Musik

Rapper Noah Levi überrascht sich "Ich steh' auf Rumheulen, ich liebe es"

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Er macht Musik auch für Männer! Ja! Kann man sich jetzt von überzeugen, er ist auf Tour!

(Foto: Vitali Gelwich)

Wir reden erstmal über soziale Medien - wie sozial sie wirklich sind, ob Facebook, Instagram oder Snapchat cool oder out sind, wer was nutzt und warum nicht. Fest steht, dass ich Noah Levi über eine Verkettung vieler Umstände auch auf Facebook wahrgenommen habe - insofern ist die Plattform für "die ältere Generation" doch gar nicht mal so verkehrt. Es stellt sich heraus, der junge Mann schon im Fernsehen zu sehen war, nämlich bei "The Voice Of Germany Kids", dass er das Ding vor Jahren sogar gewonnen hat, und dass das zwar ne gute Sache war, aber mit dem, was er jetzt macht, irgendwie so gar nichts zu tun hat. Deswegen reden wir auch lieber darüber, wie er sich selbst überrascht , warum er auf "Rumheulen" steht und wann wir ihn jetzt sehen können. Das alles verrät er n-tv.de im Interview.

n-tv.de: Du machst schon lange Musik - und manchmal klingen deine sehr persönlichen Texte fast wie ein Tagebuch. Kommt das hin?

Noah Levi: Voll. Den Vergleich habe ich selbst auch schon öfter gezogen. Nur, dass ich versuche, mich kürzer zu fassen. Für einen Song eben (lacht). Aber die Lyrics sind es ja nicht allein, da kommt dann die Musik dazu, und das gibt den emotionalen Schub. Das ist ein großes Ganzes, in das ich meine Emotionen reinlege.

Therapiert das ein bisschen?

Ja, schon. Ich finde, wenn man laut ist dann ist das ein total befreiendes Gefühl, weil Singen eben auch was Körperliches ist. Da kann man Dinge frei lassen. Beim Schreiben ist es ja das, was ganz tief in einem ist. Um manches zu verarbeiten, hilft das Singen dann voll.

Sind Melodien emotionaler als Worte, also bietet Musik mehr Möglichkeit zur Entfaltung?

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Fühlt Musik - Noah Levi.

(Foto: Vitali Gelwich)

Irgendwie schon. Das kann man daran festmachen, dass einen Musik auch dann berührt, obwohl man die Sprache, in der gesungen wird, nicht versteht. Und oft checkt man auch die Message eines Songs trotzdem, obwohl man eigentlich nichts verstanden hat. Eine Melodie kann irre viel auslösen, und sie kann auch zur Thematik beitragen. Ich genieße ganz oft Musik, obwohl ich die Sprache nicht verstehen kann.

Zum Beispiel französische Chansons?

Ja, genau! Ich habe damit angefangen, englische Songs zu schreiben. Weil es einfach die Weltsprache ist. Ehrlich gesagt aber kann ich gar nicht so gut englisch – wie also sollte ich mich dann in meinen Texten ausdrücken und authentisch sein, wenn ich eine Sprache gar nicht richtig beherrsche? Irgendwann dann habe ich gemerkt, dass ich mich auf Deutsch wirklich viel besser ausdrücken kann. Ich kann alles viel besser sagen. Aber es war nicht einfach, das am Anfang in die Songs einzubinden. Bis sich da ein Stil - mein Stil - herauskristallisiert hat, hat es ein wenig gedauert.

Wie ist denn dein Stil?

Ich sage mal: Pop-Soul. Da kommen auch immer wieder andere Stilrichtungen mit rein, aber als Überbegriff passt das. Pop ist das, was die ganze Sache massentauglich macht, und Soul gibt allem den speziellen Faktor.

Hörst du viel Soul?

Ich höre Soul sehr gerne, aber auch andere Stilrichtungen. Auch HipHop liebe ich. Aber Soul hat am meisten Einfluss auf mich.

Was steckt hinter deinen Songs?

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"Down" ist schon fast die HipHop-Nummer unter meinen Songs. Da wollte ich meinen Stil mal brechen, etwas aus mir herausgehen und über die Stränge schlagen. Ich hab' mich auch an ein paar Klischees der jetzigen Musikszene bedient, muss ich  zugeben (lacht). Es sollte aber auch was Weiches hinein, und den bringt die Gitarre. Ich liebe diesen Mix von dieser weichen Gitarre, die den Latino-Flair rüberbringt, und dann der Kick und die 8O8, die alles total brechen. Das fand ich beim Entstehen des Songs sehr inspirierend. Ich bin auf den Song irgendwie besonders stolz, weil ich mich damit selbst ein bisschen überrascht habe. Wenn man vorher 50 Songs lang nur rumgeheult hat und dann kommt sowas, dann ist das schon besonders.

Du hast nur rumgeheult?

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"Sentimentale Männer wie ich ..."

(Foto: Vitali Gelwich)

(lacht) Ja, ich steh' drauf, ich liebe es. Es ist einfach meine Art zu singen, aber ich wollte auch mal was anderes schreiben, zum Mitwippen. Für die männlichen Fans.

Weil überwiegend weibliche Fans im Publikum sind?

(lacht) Ich glaub' schon. Aber es kommen immer mehr männliche Fans , die das dann auch feiern. Es gibt natürlich auch so sentimentale Männer, die so sind wie ich, aber es musste eben auch mal ein anderer Sound her.

Wer sind deine Vorbilder?

John Mayer ist der Wahnsinn, Gregory Porter ist richtig gut! Auf meinem Handy sind 10.000 Songs der letzten 30 oder 40 Jahre, ich drück dann auf Shuffle und höre was kommt. Wenn man sich richtig mit Musik auseinandersetzt, kann man noch Einiges lernen.

Apropos lernen – wie ist es mit der Schule gelaufen?

(lacht) Naja, es stellte sich irgendwann mal die Frage: Mach' ich jetzt Hausaufgaben oder schreibe ich an dem Song weiter? Irgendwann war klar – Schule ist nicht so mein Ding. Es hat natürlich einen Augenblick gebraucht bis man dann sagt, ich mach jetzt nur noch Musik. Aber das ging dann nicht mehr anders.

Und deine Eltern, was haben die gesagt?

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Denen war eigentlich auch von Anfang an klar, dass Schule nicht so mein Ding ist, dass ich einfach nicht so in das Schulsystem passe. Die haben natürlich gesagt, ich soll die Schule zu Ende machen. Meine Schulleistungen waren nie so überragend. Aber nach der Zehnten dann war klar, ich muss Musik machen. Denn weiter zur Schule und Abi machen und Musik hätte nicht funktioniert, also musste ich mich entscheiden. Meine Eltern haben mich dann unterstützt.

Wo sehen wir dich?

Gerade unterstütze ich Teesy auf seiner Tour, ab Ende November Namika und im Januar bin ich auf meiner eigenen Tour in Hamburg, Köln, Stuttgart, München und Berlin.

Mit Noah Levi sprach Sabine Oelmann

Quelle: n-tv.de