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"Norman Fucking Rockwell!" Lana Del Rey berauscht und betört

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Hat nichts verlernt: Lana Del Rey.

(Foto: Universal Music)

Statt sich bei der Masse anzubiedern und mit auf den Party-Pop-Zug zu springen, präsentiert Lana Del Rey auf ihrem neuen Studioalbum lieber Altbewährtes. Und das ist auch gut so.

"Norman Fucking Rockwell!"? Als sich Lana Del Rey im September 2018 entschließt, den Titel ihres neuen Studioalbums zu verkünden, geht ein gewaltiges Raunen durch die Fan-Community. Ein knappes Jahr später hat sich die Blut und Angst schwitzende Anhängerschaft aber wieder beruhigt.

Melodiöses Geflüster und zarte Streicher

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Nein, "Norman Fucking Rockwell!" ist natürlich kein Punkrockalbum geworden. Und "Norman Fucking Rockwell!" strotzt auch nicht vor Schimpftiraden und schlüpfrigen Flüchen. Eigentlich schob Lana Del Rey bereits nach den ersten beiden Singles "Mariners Apartment Complex" und "Venice Bitch" allen Vorab-Ängsten einen Riegel vor. Melodiöses Geflüster, zarte Streicher und liebreizende Akustikgitarren bestimmen das Klangbild der lang ersehnten Appetizer.

Auch die im Januar als dritte Single veröffentlichte Kuschelerinnerung ("Hope Is A Dangerous Thing For A Woman Like Me To Have - But I Have It") an Chris Isaaks "Wicked Game" sowie das zartbittere, mit Portishead-Vibes unterlegte Sublime-Cover "Doin' Time" heften sich in puncto Atmosphäre und Intensität wie Kletten an das 2014er Melancholie-Meisterwerk "Ultraviolence".

Nur ein kurzer Kontrollverlust

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Nun schält sich endlich auch der Rest des nach einem "artsy-fartsy Typen, der zu sehr von sich selbst überzeugt ist" benannten Albums aus den heimischen Boxen. Und auch nach Durchlauf Nummer drei lässt sich festhalten: Nur selten lässt sich Lana Del Rey aus der Reserve locken.

Ein kurzer Kontrollverlust im Refrain von "Fuck It, I Love You" und ein ebenso kurzes Juchzen, während sich im Hintergrund Schmetterlinge und Serienmörder um die Song-Hauptrollen streiten ("Happiness Is A Butterfly"): Mehr "Ausbrüche" gibt es auf "Norman Fucking Roswell!" nicht zu verzeichnen.

Kniefall vor den Toren des Dream-Pop-Olymps

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Das sechste Studioalbum von Lana Del Rey ist ein Kniefall vor den Toren des in dunkles Abendlicht getauchten Dream-Pop-Olymps. Wieder verstärkt in Richtung Noir-Pop schielend, zeichnet die Sängerin ein verschrobenes und düsteres Modern-Life-Bild.

Und dieses Bild berauscht und betört zugleich. Egal, ob im Windschatten von Chris Isaak oder auf den Spuren von John Lennon und seiner Plastic Ono Band wandelnd ("The Greatest"): Lana Del Rey liefert ab. Unter der Regie von Regler-Chamäleon Jack Antonoff schiebt sich die New Yorkerin mit der Schwäche für den kalifornischen Lifestyle mal wieder spielend leicht an der omnipräsenten Party-Pop-Konkurrenz aus Hollywood vorbei.

Sicher, die meisten Verantwortlichen der Bombast-Pop-Radioredaktionen zwischen New York und Sydney werden die Hände über den Köpfen zusammenschlagen. Eine in Richtung Kommerz gebürstete Hit-Single hat der Longplayer definitiv nicht zu bieten. Aber das muss er auch gar nicht. "Norman Fucking Rockwell!" glänzt, funkelt und beeindruckt als großes Ganzes. Diese Qualitätshürde überspringen in Zeiten schnelllebiger Single-Verkostungen nur noch die wenigsten Alben.

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Quelle: n-tv.de

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