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One-Man-Show kommt groß raus Malik Harris' Ex wird Reue lernen

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Lässt sich mit seinem Debütalbum noch ein wenig Zeit: Malik Harris.

Den meisten Musikliebhabern dürfte Malik Harris noch relativ unbekannt sein. Schließlich trat er bisher meist als Opener für Stars wie James Blunt, Simple Minds, Alex Clare und Tom Odell auf. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das 23-jährige musikalische Multitalent mit seinem Mix aus Pop und Rap die Charts stürmt. Mit ntv.de spricht der Sänger mit US-amerikanischen Wurzeln über eine prägende Liebschaft, die Black-Lives-Matter-Bewegung und darüber, nicht als "der Sohn von ..." gekannt werden zu wollen.

ntv.de: Du spielst mehrere Instrumente und auch sehr gut. Hast du dir die selbst beigebracht?

Malik Harris: Ja, es ging los mit der Gitarre. Ich hatte mal eine Stunde Gitarrenunterricht, aber ich musste es einfach selber machen, ich bin ein Autodidakt und will es selber rausfinden. Über Youtube, Covers und das Raushören, wie was klingt und geht, ging es später ans Klavier und dann kamen noch Drums dazu. Und jetzt noch ein bisschen Bass.

Und wie machst du das bei Live-Auftritten? Da kannst du ja nicht alles alleine spielen.

Doch, ich stehe alleine auf der Bühne und habe eine Loop-Station. Das ist ein Board am Boden. Du drückst einen Knopf, spielst ein Instrument und das Gerät spielt es dann immer wieder ab, das sind die Loops. Dann kannst du immer mehr hinzufügen oder etwas löschen und stoppen.

Dein Vater ist 90s-Talkshow-Host Ricky Harris. Hat dir das beim Start deiner Karriere ein bisschen geholfen oder versuchst du das zu trennen?

Ich habe ihn da rausgelassen, weil es tatsächlich ohne ging. Es ist auch eine ganz andere Branche. Ich habe ihn auch nicht verheimlicht oder so. Meistens hat er versucht, mir ein paar Tipps zu geben, wie das so ist in dem Business, das weiß ich zu schätzen. Aber man geht den eigenen Weg. Man will ja auch nicht immer "der Sohn von …" sein, sondern sein Ding machen. Dementsprechend ist es immer cool, wenn Leute was von mir hören und dann sagen: "Ach krass, das ist ja der Sohn von ...", aber der erste Impuls durch meine Musik kommt.

Was kam bei dir zuerst, das Musikmachen oder das Singen?

Das Singen auf jeden Fall. Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen, mein Opa väterlicherseits, aus den USA, war Opernsänger, meine Oma mütterlicherseits aus Deutschland war Pianistin. Dementsprechend war Musik immer präsent und ich habe mitgesungen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich meine Stimme umwandeln kann, von hoch auf tief und von rau auf sanft. Das Erforschen hat total Spaß gemacht. Und dann wollte ich mich auch selbst dabei begleiten, damit ich selbstständig Musik machen kann. Da habe ich mir meine erste Gitarre gekauft.

Du singst bisher nur auf Englisch. Fällt dir das leichter als auf Deutsch?

Ich finde es schöner, Bilder zu schaffen in der englischen Sprache. Ich habe total Respekt vor deutschen Sängern, die es schaffen, mit deutschen Texten Emotionen so rüberzubringen, dass sie bei mir ankommen. Sobald ich das versuche, klingt es total schnulzig. Auf Englisch kann ich mich besser ausdrücken. Die Bilder berühren mich mehr.

Deine neueste Single, "When We Arrived", hast du über deine Ex-Freundin geschrieben ...

Also, wir waren nicht zusammen. Es geht um ein Mädchen, das ich wollte. Sie hat mit mir gespielt, aber ich wusste, dass sie es nicht ernst meint. Das war so ein Hin und Her und darum geht es in dem Song - um das Verarbeiten, das Wissen, dass man jemanden will, der nicht gut für einen ist.

Warum hast du das mit dir machen lassen?

Ich wollte bei ihr sein und hatte auch so ein bisschen diese Utopie im Kopf: "WENN wir das hinkriegen, DANN ist es der Lottogewinn". Ich konnte mich nicht davon trennen, dass es so nicht funktioniert.

Hast du damals den Absprung geschafft?

Ja. Ich habe irgendwann erkannt, dass, wenn man ständig gegen eine Wand rennt, der Körper irgendwann wehtut und man dann vielleicht nicht noch weiter gegen die Wand donnern sollte.

Weißt du, wie sie reagiert hat, als sie den Song gehört hat?

Sie weiß noch gar nicht, dass es um sie geht. (lacht) Ich muss noch überlegen, ob ich es ihr sage oder nicht - es ist ja eigentlich abgeschlossen. Aber ich denke, am Ende werde ich es ihr verraten.

In "Faith" geht es um Rassismus und die Black-Lives-Matter-Bewegung. Haben dich deine Eltern früh darüber aufgeklärt, was es bedeutet, schwarz zu sein in einer eher weißen Gesellschaft?

Was natürlich sehr präsent war, war das Aufwachsen mit niemandem um einen herum, der so aussieht wie man selbst. An meiner Grundschule gab es kein anderes schwarzes Kind, es gab keinen schwarzen Lehrer - niemanden. Das war schon komisch. Es war etwas Besonderes, wenn ich jemand Schwarzes gesehen habe. Unterschwellig habe ich mich anders gefühlt. Das wurde mir erst in letzter Zeit klar, als ich viel darüber reflektiert habe.

War der Mord an George Floyd ausschlaggebend dafür, dass du "Faith" geschrieben hast?

"Faith" hatte ich tatsächlich schon vorher geschrieben, weil ich mich natürlich immer wieder mit dem Thema befasse. Der Mord und die daraus entstehenden Demonstrationen vor allem waren eher der Grund, weswegen ich entschieden habe, den Song früher rauszubringen. Ich war kurz vor dem Release eines anderen Songs. Es war für mich einfach genau die richtige Zeit, um wirklich mal was zu verändern. Es hat sich fast angefühlt wie eine Verpflichtung. Mein Großvater war in den 60ern Teil der Bürgerrechtsbewegung und ist zusammen mit Martin Luther King marschiert für seine Rechte. Ich hatte immer das Gefühl, ich will auch meinen Teil dazu beitragen.

In dem dazugehörigen Musikvideo sind die Proteste in den USA zu sehen - da warst du wegen des Lockdowns aber wahrscheinlich nicht dabei, oder?

Leider nicht. Aber es war spannend, von hier das Material zu sammeln. Ich habe mit meinem Team die ganzen Leute angeschrieben, die da mittendrin waren und auf Social Media Videos geteilt haben. Dadurch, dass es so ein persönliches Thema war, habe ich mich selbst einfach um alles gekümmert, immer wieder angerufen und mich mit ihnen ausgetauscht. Das waren Leute, die gerade von den Protesten kamen, wo die Polizei mit Tränengas auf sie geschossen hat. Und trotzdem haben sie gesagt: "Ich bin morgen um 12 Uhr wieder da!" Das war total inspirierend.

Siehst du die Präsidentschaftswahlen optimistisch?

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Eine One-Man-Show: Malik Harris.

Tatsächlich ja, weil ich - anders als bei der ersten Wahl - das Gefühl habe, dass es jetzt eine viel krassere Grundsatzentscheidung ist. Jetzt hat man Donald Trump vier Jahre im Amt gesehen, dadurch hat man gar nicht mehr die Ausrede, ihn aus Protest zu wählen. Ich finde es ein bisschen verständlich, den Status Quo verändern zu wollen - obwohl ich trotzdem nie Trump gewählt hätte, ich habe für Clinton gestimmt. Aber ich finde es viel, viel unverständlicher, wenn jemand heute noch seine Stimme für Trump gibt. Jetzt wissen wir, was er tut. Und wir wissen, dass es sowohl dem eigenen Land und der eigenen DNA des Landes schadet als auch der ganzen Welt. Man kann ihn jetzt eigentlich nur noch wählen, wenn man sich damit abgefunden hat, dass man Rassist und xenophob ist. Und das, glaube ich, ist die Minderheit. Deswegen bin ich eigentlich relativ optimistisch - aber hey, es sind die USA. Das Land hat immer eine Überraschung parat.

Die Waffenverkäufe sind in den vergangenen Wochen massiv angestiegen, viele US-Bürger bereiten sich auf einen Bürgerkrieg vor. Deine Familie auch?

Nee, die war immer gegen Waffen. Auch, weil viele großteils in Deutschland gelebt haben. Meine Großeltern aus den USA auch, dadurch kennen sie die andere Seite und wissen, dass keiner eine Waffe hat, weil keiner Angst davor haben muss, dass jemand anderes eine hat.

Es lässt sich leider nicht vermeiden, ein paar Fragen zu Corona zu stellen … Was hättest du für Pläne gehabt, wenn die Pandemie nicht gewesen wäre?

Meine Pläne wären echt groß gewesen. Ich bin ja tatsächlich relativ am Anfang der Karriere, 2018 habe ich meinen ersten Song rausgebracht und 2019 war dann so das erste Jahr, wo ich wirklich nur unterwegs war auf Konzerten. Dementsprechend wäre 2020 eigentlich nochmal eine Ebene höher gegangen - große Festivals wie Southside und meine erste ganz große Tour, das ist echt hart. Ich habe schon eine kleine gehabt, die war schnell ausverkauft. Das war schon so geil, weil die Leute einfach für einen selbst kommen. Man ist kein Support, sondern weiß, jeder der da ist, kennt dich, kennt deine Musik. Und sie haben sich entschieden, sich die Zeit zu nehmen und dir zuzuhören.

Was machst du stattdessen?

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Malik tritt in die Fußstapfen seines Vaters Ricky Harris - zumindest, was das Rampenlicht angeht.

(Foto: imago images/POP-EYE)

Ich versuche trotzdem, die Zeit zu nutzen, um Songs zu schreiben, im Studio zu produzieren, an den Instrumenten zu sitzen, zu üben und halt Musik zu machen. Ab und zu hat man so einen Livestream oder einen Fernsehauftritt. Was schon irgendwie schön ist, aber natürlich ist es nicht wirklich vergleichbar mit einem richtigen Konzert. Die ganze Energie und diese Essenz, wofür man alles macht, die geht leider verloren.

Wie viel Alkohol trinkst du seit dem Lockdown?

(lacht) Also, ich persönlich trinke, äh … ja, schwer zu sagen. Also auf jeden Fall mehr. (lacht) In Zahlen will ich das lieber gar nicht sagen, ich glaube, da wird es unangenehm.

Und wie sieht es mit einem Debütalbum aus?

Der Plan war eigentlich, es noch dieses Jahr zu bringen. Aber ich wollte es natürlich auch mit den Leuten feiern können. Deswegen habe ich entschieden, das auf nächstes Jahr zu verschieben.

Mit Malik Harris sprach Linn Rietze

Quelle: ntv.de