Musik

Zurück in die Zukunft Dua Lipa wird nostalgisch

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Wühlt gern in der Schatzkiste der Vergangenheit: Dua Lipa.

(Foto: Universal Music)

Dua Lipa ist der Popstar der Stunde. Nun veröffentlicht die in London geborene Tochter einer Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo ihr zweites Album "Future Nostalgia". Mit ntv.de spricht sie über Druck, den Brexit und Nostalgie.

ntv.de: Es gibt wenige Künstler, die eine so steile Karriere wie du hinlegen. Du bist quasi von Null zum Superstar aufgestiegen. Und das zu einer Zeit, in der du gerade erst noch erwachsen wurdest. Wie kommst du damit klar?

Dua Lipa: Ich glaube, ich habe sehr viel sehr schnell gelernt. Als ich mein erstes Album gemacht habe, habe ich mir das alles draufgeschafft: touren, Werbung machen, Videos drehen, zu Award-Shows gehen, Fernsehaufzeichnungen machen … All das! Ja, ich musste wirklich erst einmal herausfinden, wie ich das alles geregelt kriege. Inzwischen kann ich damit wesentlich besser umgehen. Ich weiß, was von mir erwartet wird und habe ein besseres Zeit-Management. Ich bin an dem, was seit dem ersten Album passiert ist, sehr gewachsen.

Kannst du es noch genießen?

Ich liebe es! Nur deshalb mache ich es auch. Gerade in Zeiten der sozialen Netzwerke gibt es immer wieder Menschen, die dir sagen, dass du nicht gut genug seist oder deinen Platz zu Unrecht einnähmest. Aber ich mache Musik, weil es das ist, was mich inspiriert und glücklich macht. Das gibt mir auch das Gefühl, dass ich meinen Platz verdiene.

Um mal ein paar Beispiele zu nennen: Du hattest schon Kooperationen mit Sean Paul, Chris Martin von Coldplay und Calvin Harris. Du hast mehrere Brit Awards, Grammys und den Bambi gewonnen. Du hast Werbedeals mit Pepe Jeans, Jaguar und Yves Saint Laurent. Du bist auf dem Glastonbury-Festival aufgetreten und beim Finale der Champions League. Du hast dein eigenes Sunny Hill Festival im Kosovo organisiert und engagierst dich für Unicef. Was bedeutet dir von all dem am meisten?

Das bedeutet mir alles enorm viel! Ein Festival ins Leben zu rufen und damit der Gemeinschaft etwas zurückgeben zu können, ermöglicht mir, eine Botschafterin für meine Heimatstadt zu sein. Auf das Glastonbury-Festival dagegen bin ich seit meiner Jugendzeit selbst immer gegangen. Dort jetzt aufzutreten, ist ein wahr gewordener Traum. Auf der ganzen Welt auf Tour zu gehen und dabei zu beobachten, wie die Hallen immer größer werden, ist mein Gradmesser des Erfolgs. Als Künstler wachsen zu können, mit verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten und etwas zu erschaffen, auf das ich wirklich stolz bin, gibt mir Halt und das Gefühl, letztendlich als Künstlerin angekommen zu sein.

Jetzt erscheint dein zweites Album "Future Nostalgia". Ich kann mir dennoch vorstellen, dass es mit all diesen Erfahrungen im Hintergrund nicht ganz einfach ist, ein zweites Album zu machen. Empfindest du Druck?

Ich glaube, beim zweiten Album gibt es immer Druck, bei jedem Künstler. Es definiert ein Stück weit deinen Platz in der Industrie, nach dem Motto: "Hast du das Zeug dazu, an deinen ersten Erfolg anzuknüpfen?" Ich möchte mir darüber aber möglichst wenig Gedanken machen. Für mich war wirklich die Zeit seit meinem ersten Album, in der ich so gewachsen bin, entscheidend. Ich möchte die Sachen, die mir an meinem ersten Album gefallen haben, mit hinübernehmen, sie variieren, mit ihnen experimentieren und Wagnisse eingehen. Nur so kann ich noch weiter wachsen. Und ich bin überzeugt: Wenn meine Träume kein Wagnis sind, sind sie definitiv nicht groß genug. (lacht)

Dein erstes Album hieß schlicht "Dua Lipa". Deine Erklärung dafür war, dass es auch einfach nur für dich als Person stehen sollte ...

Das erste Album war eine Mischung aus all den Dingen, die mich bis dahin inspiriert haben. Deshalb habe ich gesagt: Das Album repräsentiert einfach nur mich. Dahinter stand ja eine lange Zeit, in der ich mich als Künstlerin überhaupt erst einmal definieren musste. Ich wollte meinen eigenen Stil finden, eine Geschichte erzählen, ein Thema schaffen, in die Zukunft starten und ihr zugleich voraus sein. Und ich wollte eine Pop-Platte machen. (lacht) Das erste Album wird immer mein Baby sein. Ihm verdanke ich all die unglaublichen Möglichkeiten jetzt, auch die, ein Album wie "Future Nostalgia" zu machen.

Der Titel "Future Nostalgia" ist dagegen ziemlich programmatisch. Bist du ein nostalgischer Mensch?

Total! Ich wühle gern in der Schatzkiste der Vergangenheit und ziehe Erinnerungen heraus. Das ist für mich schon sehr nostalgisch und ich glaube, die Musik vieler Künstler basiert auf dieser Nostalgie. Als ich ein Kind war, lief bei mir zu Hause zum Beispiel Musik von Prince, Blondie, Moloko oder Jamiroquai. Das sehe ich als meine musikalischen Einflüsse, zu denen natürlich auch meine Eltern beigetragen haben. Das möchte ich nun als Künstlerin in etwas einfließen lassen, das sich modern und neu anfühlt. Das ist, wo die Zukunft mit rein spielt. Für mich ist das sehr aufregend.

Die erste Single aus dem Album war "Don't start now". Du hast sie auch bei "The Voice of Germany" zusammen mit einer Kandidatin gesungen. Wäre die Teilnahme an einer Castingshow eigentlich je eine Option für dich gewesen?

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Das war nie auf meinem Schirm. Ich finde es toll, dass Menschen diese Plattform gegeben wird. Aber für mich war der Weg ein anderer: Coversongs bei Youtube hochladen, ins Studio gehen und so mein Ding durchziehen. Die Teilnahme an einer Castingshow habe ich tatsächlich nie in Erwägung gezogen.

Du hältst mit deiner Meinung eigentlich nie hinter dem Berg. Wie geht es dir - speziell mit deinem persönlichen Hintergrund, als Kind einer Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo in London geboren zu sein - mit dem Brexit?

Es bricht mir das Herz. Meine Eltern sind ja wegen eines Konflikts in ihrer Heimat nach London geflohen. Zugleich eröffnete mir das die Möglichkeiten, die ich heute habe. Zu wissen, dass anderen Kindern dies nun verwehrt wird, macht mich traurig. Ich lebe in meiner Blase in London, die so divers, multikulturell und für Menschen mit jedwedem Hintergrund offen ist. In meinem Umfeld denken eigentlich alle genau wie ich über den Brexit. Aber man muss erkennen, dass das politische Klima und die Verhältnisse insgesamt anders aussehen und noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist.

Mit Dua Lipa sprach Volker Probst.

Das Gespräch fand vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie statt. Ursprünglich im Mai vorgesehene Live-Auftritte von Dua Lipa in Deutschland wurden auf Anfang 2021 verschoben.

Quelle: ntv.de