Musik

Kreischalarm auf Wolke sieben Taylor Swift drangsaliert die Liebe

Taylor Swift 2019 - CMS Source-1.jpg

Aushängeschild der High-End-Pop-Branche, doch ihr "Lover" hängt durch: Taylor Swift.

(Foto: Universal Music)

Auf ihrem neuen Studioalbum "Lover" schießt Taylor Swift mit Amors Pfeilen um sich. Dabei trifft die erfolgsverwöhnte US-Sängerin aber nur selten ins Schwarze.

Ganz oben auf dem Pop-Gipfel ist die Luft bekanntermaßen extrem dünn. Wer hier verweilen möchte, der muss bei Zeiten anfangen und zusehen, dass der Promo-Motor stets auf Hochtouren läuft. Taylor Swift gehört schon lange zu den Aushängeschildern der High-End-Pop-Branche. Das ehemalige Country-Pop-Sternchen weiß ganz genau, wie der Hase läuft, und dass es in Zeiten sinkender Tonträgerverkäufe durchaus Sinn macht, so früh wie möglich mit dem Werbetrommelrühren zu beginnen.

Pauken- und Trompeten-Pop

*Datenschutz

Für ihr neues Studioalbum "Lover", das ab sofort erhältlich ist, schickte Taylor Swift bereits im April den ersten Appetizer ins Rennen. "Me!", so der Titel der Debüt-Single, überrannte die Dreiminüter-Konkurrenz mit Pauken- und Trompeten-Pop und einem weichgespülten Brendon Urie am Mikrofon. Es folgten eine kunterbunte Besser-spät-als-nie-Hymne unter der Regenbogenflagge ("You Need To Calm Down"), waberndes Synthie-Geblubber ("The Archer") und ein einschläfernder Gruß in Richtung Vergangenheit ("Lover").

Kurz vor der feierlichen Präsentation des Gesamtpakets klatschten sich eingefleischte Fans der engelsgleichen Charts-Blondine bereits die Hände wund. Kritiker hingegen schüttelten wieder einmal die Köpfe. Abermals schien Taylor Swift die Abfahrt in Richtung Adult-Pop verpasst zu haben. Heute nun entblößt sich der Rest des "Lover"-Schaffens. Und auch nach dem dritten Durchlauf sucht man verzweifelt nach der Antwort auf die Frage: Was zur Hölle fesselt hier die Massen?

Auf den Spuren des Branchen-Beelzebubs

*Datenschutz

Mit dem musikalischen Tiefgang eines Tauchsieders und dem lyrischen Esprit eines Schulhof-Poesiealbums heftet sich der lieblos zusammengemixte Schwall aus Tralala-Pop und noch mehr Tralala-Pop an die Fersen des Branchen-Beelzebubs.

Wahlweise mit einer dicken Träne auf der Wange oder einem breiten Grinsen im Gesicht planscht die Protagonistin im Ozean der Liebe. Alles dreht sich um kitschige Balzrituale ("Paper Rings"), verflossene, gegenwärtige oder zukünftige Händchenhalter ("I Forgot That You Existed", "Cruel Sommer", "Lover") und auf Eis gelegte Big-Love-Pausenhof-Erinnerungen ("Miss Americana & the Heartbreak Prince").

Aufwühlende Lagerfeuer-Grüße

*Datenschutz

Ganze dreieinhalb Minuten hält Taylor Swift zur Mitte des Albums hin inne. Mit der Fidel, der Akustikgitarre und den drei Damen der Dixie Chicks sendet die Sängerin aufwühlende Lagerfeuer-Grüße an ihren an Krebs erkrankten Vater ("Soon You'll Get Better"). Weitere Tiefgangmomente sucht man auf "Lover" aber vergebens.

Im pastellfarbenen Swift-Universum erfreut sich das Jünger-Volk an schmalziger Teeny-Poesie und austauschbaren Soundspielereien aus der Maschine. Mal lauter, mal leiser, mal schneller, mal langsamer plätschert alles irgendwie so dahin. Haften bleiben am Ende nur ein fiependes "Miehiehiiiiiiiiie!" und die Erkenntnis, dass aktuelle Pop-Musik auch ohne Autotune nerven kann.

ANZEIGE
Lover
EUR 10,99
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema