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Seit 20 Jahren tot - dennoch unvergessen und modern: Falco, der Meister aus Österreich.
Seit 20 Jahren tot - dennoch unvergessen und modern: Falco, der Meister aus Österreich.
Freitag, 02. Februar 2018

"Drah' di net um": Mousse T. veredelt Falco

Mousse T. ist bekennender Falco-Fan. Was liegt da näher, als den Falco-Klassiker "Der Kommissar" neu zu remixen? Seit über 25 Jahren ist der gebürtige Hagener mit dem bürgerlichen Namen Mustafa Gündogdu in der Szene bekannt. Er produzierte für Michael Jackson, Simply Red, Till Brönner, Simple Minds, Quincy Jones, Gloria Estefan, Tom Jones und viele andere. Sein Durchbruch gelang vor ziemlich genau 20 Jahren, im Jahre 1998 - mit seinem großen Hit "Horny". Ein Jahr später folgte der Nummer-1-Hit "Sex Bomb" mit Tom Jones. Als Juror und Musikexperte an der Seite von Pop Titan Dieter Bohlen ist Mousse T. momentan wöchentlich zu sehen und wird für seine sympathische Ausstrahlung von den Zuschauern geliebt. "Der Kommissar" im Mousse-T.-Remix ist die Vorabauskopplung aus dem Album "Falco 60 - Deluxe Edition", das anlässlich des 20. Todestages von Falco am 6. Februar veröffentlicht wird. Das Album beinhaltet alle großen Hits von Falco wie "Rock Me Amadeus", "Jeanny", "Der Kommissar", "Junge Römer", "Ganz Wien", "Maschine brennt" und fünf neue unveröffentlichte Remixe, als Bonus-DVD außerdem das Tribute-Konzert "Coming Home" von der Wiener Donauinsel 2017 mit vielen Stars. Mit n-tv.de sprach Mousse T. über Heimorgeln, Clubleben und Identität - aber natürlich vor allem über Falco. Und "DSDS".

n-tv.de: Wir sprechen über Falco. Erstaunlicherweise nicht über DSDS oder Tom Jones oder Grammy-Nominierungen, sondern über den Künstler, der vor 20 Jahren gestorben ist und dessen Werk noch immer total aktuell erscheint. Wie bist du auf Falco gekommen?

Mousse T: Die Lorbeeren kann ich mir leider nicht komplett selbst anheften, denn eigentlich hat mich nur die Plattenfirma gefragt, ob ich mir vorstellen kann, einen Titel von Falco zu veredeln. Soweit er überhaupt noch veredelt werden kann.

Und da hast du nicht nein gesagt …

Mousse T bei der Arbeit.
Mousse T bei der Arbeit.(Foto: imago/Hartenfelser)

"Der Kommissar" ist das erste Falco-Stück, das ich je gehört habe, und deswegen habe ich das jetzt auch genommen. Da geht man mit einer Mischung aus Ehrerbietung und kreativer Neugier ran.

Das kann ich mir vorstellen, denn der Kommissar ist ja so ein Klassiker, den kann jeder, der ihn bereits vor 20 Jahren mitgetanzt und gesungen hat, noch heute auswendig. Mutig …

Ja, irgendwie schon, ich habe aber ein Credo, das heißt, wenn ich mich an wirklich große Songs nicht heranwage, wenn ich der Meinung bin, dass das nicht absolut gut wird und ich dahinter stehen kann, dann lasse ich es. Aber der funky Groove, den ich dem Kommissar verpasst habe, da kann ich hinter stehen, hundertprozentig. Und der Flurtest - drei Mal musste ich es spielen am vergangenen Wochenende - hat mir gezeigt: Ja, es läuft (lacht). Jüngere und ältere Leute haben getanzt.

Was hat Falco dir bedeutet?

Ich bin 66er Baujahr, musikalisch sozialisiert in den Achtzigern, mit englischsprachiger Musik aufgewachsen, Deutsch fand ich immer ein bisschen peinlich. Außer Falco, der ist tatsächlich mit Nena in einem Atemzug zu nennen. Da war man stolz drauf, weil das auch im Ausland funktioniert hat, das war funky, das war so ein Bronx-Rap-Gedanke. Außerdem war Falco ein Typ, einer, wie man ihn heute im Pop-Business vermisst. Der war damals eine Ikone und wäre es auch heute noch.

Im Nachhinein schätzt man so jemanden fast noch mehr, oder?

Ja, absolut, einer wie Falco wird immer da sein. Das liegt auch daran, dass seine Texte oftmals sehr sehr deep waren, auch "Jeanny". Das vermisse ich an der deutschen Popmusik heute so sehr, dass sich nicht mehr Leute große Mühe machen. Vieles ist mir zu weichgespült. Man könnte ja auch textlich mal was wagen. Das ist die Kunst bei der Pop-Musik: dass man etwas Unangenehmes so verpackt, dass es sich angenehm anhört. Das kriegen nicht mehr viele so gut hin; der Einzige, der mir einfällt, ist Xavier Naidoo. Tolle Stimme, tolle Texte. Klingt immer gut.

Apropos weichgespült: Reden wir über DSDS.

Et kütt wie et kütt ...
Et kütt wie et kütt ...(Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius)

(lacht)

Ich hab' dich da nicht so richtig gesehen …

Hätte ich mich vor zwei Jahren auch nicht, aber mal ehrlich: Als modern denkender Mensch in der Musik-Industrie muss ich einsehen, dass die Fernseh-Formate wichtig sind, wenn man oben mitspielen möchte. Das ist eine tolle Plattform für mich, denn DSDS hat eine riesige Schlagkraft, das hatte ich bisher unterschätzt. Die Produktion ist äußerst angenehm und mega professionell. Und außerdem erschließe ich mir eine neue Zielgruppe (lacht). Die Leute erfahren mal, wer da hinter "Sex Bomb" oder "Horny" steht, da habe ich auch nichts dagegen. Und als Produzent bin ich das Arbeiten mit jungen Leuten eh gewohnt.

Und - entdeckst du da Talent?

Naja, wir treffen eine Viererentscheidung. Aber da sind Menschen dabei, von denen bin ich echt überrascht, also positiv. Und außerdem machen wir Samstagabend-Entertainment, das ist nicht das Schlechteste. Ob dabei wirklich ein Superstar herauskommt - das steht auf einem anderen Blatt.

Was braucht ein Superstar heute?

Tja, das ist wirklich schwierig. Mir persönlich geht es um ein Alleinstellungsmerkmal. Aussehen, Gesang, Tanz, die Stimme. Man braucht eine bestimmte Art, dann kann man auch Erfolg haben, ohne eine grandiose Stimme zu besitzen, siehe Grace Jones, Madonna … Man muss sich positionieren. Man braucht ein gutes Management, ganz klar, man braucht tolle Songs, es ist eine Mischung.

Auch du bist ein Gesamtkunstwerk …

Zwei Sex-Bomben ... sorry, aber is' doch so ...
Zwei Sex-Bomben ... sorry, aber is' doch so ...(Foto: imago/Future Image)

Oha, ich selbst kann das nicht wirklich gut einschätzen, aber ich arbeite an mir (lacht). Früher habe ich mehr darauf geachtet, aber das ist mir zu anstrengend, darüber nachzudenken, irgendein Bild abgeben zu müssen. Ich bin so wie ich bin. Bei DSDS zum Beispiel, da "verkaufe" ich mich so, wie ich bin. Die gute Nachricht ist: Ich bin Musikproduzent, nicht mehr und nicht weniger (lacht). Ich kann mich jederzeit wieder in die zweite Reihe verkrümeln.

Singst du auch mal selbst?

Ich habe ein gutes Gefühl für Gesang, aber meine Stimme klingt nicht gut. Jedenfalls nicht, wenn ich singe. Und ganz ehrlich: Es gibt so viele tolle Sänger und Sängerinnen auf der Welt. Bevor ich jetzt den Techniker quäle, um alles aus meiner Stimme rauszuholen, überlasse ich das lieber anderen.

Wann sehen wir dich live wieder, außer im Fernsehen?

Ich bin ja bald wieder auf dem Baltic Soul Weekender, da lege ich auf, das liebe ich sehr. Das ist die Alternative zum Clubleben, so ein Festival. Oder im Mojo Club in Hamburg zum Beispiel.

Was gibt dir Energie, was macht dich stark?

Das ist eigentlich immer die Musik. Die raubt Energie, die gibt sie einem aber auch wieder, wie so ein Perpetuum Mobile. Das hält mich am Leben.

Wie wird man eigentlich Musik-Produzent? Das ist ja kein so klarer Weg.

Die technischen Möglichkeiten wie heute gab es früher ja nicht, stimmt. Aber es ist immer die Liebe zur Musik. Mein Vater hat mir eine Heimorgel gekauft, schön viele Knöpfe dran, aber dann doch zu viel schulartiges Lernen, fand ich. Eigentlich sollte ich aber Mediziner werden.

Welcher Art?

Am besten Frauenarzt wie mein Vater. Aber das war nicht mein Ding. Der Ärger war groß, als ich meinem Vater dann beichten musste, dass ich nie in seine Fußstapfen treten werde. Aber als mein Vater dann Post vom Bürgermeister bekam, weil ich eine Grammy-Nominierung hatte, da war er dann doch stolz und hat begriffen, was ich mache.

Wirst du noch gern gefragt ob du Deutscher oder Türke oder beides bist? Nervt dieses Thema? Oder ist es aktueller denn je?

Ein bezeichnendes Erlebnis war, als die türkische und die deutsche Presse damals bei der Grammy-Nominierung schrieben: "Endlich einer von uns!" Da ist mir richtig bewusst geworden, was mich ausmacht, auch wenn ich es im ersten Moment etwas erschreckend fand. Ich bestehe aus mehreren Kulturen, bin in Deutschland geboren, habe türkische Wurzeln, und das ist alles genau richtig so. Mein deutsches Herz ist ein bisschen größer inzwischen, denke ich. Ich bin sehr froh über meine beiden Kulturen. Ich hoffe, ich kann damit andere inspirieren, das mit Leichtigkeit zu nehmen.

Mit Mousse T. sprach Sabine Oelmann

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Quelle: n-tv.de