Musik

20 Jahre No Angels "Das ist eine Jubiläumsfeier, kein Comeback"

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Es ist kaum zu glauben - aber vor 20 Jahren wurden die No Angels entdeckt.

(Foto: dpa)

Die No Angels feiern ihr 20-jähriges Bandbestehen, mit einem Album voller "alter" Hits, das sie neu aufgenommen haben. Und natürlich mit ein paar neuen Songs. Ihre Stimmen mögen gereift sein, älter sehen sie deswegen nicht aus. Und genauso viel Spaß wie damals scheinen sie auch heute noch zu haben, wie sie im Gespräch mit ntv.de beweisen.

ntv.de: Mein Ohrwurm ist "Daylight" - welcher ist eurer?

Jessica: Ja, wir sind auch total geflasht von "Daylight" und vor allem von unserer neuen Version. Bei unseren Neuaufnahmen der alten Stücke sind schon zwei, drei Perlen, die einem dann auch nicht mehr aus dem Kopf gehen. Wahrscheinlich ist das für jede von uns 'ne andere Perle. (lacht)

Oft waren das ja keine Singles, sondern Album-Tracks …

Jessica: Ja genau. Wir haben aber natürlich auch neue Songs, die bestimmt Ohrwürmer werden.

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Die No Angels treten im Finale der 14. Staffel der RTL-Tanzshow "Let's Dance" auf.

(Foto: dpa)

Nadja: Auf jeden Fall. Genauer gesagt sind es vier neue Songs, und es war mega spannend, wie der ganze Prozess der Songfindung stattgefunden hat. Wir haben aus einem riesigen Pool von Songs wählen müssen, da waren eben alte dabei und neue, von unserer Plattenfirma, auch von unserem Produzenten Christian Geller. Letztlich haben wir nur ein Album zur Verfügung. Wir mussten uns dann als Gruppe entscheiden und - das war sehr krass - wir haben alle dieselben Favoriten ausgesucht. (lacht)

Jessica: Wenn ich daran denke, bekomme ich direkt wieder Gänsehaut!

Nadja: Wir haben den Band-Modus einfach noch voll in uns und spüren, glaube ich, was für die Band am besten ist. Da geht es eben nicht um persönliche Präferenzen, sondern es geht darum, was am besten zur Band passt. Wir wissen, was funktioniert, weil wir uns so lange und so gut kennen. Es sind zwei Songs von Christian Geller dabei, ein Song ist von Sandys Mann, Nasri Atweh. Und wir lieben alle Songs!

20 Jahre "No Angels" finde ich unglaublich. Erstens: Wo ist die Zeit geblieben? Und zweitens: Warum seht ihr immer noch so verdammt jung aus?

Nadja: (lacht) Wahrscheinlich, weil wir damals wirklich SEHR jung waren!

Jessica: Wir waren irgendwie Babys, ja. Ich war selbst überrascht.

Nadja: Naja, Make-up und Licht machen viel aus, sowohl damals als auch heute. Ich finde uns cool! (lacht)

Ihr habt euch nach einigen "Hin und Hers" entschlossen, nun wieder etwas zusammen zu machen – habt ihr das in eurer Whatsapp-Gruppe beschlossen, jetzt wollen wir aber mal wieder zusammen singen? Oder wie ist das entstanden? Ihr seid ja doch auch richtig gute Freundinnen …

Jessica: Das hat sich letztes Jahr ergeben. Wir vier haben zueinander gefunden. Wir hatten einzeln immer Kontakt untereinander, aber nie wirklich alle. Und dann kam die Frage auf, was wir zu unserem 20. Jubiläum machen? Einfach nur Lipsync zu "Daylight" auf Instagram und ein bisschen winken oder was Richtiges? Und dann hat sich langsam ein Weg ergeben, den wir dann gemeinsam gehen wollten. Der Startschuss kam eigentlich von den Fans, die unsere Songs auf den Streamingportalen hören, dann hat jede von uns eine Mail bekommen von der BMG, und die haben uns vorgeschlagen, das Album rauszubringen.

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Die No Angels 2001, noch mit Vanessa Petruo (2.v.l.).

(Foto: dpa)

Fans wollen ja immer, dass ihre "alten" Helden so bleiben, wie sie waren. Ob eine Band dem Wunsch dann nachkommt, sich wieder zusammenzufinden, ist ja aber etwas völlig anderes. Ihr wohnt in Amerika, Bulgarien und Deutschland, nicht ganz einfach, da zusammenzufinden, vor allem in der Corona-Zeit …

Nadja: Eigentlich gerade deswegen, weil es so ist, wie es ist, wollten wir unseren Fans eine Freude in dieser Zeit machen. Christian Gellert hatte dann den zündenden Gedanken, das doch sehr viel professioneller aufzuziehen. Und die moderne Technik macht so vieles möglich!

Jessica: Wir brennen einfach für diese Band. Wir hatten nie einen richtig schönen Abschluss, auf einmal waren die No Angels "zu Ende" – jetzt können wir alles noch mal feiern, und die Fans können das auch genießen. Das ist ja kein Comeback, das ist eine Jubiläumsfeier.

Schauen wir mal … Alle wollen doch auf Konzerte!

Nadja: Naja, Konzerte auf jeden Fall! Das ist unser sehnlichster Wunsch! Vielleicht 2022 … Denn auch für uns ist es ja das Schönste, wenn wir zusammen auf der Bühne sein können. Wir vermissen diese Energie zwischen Publikum und Künstlern.

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Sie stürzen sich in das Abenteuer - vielleicht doch ein Comeback?

(Foto: dpa)

Jessica: Da muss ich, als Heulsuse der Band, gleich wieder weinen, wenn ich nur dran denke. (lacht)

Was bringt ihr aus den letzten 20 Jahren mit ins Heute?

Jessica: Wahrscheinlich einen ganz großen Nostalgie-Faktor, eine gewisse Leichtigkeit der Nuller-Jahre. Dass wieder ein Funke zwischen Menschen ausgelöst wird. Oder dass Menschen, die sich damals kennengelernt und dann aus den Augen verloren haben, jetzt denken, sie sollten sich bei X und Y mal wieder melden, also das wäre natürlich total schön. Und bei den Aufnahmen war es so, dass uns klar war, dass es damals bereits schöne Songs waren, aber eben nur schöne Songs. Und jetzt, mit Geschichten, Erinnerungen und Emotionen angefüllt, ist das alles noch einmal viel echter. Es hat so einen Impact.

Nadja: Ich habe das Gefühl, es hat alles eine Seele bekommen.

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Nadja: Zum Beispiel, wie meine Stimme gereift ist. Ob man 18 ist oder Ende 30, das ist schon ein großer Unterschied. Ich musste tatsächlich aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr reinsteigere, weil ich immer kurz vorm Heulen war. Ich spüre eine große Dankbarkeit, dass ich das jetzt noch mal einsingen kann. Mir ist bewusst geworden, was für tolle Songs wir haben und was wir alles gemeinsam erlebt haben. Unsere Songs erzählen zu großen Teilen eben unsere Geschichte.

Jessica: Bei "Washes Over Me" jetzt im Studio war es so spannend - Sandy hatte den bereits eingesungen, und Sandy hatte auch schon verraten, dass sie geweint hat beim Singen. Ich habe mit dem Song deswegen gewartet bis zum Schluss. (lacht)

Das will man doch alles live sehen! Im Pressetext stand übrigens: "Aus Casting-Puppen wurden richtige Musikerinnen" – könnt ihr darüber lachen oder findet ihr das doch ein bisschen respektlos?

(Beide lachen laut) Jessica: Ich glaube, das können wir wegstecken! Und ich glaube auch, dass wir einfach eine Girl-Band bleiben, die "Back Street Boys" bleiben doch auch eine Boy-Band für immer, oder?

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Ihre Songs haben jetzt noch mehr Tiefe.

(Foto: dpa)

Nadja: Ja, aber ich sehe doch viel Frauen-Power. Vielleicht sind wir eher eine Frauen-Band. Wir waren schon vor den Castings Musikerinnen, das steht mal fest. Auch wenn wir sehr jung waren. Lucy zum Beispiel war eine Musical-Darstellerin. Und so ein Casting-Prozess im Fernsehen war zwar neu damals, aber gecastet wird schon immer, für Bands, für Filme, für's Theater.

Die wenigsten Bands sind schließlich Schülerbands ...

Nadja: Ja, wir hatten wirklich viele extreme Situationen und mussten gut zusammenhalten. Unser Bandgefühl war ganz schnell da, und sehr authentisch.

Jessica: Bei "Something About Us" war klar, dass wir zusammengehören. Wir ersetzen uns nicht ständig durch andere … Bei uns ist es wie bei den "Spice Girls". Damals war wirklich alles sehr echt und pur. In der TV-Show hat man uns gesehen, wie wir wirklich waren, und jeder und jede konnte sich mit uns identifizieren, wenn er oder sie wollte.

Bei den neuen Songs – wie schnell wart ihr euch einig, die aufzunehmen?

Jessica: Das ging alles Hand in Hand, es war echt eine Gemeinschaftsarbeit.

Habt ihr in der Corona-Zeit etwas für euch machen können?

Jessica: Meine Arbeit im Radio ging ja weiter, das war schon mal sehr gut. Sonst hätte ich wahrscheinlich durchgehend im Bademantel zu Hause gesessen. (lacht) Besinnlich war das alles nicht.

Nadja: Am Anfang war es turbulent, ich war in einer neuen Band und probte, wir wollten ab April 2020 auf Tournee und waren gut gebucht. Dann wurde es natürlich schwierig. Und ich hatte eine Abschlussprüfung an der IHK zur Veranstaltungskauffrau. Aber im Juni hatte sich alles eingependelt und es war dann auch im Sommer wieder möglich, Konzerte zu spielen. Dann im November wieder Lockdown. Aber ich habe gewisse Routinen, zum Beispiel für Sport, entwickelt. Das war gut, ich war viel im Wald. Phasenweise war ich viel alleine, weil meine Familie nicht bei mir lebt, meine Tochter ist ja auch schon ausgezogen. Es war wirklich nicht einfach, diese Erfahrung. Ich musste lernen, mich aufzuraffen und mich nicht zu isolieren. Und wenn es dann zu frustrierend wurde, habe ich Serien gebinged. (lacht) Ich erkenne aber, was für ein Privileg es ist, jetzt dieses Jubiläum zu haben und es auch feiern zu können.

Jessica: Ich gestehe, dass ich auch ohne Corona viele Serien gucke … (lacht) Aber gut ist auf jeden Fall, so eine Art zweites Standbein zu haben als Musiker oder Musikerin. Das erdet.

Nadja: Ich denke, wir müssen alle noch etwas durchhalten, und dann geht es hoffentlich in ein bis zwei Jahren wieder richtig weiter. Das ist insbesondere ein Appell an junge Musiker, die noch auf ihren Erfolg warten: Haltet durch! Bleibt optimistisch! Verliert nicht die Hoffnung!

Mit Nadja und Jessica von den No Angels sprach Sabine Oelmann

Das Album erscheint am 4. Juni 2021

Quelle: ntv.de

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