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Last Night A DJ Saved My Life Kygo stiehlt allen die Show

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Der Mann mit der Mütze: Kygo.

(Foto: Rich Fury/Invision/AP)

Ich treffe Kygo in dem kleinsten Raum, den man sich vorstellen kann, backstage. Die Show beginnt gleich, vor der ausverkauften Halle stehen noch Hunderte in der Schlange und warten, eingelassen zu werden. Es sind überwiegend junge, sehr junge Menschen, aber auch ein paar mittelalte Menschen, die dem "Tropical"-Sound des mega-sympathischen Norwegers erlegen sind. Diese "Mittelalten" haben sich anfangs vielleicht noch gefragt: "Singt der denn auch auf der Bühne?", sich dann aber an Paul und Fritz Kalkbrenner erinnert, die DJ-Brüder, die nicht unbedingt singen müssen, um die Leute zum Tanzen zu bekommen. Kygo hinter seinem Mischpult kriegt die Masse ebenfalls in Bewegung: mit nur 24 Jahren hat dieser sympathische Typ, der sein Basecap trägt, als hätte er ein Sport-Stipendium an einer US-amerikanischen Elite-Uni, bereits alles erreicht, wovon andere träumen. Er legt auf zwischen Lollapalooza und Coachella, er mixt für Coldplay und lässt Tom Odell und die Geschwister Stone (Angus und Julia) für sich singen. Sein Mega-Hits "Firestone" und auch die Nachfolger "Stole The Show" und "Stay" klingen aus den Autoradios und den Clubs in die Sommernächte. Apropos Sommernächte und Norwegen - wie passt das eigentlich zusammen? Auf diese und andere Fragen findet Kyrre Gørvell-Dahll, so Kygos vollständiger Name, höchst entspannte Antworten - wie gesagt, kurz vor der Show.

n-tv.de: Bist du es inzwischen nicht etwas luxuriöser gewohnt als in so einem kleinen Kabuff hier?

Kygo: (lacht) Ja, aber das ist doch nicht wichtig. Ich brauche keinen Luxus. Außerdem sieht es backstage doch fast überall so aus: eine alte Couch, fertig.

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Kygo hätte auch in Finanzen machen können.

(Foto: Danny Moloshok/Invision/AP)

Bist du schon aufgeregt? Du musst schließlich gleich da raus zu einer ziemlich aufgeregten Masse und arbeiten.

Oh ja, ich bin immer noch aufgeregt, aber es ist vor allem ein großer Spaß, auf der Bühne zu sein. Es kompensiert alles andere, zum Beispiel die Momente, in denen man sich auf einer Tour auch mal langweilt, weil man warten muss oder ständig unterwegs ist. Ich sitze einfach nicht gerne rum und warte, so wie auf Flughäfen.

Du bist 24 – und so unglaublich erfolgreich. Hast du dich schon daran gewöhnt?

Ich gewöhne mich langsam dran, aber nicht so nebenbei. Ich meine, es ist überwältigend, ich habe nicht damit gerechnet, vor allem nicht so schnell. Und vor allem, wenn ich in Norwegen bin, dann merke ich, wie ungewöhnlich das ist. Denn wenn einer aus Norwegen außerhalb seines Landes großen Erfolg hat und alle über ihn berichten, dann kriegt das jeder Norweger mit, wir sind ein kleines Land (lacht). Und in Norwegen kennen mich fast alle, das ist schon immer noch sehr unglaublich für mich.

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Und dann wirst du angesprochen?

Ja, überall, im Supermarkt, auf der Straße …

Und außerhalb von Norwegen?

Da hält es sich zum Glück in Grenzen (lacht).

Vielleicht musst du deine Basecap mal wieder richtig herum aufsetzen, dann erkennen dich auch nicht so viele ...

Ja, vielleicht sollte ich das probieren (lacht). Oder ich nehme sie ab.

Lass uns über die Musik reden: Tropical-House aus Norwegen – wie passt das zusammen?

Keine Ahnung, das hat irgendwann jemand so genannt. Als ich angefangen habe, Musik zu machen in meinem Zimmer, hat es auf jeden Fall gerade geregnet. Ich habe den Sommer und den Strand sehr vermisst und deswegen wahrscheinlich einfach "happy music" produziert. Ich wollte den letzten Sommer heraufbeschwören.

Ist doch ein cooler Name.

Ja, finde ich auch.

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Es geht auch ohne!

Tropical passt auf jeden Fall zur Stimmung in der Halle oder da, wo du auflegst, denn da ist es ja immer sehr heiß.

Ich gebe mir Mühe, die Leute zum Tanzen zu bringen, ja.

Du hast ganz klassisch Klavier gelernt als kleiner Junge, oder?

Ja, aber mit 16 habe ich aufgehört, Stunden zu nehmen. Zehn Jahre waren genug (lacht), aber ich hab' trotzdem weiter am Klavier gesessen und angefangen, zu komponieren. Mit elektronischer Musik ging es erst ein bisschen später los.

Arbeitest du noch mit Noten oder eher nach Gehör?

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Er bringt die Wärme mit.

(Foto: Danny Moloshok/Invision/AP)

Ich habe natürlich Noten gelernt, aber jetzt bin ich eher intuitiv, nach Gehör. Wenn man neue Songs machen will, ist es wichtig - finde ich jedenfalls - in der Lage zu sein, ohne Noten spielen zu können.

Du hast deine Karriere auf Youtube gestartet – was haben deine Eltern dazu gesagt? Ich meine, wie begeistert kann man sein, wenn der vielversprechende Sohn jetzt Youtube-Star werden will?

(lacht) Sie haben mich von Anfang an unterstützt, weil sie wussten, dass Musikmachen schon immer mein absoluter Traum war. Und als sie bemerkt haben, dass ich die ersten Erfolge verzeichnen kann, da haben sie sich für mich gefreut. Dennoch hat es sie auch Zeit gekostet, das Ganze zu verstehen. Ich war schließlich bereits auf der Uni, habe Business & Finance in Edinburgh studiert und natürlich hätten sie es gut gefunden, wenn ich das fertig mache. Aber als sie gesehen habe, dass ich Shows spiele vor Tausenden von Leute, da haben sie verstanden, dass die Musik einfach mein Ding ist und dass das mein Beruf sein wird (lacht). Aber anfangs waren sie schon skeptisch.

Okay, das klingt irgendwie vernünftig.

Ja, aber auch weil alles so schnell ging, haben sie gemerkt, dass ich gar keine Wahl habe.

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Kygo mit seinen Landsmännern von A-ha - ein großer Moment für ihn.

(Foto: AP)

Hast du Vorbilder?

Avicii.

Der ist nur zwei Jahre älter als du.

(lacht) Ja, aber trotzdem war er meine Inspiration am Anfang. Jetzt finde ich auch noch andere Produzenten gut, aber ich versuche eher, meinen eigenen Musikstil zu entwickeln.

Und was ist mit jemandem wie David Guetta, ist der zu alt?

Der ist fast 50, oder? Ja, der hat so viele Hits und hat mit so vielen zusammengearbeitet, er ist wirklich beeindruckend.

Wie kommt es denn zu deinen Kooperationen mit den Sängern? Du hast ja ganz oft das Prinzip "Kygo feat. Kodaline" zum Beispiel. Findest du die oder wirst du gefunden?

Mal so, mal so. Ich höre den ganzen Tag Musik und wenn mir jemand gefällt, dann versuche ich den anzusprechen. Kodaline zum Beispiel hat mit James Bay zusammengearbeitet und den mag ich auch sehr. Und irgendwann trifft man sich dann.

Deine Videos sind wie Märchen.

Danke. Ja, manchmal habe ich so Vorstellungen, eine Idee, und dann versuche ich, die weiterzugeben an einen Regisseur und wir erarbeiten das zusammen. Aber ich kann mir das nicht alleine auf die Fahne schreiben.

Dein Album "Cloud 9" kommt am Freitag, den 13., heraus - bist du abergläubisch?

(lacht) Nein, ich bin nur aufgeregt. Es sind so viele verschiedene Stücke drauf, die Musik ist so vielfältig und ich bin sehr gespannt. Ich habe eineinhalb Jahre daran gearbeitet. Und ich hoffe, damit wieder ganz viele Leute zu erreichen. Ich mag das, wenn die Enkelkinder mit ihren Großeltern zu meinen Konzerten kommen!

Mit Kygo sprach Sabine Oelmann

"Cloud 9" erscheint am 13. Mai 2016, hier bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de

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