Media-Helden und Hitparaden-Stürmer: Pentatonix.

(Foto: Sony Music)

A-capella-Musik galt bislang selten als hitparadentauglich. Die US-Band Pentatonix setzt dem ein Ende. Nach Abermillionen Fans und Views in den sozialen Netzwerken bricht auch das Album der Gruppe Rekorde.

Jetzt komme bloß keiner mit den Flying Pickets um die Ecke. Mehr als 30 Jahre ist es her, dass die Briten mit einer A-capella-Coverversion des Yazoo-Songs "Only You" zum One-Hit-Wonder wurden. Und das auch nur in Europa. In Deutschland gibt es die Wise Guys und Die Prinzen, die mit A-capella-Gesang zum Durchbruch gelangten. Doch international konnte schon lange keine Band nur mit Stimmakrobatik etwas reißen.

Seit Pentatonix ist das anders. Das Quintett aus Texas mischt seit seiner Gründung vor vier Jahren und dem anschließenden Gewinn der Talentshow "Sing Off" in den USA vor allem die sozialen Netzwerke auf: mehr als 2,5 Millionen Facebook-Freunde, 9 Millionen Abonnenten und insgesamt mehr als 1 Milliarde (!) Abrufe bei Youtube. Allein ein Medley von Daft-Punk-Songs, das die Band Ende 2013 veröffentlichte, wurde bis heute mehr als 160 Millionen Mal angesehen.

"Ja, früher habe ich wirklich jede Minute alles gecheckt: jeden Klick, jeden Kommentar, alle Likes … Heute mache ich das nicht mehr so", sagt Avriel "Avi" Kaplan, der Bass im Quintett, lachend im Gespräch mit n-tv.de. Kein Wunder, schließlich gibt es mittlerweile für die Gruppe noch ganz andere Dinge zu feiern als die Erfolge bei der Netz-Gemeinde. Anfang 2015 kürte sie nicht nur Youtube zum "Artist of the Year", auch einen Grammy können die Mitglieder von Pentatonix seither ihr eigen nennen. "All diese Dinge waren Meilensteine. Wir sind einfach froh, all das erleben zu dürfen", sagt Kaplan.

Doch seit vergangener Woche gibt es einen weiteren Meilenstein, der womöglich alles bisher Dagewesene für die Band noch toppt. Das selbstbetitelte Album "Pentatonix" schnellte von null auf eins in den US-Billboard-Charts. "Unendlich viele" Champagner-Flaschen hätten sie seither geköpft, verrät Kirstin "Kirstie" Maldonado, Mezzosopran und einzige Frau in der Band. "Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet, um Nummer 1 zu werden", versichert zugleich ihr Bandkollege Scott Hoying, der den Bariton zu Pentatonix beisteuert.

Tatsächlich ist der Gruppe mit dem Chartserfolg ein ganz besonderer Rekord gelungen - noch nie zuvor stand eine A-cappela-Formation an der Spitze der US-Hitparade. Dabei haben Pentatonix auf dem Album ihre Vergangenheit, in der sie hauptsächlich auf Coverversionen bekannter Songs setzten, weitgehend hinter sich gelassen. Bis auf eine gemeinsame Neuauflage des R'n'B-Klassikers "If I Ever Fall In Love" mit Jason Derulo wartet die reguläre Ausgabe des Albums ausschließlich mit Eigenkompositionen der Bandmitglieder auf. Lediglich die Deluxe-Variante hat noch ein paar mehr Coversongs zu bieten - zum Beispiel das ursprünglich von Justin Bieber gesungene "Where Are Ü Now".

"Wir wollen auf die Cover-Geschichten nicht völlig verzichten", erklärt Maldonado, "aber künftig schon verstärkt eigene Sachen machen". In dieser Hinsicht beschreiten Pentatonix also definitiv neue Wege. Wer das Album hört, könnte unterdessen auch den Eindruck gewinnen, die Gruppe verabschiede sich von ihrer reinen A-capella-Tradition. Doch weit gefehlt, wie der für das Beatboxing zuständige Kevin Olusola versichert: "Es gibt Stampfen und Klatschen. Das mag sich nach Instrumenten anhören - aber da sind keine." Technisch gesehen seien sie also nach wie vor eine A-capella-Formation, versichern die Bandmitglieder. Gleichwohl sei es ihr Ziel, altes Schubladen-Denken aufzubrechen. "Wir wollen als Popband wahrgenommen werden, weil wir schließlich auch mit Popbands konkurrieren. Letztlich ist es ja nur eine andere Art, Musik zu produzieren", erklärt Kaplan. Und tatsächlich hat ein Lied wie die Single-Auskopplung "Sing" jede Menge Pop-Schmiss - ganz ohne Instrumente.

Wirklich typisch ist der Song jedoch nicht für das Album. Dafür ist der gebotene Stilmix zu bunt. Die Arrangements reichen von Hip Hop bis hin zu R'n'B, von Reggae bis hin zu Club-Sounds - in A capella gegossen, versteht sich. "Wir hören alle sehr unterschiedliche Musik", erläutert Countertenor Mitchell "Mitch" Grassi. Kein Nachteil, findet Olusola: "Dadurch gibt es stets ein ganzes Bündel an Ideen."

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So sieht ein Nummer-1-Album aus.

(Foto: Sonya Music)

Dass sich Pentatonix bei kaum einem Stil oder konkreten Musikstück davor scheuen, eine A-capella-Variante ins Auge zu fassen, konnte in Deutschland schon einmal ein größeres Publikum miterleben. Denn tatsächlich war die Band zu Gast in der letzten Ausgabe von "Wetten, dass...?". Ihre Aufgabe damals lautete, die Musik-Geschichte der sterbenden Show mal eben gesanglich zusammenzufassen. Das Leben von Pentatonix indes hat mit dem neuen Album womöglich soeben erst richtig begonnen.

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Quelle: ntv.de