Musik

Wham! und Co in Dauerschleife Warum Weihnachtssongs großartig sind

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Wir sollten ihr die Schühchen schnüren: Mariah Carey.

(Foto: Universal Music)

Unvermeidliches Übel oder unverzichtbarer Soundtrack? Die Meinungen gehen weit auseinander. Nach dem Rundumschlag von Weihnachtssong-Allergiker Kai Butterweck meldet sich jetzt n-tv.de Autor Ingo Scheel zu Wort.

Mal ernsthaft: Über Sinn und Unsinn von Weihnachtssongs zu diskutieren, ist so, als würde man plötzlich fragen, ob Brot, Kartoffeln oder Milch noch sinnvoll sind. Weihnachtssongs gehören dazu. Sind absolut essenziell. Lebenswichtig. Punkt.

Wenn sich im September die ersten Dominosteine und Spekulatius in die Supermarkt-Reihen schleichen, dann gilt es frühestmöglich, die Youtube-Bookmarks und das heimische LP-Archiv entsprechend zu präparieren, um klanglich gewappnet zu sein.

Verträumt auf der Chaiselongue

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Apropos präparieren, die Magie von "Last Christmas" entfaltet sich in seiner vollen Pracht gerade abseits der Pisten. Wer sich jemals traute, im Spätsommer George Michael und Andrew Ridgeley bei der Ankunft in der Skihütte zuzuschauen, der spürt die Kraft dieses Klassikers, der sich spielerisch über alle Jahreszeiten, über Zeit und Raum hinwegzuheben scheint. Man möchte umgehend die Rhabarberschorle beiseitestellen und stattdessen Eierpunsch, Grog und Rumtopf ansetzen. Wie hatte es Oscar Wilde einst so schön gesagt: Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst. Ich lege mich fest: Wilde wäre heute ein Fan von Wham! und würde "Last Christmas" hören - in Dauerschleife.

Oder verträumt auf der Chaiselongue liegen und Leuten wie Tony Hadley, Bananarama und Midge Ure dabei zuschauen, wie sie im "Making of" zu "Do They Know It's Christmas?" am Londoner Studio ankommen, um für uns - für mich, für ihn dort hinten und auch für dich, lieber Kai Butterweck - diesen Xmas-Evergreen, einen für die Ewigkeit, einzusingen.

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Wer an Seriösität und Anspruch dieser Allstar-Kiste zweifelt, der möge mal schauen, wie Paul Weller im Clip zum Song an der Seite von Bono und Sting mitgeht. Bono! Sting! Würde der Modfather so etwas auf sich nehmen, wenn das alles verzichtbar wäre? Paul Young schaut also verwirrt aufs Textblatt? Ja, warum denn?, möchte man fragen. Wegen der Emotionen, der Tragweite, dem Bewusstsein, den Menschen auf immer ein Wohlgefallen in die Spotify-Playlist zu singen!

Silvester-Bleigießen nicht verdient

Weihnachten ist die Zeit der Versöhnung, schon vergessen? Genau jetzt müssen wir uns zu Chris Rea ins Auto setzen, Shakin' Stevens die Pomade reichen und Mariah Carey die Schühchen schnüren. Wer neulich noch bei Paul McCartneys Stippvisite in Liverpool Tränen der Rührung in den Augen hatte, darf jetzt bei "Wonderful Christmas" nicht weghören. Und wem das immer noch nicht einleuchtet, der hört dann vielleicht auf so oh du selige Gassenhauer vom Tresenrand englischer Pubs: Wer bei Noddy Holder nicht mitsingt, wer auch Slades "Merry Xmas Everybody" die Rute spüren lässt, der hat Silvester das Bleigießen nicht verdient.

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Selbst Lichtgestalten wie Thin Lizzys Phil Lynott und die harten Jungs von den Sex Pistols, als Supergroup The Greedies mit "A Merry Jingle" im ewigen Adventskalender hinter der großen Tür mit der Nummer 24, haben es gewusst: Wenn das Fest naht, dann wird gesungen. Meckern ist - na klar - easy, aber am Ende ist es ein bisschen wie mit Oliver Kahn und der Bundesliga. So lange der Mann noch spielte, krittelte man gern an ihm herum. Kaum war er in Pension, hieß es: Wir haben keine Typen mehr. Mal ehrlich: Was bliebe in diesen Tagen, wenn die Weihnachtssongs verstummten? Mark Forster? Die Titelmusik vom "Bachelor"? Die Verspätungsdurchsagen der Bahn? Na also. Und jetzt alle: Last Christmas I gave you my heart …

Quelle: n-tv.de