Musik

Erstaunt über deutsche Männer Eros Ramazzotti - der ewige Italiener

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Nass im Regen? Nur fürs Cover - Eros Ramazzotti findet immer wieder ins Trockene.

Polydor

In Eros Ramazzottis legendärem Studio "L'Isola" im Süden Mailands geht es zu wie in einem Taubenschlag, viele Menschen gehen dort ein und aus, alle sind fröhlich und busy. Ein Hauch von Aufbruch hängt in der Luft, hier passiert etwas, etwas Neues. Ramazzotti bringt sein Album "Vita ce n'è" heraus und er hat eingeladen, mit ihm darüber zu sprechen. Der dreifache Vater widmet sein 15. Album der Liebe und dem Leben, aber vor allem seinem 2015 verstorbenen Freund und Sänger-Kollegen Pino Daniele. Produziert hat Ramazzotti das Album zusammen mit Antonio Filippelli und Celso Valli. In Hoodie, Jeans und Turnschuhen sitzt da nun der wahrscheinlich erfolgreichste Sänger Italiens, der vollkommen geerdet wirkt und dessen Laune man nur durch Fragen zu seiner Ex-Frau Michelle Hunziker trüben könnte. Also lassen wir das, es gibt auch so genug zu besprechen.  

n-tv.de: Seitdem ich weiß, dass ich mit Eros Ramazzotti sprechen werde, habe ich Musik im Kopf. Eros-Ramazzotti-Musik, und die macht einen ja erstmal ganz glücklich, ein bisschen gefühlsduselig …

Eros Ramazzotti: (lacht) Danke, wobei ich noch nicht genau weiß, wie ich "gefühlsduselig" einordnen soll. Aber ich nehme es als Kompliment.

Was dürfen wir denn von dem neuen Album erwarten?

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Nach so vielen Jahren ist es manchmal gar nicht so einfach, ein einzelnes Lied zu verfassen, einen Single-Hit. Schon gar nicht ein ganzes Album! Man lebt von der Vergangenheit, man weiß, was von einem erwartet wird. Ich wollte natürlich etwas Neues machen, aber trotzdem wollte ich meinen alten Songs irgendwie treu bleiben und der Art von Musik, für die ich bekannt bin. "Cose della Vita“, "Musica è", "Bastasse una Canzone", "Più bella Cosa", du weißt schon, dieses Repertoire, von dem du ja eben auch gesprochen hast, was du sofort im Kopf hast. Also habe ich versucht, ein Album zu machen, von dem man auch später noch sagen wird, dass "Vita Ce N’E" richtig gut gewesen ist.

Das ist ein Ritt von "Vergangenheit" in "Futur 2" ...

Ja, aber ein neues Album muss sich immer an den alten, erfolgreichen Sachen messen lassen können. Und das ist nicht so einfach.

Aber das heißt ja nicht, dass du alte Sachen wieder aufwärmst ...

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Er ist 55 ... na und?

(Foto: Polydor)

Um Gottes Willen, nein, ich hatte mir nur vorgenommen, dass mein Album einen gewissen Sound haben sollte. Damit meine ich nicht altmodisch oder sich wiederholend, sondern dass dieses Album etwas in den Hörern und Fans auslöst, was ein Album oder ein Song von mir früher auch ausgelöst hat. Es ist schwierig zu beschreiben (lächelt). Ich habe an Paul McCartney dabei denken müssen. Nicht, dass ich mich mit ihm vergleichen könnte, ich finde nur, dass ihm das immer sehr gut gelingt, dieser Mix aus neuen Stücken und alten Gefühlen. Ich glaube nämlich, dass Paul McCartney sich tatsächlich Gedanken darüber macht, wie sich seine Musik in ein paar Jahren anfühlen wird.

Das klingt wirklich nicht so, als hättest du es dir leicht gemacht.

Das stimmt.

Weil du von der Zukunft sprichst - du hast dir junge Künstler an die Seite geholt, zum Beispiel Alessia Cara und Luis Fonsi. Willst du mit ihnen eine Brücke bauen zu den Hörern, die dich noch nicht so gut kennen?

Genau. Aber abgesehen davon habe ich ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den beiden. Das klingt vielleicht etwas eingebildet, aber Luis Fonsi sieht zu mir auf, das genieße ich natürlich sehr (lacht). Der Mann ist großartig, unglaublich erfolgreich, und wir singen "Per Le Strade Una Canzone". Und Alessia Cara sagte mir, dass sie mit meinen Liedern aufgewachsen ist, weil ihre Eltern meine Musik gehört haben.

Du bist nun also eine Vaterfigur.

Ja, so schnell kann's gehen. Ich bin ja auch schon 55.

Sieht man nicht.

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Eros in seinem Studio.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Danke, ich versuche ganz einfach, im Kopf jung zu bleiben. Aber sag' das mal dem Körper (lacht).

Fühlst du dich, im Gegensatz zu früher, eigentlich besser, sicherer als Musiker?

Ich habe ein ganz anderes Standing als früher. Zumindest denke ich das. Und das verändert natürlich auch die Musik, die ich mache. Und die Herangehensweise. Aber wenn man etwas aus Leidenschaft macht, dann bleibt man in seinem Innersten immer ein kleiner Junge. Es ist allerdings auch ein bisschen wie im Fußball: Mit 20 kriegst du jeden Ball. Mit 50 rennt man vielen Bällen nur noch hinterher. Dein Kopf sagt: "Mach' es!" Aber dein Körper spricht eben eine andere Sprache (lacht). Aber du wolltest wissen, wie ich die Brücke zu den jüngeren Menschen baue, und ja, das tue ich, in dem ich mit diesen erfolgreichen Künstler wie Alessia und Luis zusammenarbeite. Das läuft auf gegenseitigen Respekt hinaus, wir helfen uns. Das Beste aber ist, finde ich zumindest, dass alles hier angefangen hat.

Hier im Studio?

Ja, das hat quasi alles der Sohn von Mogol eingefädelt. Mit ihm habe ich zusammengearbeitet und durch ihn habe ich den Kontakt zu Luis bekommen.

Der Sohn von Mogol?

Mogol ist ein sehr bekannter Liedertexter in Italien, er hat vor allem für Lucio Battisti geschrieben.

Vita ce n’è
EUR 17,99
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Und Helene Fischer und du?

Die kannte ich vorher tatsächlich noch nicht. Künstlerisch schon, aber ich hatte noch keinen privaten Kontakt zu ihr.

Und wie seid ihr dann zusammengekommen?

Das entstand über die Plattenfirma von Helene. Sie hat sich gewünscht, dass wir ein Duett zusammen singen. Und natürlich singe ich sehr gerne ein Lied mit Helene Fischer zusammen. Dieses Lied sollte tatsächlich zuerst ein Soloprojekt von mir sein, aber mit ihr ist "Per Il Resto Tutto Bene" dann doch schöner geworden (lacht).

Zwei Superstars treffen aufeinander - das ist eine große Wucht, die da aufeinanderknallt …

Ganz ehrlich - ich kann es kaum erwarten, mit Helene in Deutschland zu singen. Unser Song soll ein bisschen dazu animieren, mal hinter die Fassade zu schauen, nicht immer nur "Alles gut - tutto bene" zu sagen. Die Frage "Na, alles gut?" hat schon etwas sehr Oberflächliches. Aber zurück zu Helene: Ich habe schon eine spezielle Beziehung zu Deutschland, muss ich sagen. Nach Italien war das das erste Land, das mich von Anfang an in meiner Karriere begleitet und unterstützt hat.

Man könnte denken, dass Eros Ramazzotti hauptsächlich von Frauen verehrt wird, aber das stimmt nicht. Auch Männer finden dich cool. Aus Datenschutzgründen darf ich keine Namen nennen …

(lacht) Stimmt, ich sehe auch Männer in meinen Konzerten. Ich dachte aber, ihr Frauen nehmt sie dort mit hin. In Deutschland ist das Verhältnis Hälfte Hälfte …

… und in Italien?

... 98 Prozent Frauen (lacht). Anfangs habe ich mich über die deutschen Männer gewundert, ich kannte das ja nicht. Da habe ich aber zum ersten Mal gespürt, dass es nicht nur um mich als Person geht, sondern auch um meine Musik. Und das freut mich.

Du hast eine riesige Tour vor dir - und keinen Termin in Berlin!

Wie bitte? Das muss ein Missverständnis sein, das ändere ich! Hallo Berlin, ich komme, das kann ja gar nicht sein!

Du singst sehr viel auch auf Spanisch - warum nicht auch auf Deutsch?

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Glaub' mir - das will keiner hören. Spanisch ist einfacher, es ist näher am Italienischen dran. Es ist wichtig für mich, dass ich fühle, was ich singe. Auf Deutsch wäre es nur ein "Nachsingen" und das käme mir unecht vor. Deutsch ist schön, aber kompliziert. Es ist leichter für euch, Italienisch zu lernen als umgekehrt. Vor allem die Schimpfwörter (lacht)

Stimmt, die kennen wir natürlich aus unseren Urlauben seit den 70er-Jahren … Ich muss etwas beichten: ich habe noch einen italienischen Lieblingssänger, Jovanotti.

Den habe ich erfunden (lacht). Nein, Blödsinn, Jovanotti ist toll. Es gibt sogar ein Stück von ihm auf meinem neuen Album, "In Primo Piano" heißt es. Das habe ich ein bisschen bearbeitet, klar, aber es ist von ihm. Wir sind sehr gut befreundet. 1994 waren wir zusammen auf Tour.

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Und 2015 hattet ihr einen gemeinsamen Auftritt zu Ehren von Pino Daniele, der in dem Jahr gestorben war. 

Ja, trauriger Anlass. (Pause) Aber ich singe besser, oder? (lacht)

Naturalmente!! Wie bewahrst du dir die Leichtigkeit in schwierigen Zeiten, in denen wir uns - zum Beispiel gesellschaftspolitisch betrachtet - momentan befinden?

Je verrückter die Welt ist, je mehr sie aus den Angeln gerät, desto mehr muss man Werte wie Liebe und Leidenschaft, Freundschaft, Familie, in den Vordergrund stellen, auch in der Musik. Ich bin mir vollkommen im Klaren darüber, dass man mit Musik nicht die Welt verändern kann, aber Musik tut einfach gut.

Deine erste Single ist draußen: "Vita ce n'è" ...

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Glücklich mit Marica.

(Foto: imago/Independent Photo Agency)

Genau, und damit sage ich auch, dass es um uns herum noch so viel Leben gibt, dass man die Hoffnung niemals aufgeben soll. Das habe ich auch nie gemacht, selbst wenn es mal nicht so super gelaufen ist. Und diese Zeiten gab es wahrlich! Aber jetzt starte ich neu durch.

"Vita ce n'è" heißt ungefähr ...

... dass das Leben passiert. "So ist das Leben" würdet ihr in Deutschland sagen.

Ist es nicht auch frustrierend, die politische Lage in Italien aushalten zu müssen?

Nicht frustrierender als in anderen Ländern, oder? (lacht) Ich bin kein Politiker und ich kenne mich auch nicht so gut aus, aber sicher ist und war die Politik in Italien schon lange schlecht. Es wird Zeit, dass es den Leuten wieder besser geht. Da helfen keine leeren Versprechungen mehr. Ich möchte, dass es meinen Kindern auch weiterhin gut geht.

Wie alt sind die Kinder?

Raffaela ist 7, Gabrio 3 (Anm.: mit der zweiten Ehefrau Marcia) und Aurora (Anm.: mit Ex-Frau Michelle), die ist 22. Sie entwickeln sich alle wirklich gut.

Zum Schluss die wichtigste Frage: Was unternehmen wir in Sachen Fußball? Du bist ein großer Fan, hast selbst gern gespielt, die WM ist an Italien jedoch vorbeigegangen, an Deutschland ja auch irgendwie. Und es wird auch nicht wirklich besser, hast du eine Idee?

Italien holt ja gerade wieder ein bisschen auf - bis wir aber wieder auf den vorderen Plätzen mitspielen, wird noch viel Zeit vergehen. Und Deutschland? Muss unbedingt den Trainer wechseln. Tut mir leid, ich mag ihn, aber Jogi Löws Zeit ist vorbei, auch wenn er jetzt jüngere Spieler aufstellt. Das wird aber dauern, bis es wieder eine große deutsche Mannschaft gibt.

Wir sehen dich zuallererst im bereits ausverkauften München, im Februar 2019, bevor du auf Welttournee gehst.

Ja, das ist jetzt das Wichtigste für mich, endlich mit meinem neuen Album auf Tour zu gehen. Ich bin wirklich aufgeregt, auch nach all den Jahren, und ich verspreche dir: ich komme nach Berlin!

Sabine Oelmann sprach in Mailand mit Eros Ramazzotti

Quelle: n-tv.de

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