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Mister Breakthrough Rag'n'Bone Man - nur ein Mensch?

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Sein Album "Human" ist vor Kurzem erschienen: Rag'n'Bone Man.

Seinen Song "Human" kriegt niemand mehr aus dem Ohr. Sein Debütalbum geht durch die Decke. Und bei den Brit Awards erhält er nun gleich zwei Trophäen: Rag'n'Bone Man alias Rory Graham. Mit n-tv.de spricht er über eine turbulente Zeit.

n-tv.de: Mit "Human" ist dir ein riesiger internationaler Hit geglückt. Allein in Deutschland stand das Lied zwölf Wochen an der Spitze der Charts. Hattest du eine Ahnung, welches Potenzial der Song hat, als du ihn geschrieben hast?

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Rag'n'Bone Man: Nein, gar nicht! Ich mochte das Lied und dachte mir, dass es ein guter Vorgeschmack auf das Album wäre. Dass es dann so ein Erfolg wurde, hat mich total überwältigt. Die Leute - speziell die Deutschen - haben entschieden, dass es ein Nummer-1-Hit werden sollte und nicht nur der Opener für den zweiten Song auf dem Album. (lacht)

Du erlebst gerade eine weitere verrückte Woche - mit dem Gewinn von zwei Brit Awards, dem Kritikerpreis und dem "Breakthrough Award". Aber ich bin mir sicher, die ganze letzte Zeit ist für dich äußerst turbulent verlaufen. Wie hast du das erlebt?

Ich hatte praktisch keine Zeit, mal innezuhalten und über alles nachzudenken. Stell dir vor, du wärst auf einem Zug, der ununterbrochen rast. Du bist nur am Machen und Tun. Nächste Woche werde ich mal sechs Tage frei haben und versuchen, mich etwas zu erholen, zur Ruhe zu kommen und mir die Dinge bewusst zu machen.

Es heißt, sogar Elton John hätte dich vor einiger Zeit angerufen. Wie kam das und was wollte er?

Ich war eines Tages einfach nur im Büro, als mein Telefon klingelte. Er hatte die Anzeige seiner Nummer unterdrückt, so dass ich nicht sehen konnte, wer anrief. Normalerweise gehe ich da gar nicht ran, weil es da in der Regel um Werbung geht. (lacht) Aber mein Manager sagte mir, ich solle rangehen. Und dann war es Elton John! Er sagte mir, er wollte mich nur anrufen, um mir zu sagen, wie sehr ihm meine Musik gefällt. So etwas von jemandem wie Elton John gesagt zu bekommen, ist natürlich schon gigantisch.

Mittlerweile wirst du auch oft in der Öffentlichkeit erkannt. Als du neulich am Hamburger Flughafen warst, sollen dich die Sicherheitsleute mit "High Five" begrüßt haben. Genießt du das noch oder geht dir das schon auf die Nerven?

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Nein, das nervt mich nicht. Meistens ist das sehr schön. Manchmal, wenn ich zum Beispiel gerade beim Essen sitze und jemand ein Foto machen will, sage ich aber schon: "Ja, klar, aber nach dem Essen." Aber in der Regel sind die Menschen alle sehr freundlich.

Auch dein Album, das vor knapp zwei Wochen erschienen ist und ebenfalls "Human" heißt, ist ein Riesenerfolg. Tatsächlich war seit 16 Jahren kein Newcomer mehr international erfolgreicher mit einem Longplayer. Ohnehin würde ich dich eigentlich eher als Album-Künstler als als Hit-Maschine einschätzen …

Stimmt, ich habe mich auch immer eher als Album-Künstler gesehen. Aber die Musikindustrie hat sich sehr verändert. Es gibt immer weniger Album-Künstler und der Fokus wird immer stärker auf den Erfolg eines einzelnen Songs gelegt. Von daher bin ich wirklich glücklich, dass das Album jetzt so gut angenommen wird.

Du wirst oft als Blues-Musiker bezeichnet, aber verbindest doch viele verschiedene Stile in deiner Musik. Wie würdest du deinen Sound charakterisieren?

Es ist eine Verschmelzung all der Sachen, die ich liebe. Und ich glaube, wer das Album hört, kann meine Einflüsse auch heraushören. Das jedenfalls war meine Hoffnung, als ich es gemacht habe.

Darüber, dass du eine beeindruckende Stimme hast, sind sich alle einig. Wann hast du das für dich selbst herausgefunden?

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Keine Sorge, er will nur spielen ...

Ich habe für mich selbst schon immer gesungen. Aber entscheidend war sicher, dass ich rausgegangen bin, in Pubs gesungen und mit anderen zusammen Musik gemacht habe. Da waren etwa die Jam Sessions mit meinen Eltern. Wenn ich auf die Bühne gegangen und gesungen habe, erntete ich tolle Reaktionen. Da kamen Menschen zu mir und sagten mir, ich würde mich wie B.B. King anhören. Bis dahin wusste ich zwar, dass meine Stimme in Ordnung ist, aber mir war nicht klar, dass sie etwas Besonderes sein könnte.

Du sorgst nicht nur mit deiner Stimme für Aufsehen, sondern auch mit deinem Äußeren. Du bist sehr groß, breit, hast viele Tattoos - und manch einer würde bei einer Begegnung mit dir vielleicht vorsichtshalber die Straßenseite wechseln ...

Stimmt, ich scheine die Leute etwas zu verwirren. Ich sehe wohl wie ein Türsteher aus. Oder wie ein Wrestler. (lacht) Und die Menschen wissen nicht so recht damit umzugehen. Aber das sind nur Äußerlichkeiten. Ich würde mich als ziemlich entspannten Typ beschreiben.

Dafür spricht auch der Job, den du vor deiner Musikkarriere gemacht hast. Du hast dich um Kinder mit Asperger- oder Down-Syndrom gekümmert. Ich denke mal, dafür braucht man durchaus soziale Fähigkeiten …

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Demnächst gibt es ihn auch live zu erleben.

(Foto: picture alliance / Anthony Anex/)

Man braucht auf jeden Fall Kommunikationsfähigkeiten, Mitgefühl und ein Verständnis dafür, dass Menschen sich unterschiedlich mitteilen. Für Menschen mit Behinderungen gilt das in besonderem Maß. Und man braucht Geduld. Ich glaube, durch diese Erfahrungen bin ich ein sehr geduldiger Mensch geworden.

Könntest du dir vorstellen, den Job vielleicht mal wieder zu machen?

Definitiv! Ich habe das wirklich gern gemacht. Wenn das mit der Musik mal nicht mehr funktionieren sollte, würde ich in den Job zurückgehen.

Aber das passiert hoffentlich nicht so schnell. Du gehst demnächst auf Tournee. Viele Konzerte sind schon restlos ausverkauft. Was versprichst du denen, die ein Ticket gekauft haben?

Dass ich 100 Prozent geben werde. Und dass wir keinen Firlefanz aufführen werden. Sie bekommen mich und die Songs, so wie sie sie zu hören bekommen sollten.

Mit Rag'n'Bone Man sprach Volker Probst

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Rag'n'Bone Man spielt im März und April in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehrere überwiegend schon ausverkaufte Konzerte: Zürich (29.3.), Wien (1.4.), Berlin (4.4.), Hamburg (12.4.), Leipzig (13.4.)

Quelle: n-tv.de

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