Musik

Liebe in Schwarz-Weiß Mark Forster trifft das Gefühl

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Hat sich mit seinem Album "Liebe" versöhnt: Mark Forster.

(Foto: Sony Music)

"Ich laber' ja unfassbar viel über mich", sagt er und lacht. Zum Glück hat er aber auch so viel zu sagen, dass er sich nochmal kurz vor Jahresschluss mit n-tv.de getroffen hat, um über dies und das zu sprechen (nicht zu labern!). Mark Forsters Album "Liebe S/W" trifft an vielen Stellen mitten ins Herz und manchmal ist weniger eben mehr: So ist es nun auch mit den 13 Liedern, die er uns im letzten Jahr auf seinem Album "LIEBE" geschenkt hat - intime, tief berührende Kompositionen, in denen er vor allem von sich selbst erzählt. Ein Jahr später hat Mark Forster all diese Lieder neu aufgenommen, in einer reduzierten Version, heruntergestrippt auf ihren melodischen und lyrischen Kern. Nur sein Pianist Daniel Nitty begleitet ihn, auf schwarzen und weißen Tasten am Klavier.

n-tv.de: Du hast deine Lieder in Paris aufgenommen, auf Deutsch, und statt in Farbe in Schwarz-Weiß. Und gar nicht bombastisch, sondern in abgespeckter Version. Und das Publikum war französisch?

Mark Forster: Naja, ich muss zugeben, ich bin in Frankreich nicht sehr bekannt,  und es war nur ein kleines Theater, das La Nouvelle Eve, das zum Moulin Rouge gehört, wir haben zwei Konzerte dort gespielt. Auf meine Frage, wer denn aus Paris sei, haben sich tatsächlich nicht so viele gemeldet, es waren eher angereiste Fans oder Deutsche, die gerade in Paris leben. Sie hatten sich alle schick gemacht und es war eine ganz tolle Stimmung in dem schönen kleinen Theater, ein ganz besonderer Abend.

Du hast dich auch schick gemacht - hat dich das in eine andere Stimmung gebracht?

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Das Lichtkonzept - überschaubar.

(Foto: Sony Music)

Wenn man sich anders anzieht als sonst, wenn man ins Theater geht oder auf eine Hochzeit, dann fühlt man sich schon anders. Ich hatte vorher noch nie einen Anzug auf der Bühne an. Mein Pianist Nitti am Steinway-Flügel und ich am Mikro, beide also feingemacht, das hatte einen Anflug von Kultur. Ich war neulich mal bei "3nach9" und da habe ich Giovanni Di Lorenzo gefragt, ob das schon Kultur sei.

Und?

Er hat gesagt, ja, im Anzug auf der Bühne ist Kultur.

Du hast alles reduziert, deine Songs vom Album "Liebe" auf das Nötigste umgeschrieben - was löst denn Schwarz-Weiß in dir aus? Ruhe? Klarheit?

Es beschränkt sich vor allem aufs Wesentliche, denn wenn man alles rausnimmt aus einer Produktion und nur Gesang und Klavier übrigbleiben, und wenn man alles aus einer Video-Aufnahme rausnimmt, alle Farben, sämtliche Lichtkonzepte, dann bleibt nichts übrig als das Schwarz-Weiß-Bild, und dann bleibt da nichts außer das, worum es wirklich geht: die Lieder, ihre Aussage, die Stimmung in diesem Theater. Es war mir wichtig, auf alles zu verzichten, was ablenken könnte. Und das hat super funktioniert. Es war total intensiv für mich, mich da hinzustellen, ein bisschen zu erzählen, keine Band im Rücken zu haben, nur mit den Texten vom "Liebe"-Album bewaffnet.

Das "Liebe"-Album war opulent, wie die Liebe eben so ist - hattest du nicht Angst, dass die Fans auch enttäuscht sein könnten, wenn du ihre Lieblingssongs auseinandernimmst? Wenn du alles so abspeckst?

Ehrlich gesagt - das "Liebe"-Album ist mir schwergefallen, es war nicht so leicht, das zu schreiben und zu produzieren. Ich wusste die ganze Zeit aber nicht, wieso. Ich finde, jedes meiner Alben hat so seine eigenen Probleme (lacht). Beim ersten Album wusste ich überhaupt nicht, was mich erwartet und habe alles zusammengeschrieben, das zweite war sehr melancholisch, das dritte war quietschbunt und laut und das vierte ist so erzählerisch, ich laber' ja unfassbar viel über mich, meine Geschichte, über das, was ich denke. Ich glaube, dass ich mich mit der Schwarz-Weiß-Version wieder mit der Platte versöhnen konnte, ich hatte einfach noch mehr Platz zum Erzählen. Man kann das Album jetzt vielleicht besser verstehen (lächelt).

Und dich - du erzählst privat ja nicht gern von dir, lässt uns aber doch ganz schön an dir teilhaben, durch deine Musik …

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In der Stadt der Liebe!

(Foto: Sony Music)

... und wenn ich bei "The Voice" um Talente kämpfe (lacht), also da erfährt man manchmal mehr über mich, als mir lieb ist! Ich versuche, ein Gefühl zu treffen, das ich in einer bestimmten Situation hatte. Oder habe. Man hat mit Musik einfach mehr als Text, man hat auch noch eine Melodie. Lieder berühren uns so doll, weil es eben mehr ist als nur labern. Das ist die Zauberei in der Musik, man versteht, was John Lennon sagen will, auch wenn man kein Wort Englisch versteht. Ich denke, ich bin maximal offen in meinen Songs und erzähle da komplett alles. Ich muss niemandem zeigen, wie es bei mir zu Hause aussieht, damit man mich versteht.

Es ist also deine Art, zu kommunizieren.

Ja, aber auch das, was ich preisgebe. Ich würde mich langweilen, wenn ich jetzt ein Lied über einen Gucci-Pullover schreiben würde, ist nicht mein Ding. Für mich muss es ein echtes Gefühl sein, worüber ich erzähle.

Ist der Gucci-Pullover ein kleiner Seitenhieb auf die Rapper-Szene? Oder gar auf Sido, deinen "Voice"-Konkurrenten?

Naja, Sido ist ja kein Rapper, höchstens ein Pop-Rap-Opa. Nee Quatsch, ich bin ja Fan von Sido, wir sind Freunde, seit vielen Jahren, und seit vielen Jahren sind wir gegenseitig an unseren Platten beteiligt, wir wollen die Meinung des anderen hören bei einem neuen Song, weil wir die Meinung des anderen schätzen. Aber es geht mir unfassbar auf die Nerven, wenn er ein Talent bei The Voice bekommt, was ich unbedingt haben will. Da ist mir dann kein Trick zu billig.

Du erzählst Geschichten mit deinen Alben, hast einen Aufbau, einen Spannungsbogen, ein Ende und sogar die Moral von der Geschicht' …

Ja, ich mag das, wenn man über zehn, zwölf Songs erkennen kann, wo ein Künstler oder eine Band sich gerade befindet. Ich habe gern eine Überschrift bei mir drüber, alle zwei Jahre ändert die sich und dann kann es auch passieren, dass es eine Moral von der Geschicht' gibt (lacht). Ich mag das, ich komme aus einer Zeit, wo man das noch so gemacht hat. Ich weiß natürlich, dass das nicht zeitgemäß ist, aber mir gefällt es.

Schwimmst du gern gegen den Strom?

Ich bin kein großer Revoluzzer, ich will nichts erzwingen, jeder soll machen, was er möchte. Ich persönlich höre mir gerne neue Alben an.

Was hörst du denn gerade?

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Eine Verbeugung vor dem Publikum.

(Foto: Sony Music)

Ich habe momentan eine Retro-Phase: Eagles, Stones, Beatles, alten Kram (lacht).

Kann ja auch immer wieder neu sein. Liebst du Weihnachtsmusik?

Ich bin zumindest in der Helene-Fischer-Show zu sehen (lacht), singe aber Songs aus meinem neuen Album. Auch mit Helene zusammen. Ich persönlich mag Bing Crosby und Frank Sinatra, die altern gut mit, meine Schwester hört Mariah Carey und Celine Dion und meine Mutter ist bei Michael Bublé und Robbie Williams. Gehört wird dann die Playlist von dem, der das Handy in der Hand hat.

Und Kirchenmusik?

Da ich ja halber Pole bin, gehen wir in die Kirche und hören die Colinde - eine Reihe von zwölf Liedern, die alle mitsingen können.

Magst du Weihnachten?

Ja, schon, nur diese Geschenke-Sache geht mir auf den Zeiger. Es ist bestimmt nicht leicht, mich zu beschenken und ich schenke klassisch immer ein Buch oder eine Platte.

Bist du eigentlich dankbar?

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Liebe s/w
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Auf jeden Fall. Ich darf ein Leben führen wie ein Kind, im besten Sinne. Ich darf mir Sachen überlegen und die dann umsetzen.

Verspürst du Druck?

Ja, aber keinen Erfolgsdruck. Ich will, dass das, was ich mache, gut ist. Es soll mir gefallen. Und anderen dann auch. Das ist schon Druck, aber nicht wirklich schlimm. Ich will immer einen Schritt weiter.

Was sind deine nächsten Pläne?

Ich bin eine Weile mal weg. Mein nächster Konzerttermin ist im Juni. Ich lasse mich treiben.

Hast du einen Wunsch für 2020?

Ich würde gern ab und zu Müßiggang zulassen. Und ich wünsche mir, dass ich meine Zeit gut nutze.

Als du das letzte Mal mit uns gesprochen hast, ging es darum, als Musiker Stellung zu beziehen gegen Rechtsradikalismus - hast du das Gefühl, dass sich etwas verbessert hat?

Naja, also im Moment mag es ruhiger erscheinen, aber es ist immer noch nicht okay, die AfD zu wählen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, diese Partei zu wählen, wenn man in diesem demokratischen Land frei leben möchte.

Mit Mark Forster sprach Sabine Oelmann

"Liebe Open Air" startet am 20. Juni in Mönchengladbach und endet am 11. September in Berlin, Parkbühne Wuhlheide.

Quelle: ntv.de