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"Ich bin nicht Trumps Typ" Wenn Dita von Teese einem ins Ohr haucht

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Tauscht das Glas gegen das Gesangsmikro - aber nur kurz: Dita von Teese.

picture alliance / dpa

Die Nummer mit dem Martini-Glas macht Dita von Teese weltberühmt. Nun versucht sich der Burlesque-Star als Sängerin. Mit n-tv.de spricht von Teese über ihr Album mit Sébastien Tellier, ihren Ex Marilyn Manson, Feminismus, "MeToo" und Fesselfotos.

Ich frage mich: Haben Sie Ihren Kater mitgebracht?

Nein. Er ist gerade erst operiert worden. Deshalb musste er zu Hause bleiben.

Dita Von Teese (© Camille Vivier).jpg

Dass sie eigentlich keine Sängerin ist, gibt sie unumwunden zu.

(Foto: Camille Vivier)

Ihr Kater Aleister, Spitzname "The Bat", ist selbst ein kleiner Star. Er hat mehr als 100.000 Follower bei Instagram ...

104.000 sogar!

Zwar nicht ganz so viele wie Grumpy Cat, aber immerhin ...

Ja, Grumpy Cat verdient ungefähr zwei Millionen Dollar im Jahr. Ich wünschte, das würde er auch. (lacht)

Die beiden würden ja vielleicht ein ganz nettes Paar abgeben. Sind sie sich je begegnet?

Nein. Aber ich habe Grumpy Cat schon mal getroffen. Sie ist wirklich ein süßes Katzen-Mädchen.

Aber natürlich sind wir nicht in erster Linie hier, um über Ihre Katze zu sprechen ...

Stimmt, obwohl ich das gern täte. (lacht)

Sie bringen in diesen Tagen Ihr selbstbetiteltes Debütalbum heraus. Sie räumen ein, eigentlich keine professionelle Sängerin zu sein. Was hat Sie trotzdem dazu motiviert?

Dass ich von jemanden, den ich wirklich bewundere, gefragt wurde: Sébastien Tellier. Ein Freund aus Frankreich spielte mir seine Musik ungefähr 2005 vor. Ich war gleich hin und weg und habe sie seither auf meiner Playlist. Als Sébastien mich nun fragte, ob ich dieses Album mit ihm machen wolle, war meine erste Reaktion trotzdem: "Du weißt schon, dass ich keine Sängerin bin." Aber er sagte: "Mit einer Sängerin würde es auch nicht funktionieren."

Und das hat Sie überzeugt?

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Ja, ich dachte mir: "Warum nicht etwas Neues wagen?" Und: "Wenn er an mich glaubt, dann mache ich es." Wenn man eine solche Chance bekommt, mit jemandem, den man bewundert, zu arbeiten, sollte man es auch machen.

Wie hat er Sie gefragt - am Telefon?

Nein, er kam zu einer meiner Shows im "Crazy Horse", zu der ich ihn eingeladen hatte. Ich lade immer Menschen ein, die ich gern treffen möchte. (lacht) Rund zwei Jahre später bekam ich plötzlich eine E-Mail, in der es hieß, Sébastien Tellier hätte ein Album für mich geschrieben. Wir standen vorher nicht großartig im Kontakt - für mich kam das wie aus dem Nichts.

War das Album zu diesem Zeitpunkt also schon komplett geschrieben?

Weitestgehend, ja. Er hatte all die Kompositionen und Texte bereits fertig. Er bot mir zwar an, auch selbst noch etwas zu den Texten beizutragen. Aber ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung vom Songwriting. Ich tue auch nicht so, als ob. Ich fand es aufregend genug, wenn er das Album schreibt. Ich wollte nur etwas auf Französisch singen. Tatsächlich hätte ich am liebsten das meiste auf Französisch gesungen. (lacht)

Jetzt sind es immerhin zwei französische Songs geworden. Das Album klingt sehr cool und lässig - wie eine Art moderne Ausgabe von Serge Gainsbourg. Hat sich das so ergeben, weil französische Musik irgendwie immer so klingt ...

(lacht) Ja, vielleicht.

... oder war das volle Absicht? Sollte sich das Album für Sie so anhören?

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"Er hat sehr viel Sexappeal": Der Franzose Sébastien Tellier schrieb Dita von Teese das Album auf den Leib.

(Foto: Camille Vivier)

Ich glaube, Sébastien geht es nicht um diese Analogie. Er ist kein Typ wie Serge Gainsbourg. Aber es stimmt, ich selbst erkenne diesen sinnlichen Spirit in französischer Musik auch und würde Sébastien ebenfalls als einen seiner modernen Vertreter sehen - mit allem Respekt, denn zugleich ist das, was Sébastien macht, etwas völlig Eigenständiges. Ich selbst habe natürlich ein bisschen in dieser Vorstellung von der Beziehung zwischen einem Künstler und seiner Muse so wie bei Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot geschwelgt.

Sie haben über das Album gesagt, es repräsentiere vielleicht einfach nur Sie mit weniger Make-up. Was meinten Sie damit?

Bei meinen Burlesque-Shows weiß ich genau, was ich tue. Ich sage, wo es lang geht und treffe die Entscheidungen. Da habe ich sehr viel Selbstbewusstsein. Und ich weiß, wie ich Fantasien aufleben lassen kann. Um ein Album zu machen, musste ich dagegen wirklich meine Komfortzone verlassen. Da konnte ich nichts faken, denn man kann Singen nicht faken. Deshalb habe ich mich entschieden, einfach natürlich und ich selbst zu sein. Für mich ist das Album eine Art Experiment, in dem ich gewisse Schranken aufbreche und zulasse, dass die Menschen eine andere Seite von mir sehen beziehungsweise hören.

Wenn man sich die Fotos von Ihnen und Tellier, etwa das auf dem Albumcover, ansieht, denkt man ein bisschen an "Die Schöne und das Biest". Sie hinterlassen nicht das erste Mal so einen Eindruck. Wir alle wissen natürlich von Ihrer Freundschaft und Ehe mit Marilyn Manson. Haben Sie ein Faible für schräge Typen?

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Immer wenn ich das gefragt werde, bin ich etwas verwirrt. Ich finde beide Männer, die Sie erwähnt haben, sehr attraktiv und gar keine Biester. Als ich mit Sébastien in Paris zum Essen war, haben sich die Frauen geradezu darum gerangelt, ihn zu treffen. Er hat sehr viel Sexappeal. An einem anderen Abend war ich mit einer meiner hübschesten und bezauberndsten Freundinnen unterwegs. Sie war auch total fasziniert und meinte nur: "Oh, das ist mein Traummann." Und ich fühle genauso. Ich habe den Eindruck, dass mich Männer anziehen, die auf unkonventionelle Art schön sind und ein poetisches Talent haben. Und Singen ist natürlich sehr verführerisch.

Sie haben nach einem Jahr Ehe mit Marilyn Manson Ende 2006 die Scheidung von ihm eingereicht. Danach haben Sie nicht so gern über ihn gesprochen ...

Ja, das stimmt.

Heute ist das anders. Haben Sie sich also versöhnt?

Ja. Wissen Sie, wenn die Dinge noch frisch und mit Emotionen aufgeladen sind, ist es schwierig, darüber zu sprechen. Inzwischen ist all das abgefallen. Die Gefühle haben sich verändert und wir sind mittlerweile tatsächlich gut befreundet.

Haben Sie seine letzte CD gekauft?

Nein, aber ich habe sie gehört. Er spielt mir seine neue Musik immer noch oft vor - neulich zum Beispiel auch wieder, als ich ihn im Auto mitgenommen habe.

Sie sind nach wie vor insbesondere als Burlesque-Künstlerin bekannt. Aber tatsächlich sind Sie eine Unternehmerin durch und durch. Nicht nur wegen des Albums jetzt. Sie haben auch in diversen Filmen mitgewirkt, Sie modeln, Sie vertreiben Ihre eigene Dessous-Kollektion, Parfüm, ja, sogar Brillenmode. Wie wichtig ist Ihnen die Rolle als Burlesque-Künstlerin überhaupt noch?

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Die Burlesque-Shows bleiben weiterhin ihr wichtigstes Standbein - derzeit tourt Dita von Teese durch Australien.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schon ziemlich. Als ich mein letztes Buch geschrieben habe, kamen viele Mädchen, um es sich von mir signieren zu lassen. Sie sagten: "Endlich bin ich alt genug, um mir eine Ihrer Shows ansehen zu können." Ich wusste nicht, dass es so viele junge Menschen gibt, für die Burlesque und Pin-Ups noch etwas ganz Neues sind und die sich dafür interessieren, was ich mache. Also bin ich wieder auf Tour gegangen. Und das sehr erfolgreich. Es fühlt sich anders an als noch vor zehn Jahren. Aber ich habe es sehr genossen.

Sie bezeichnen sich selbst als Feministin und sagen, Ihre Shows hätten mehr und mehr feministische Züge angenommen. Ich glaube, das versteht nicht jeder ...

Das ist wahr. Es ist auch ein Phänomen. Und die Leute verstehen es meist nicht, so lange sie es nicht gesehen haben. Denn wenn sie es sehen, erblicken sie einen Raum, in dem zum überwiegenden Teil Frauen sind.

Klingt nach einer ziemlichen Männerfantasie ...

Ja, aber die Männer, die da sind, sind in der Regel Arm in Arm mit ihrer Frau oder Freundin dort. Und sie sagen: "Es ist schön hier zu sein, aber sie war es, die die Tickets gekauft hat." Darüber hinaus haben wir eine große LGBTQ-Anhängerschaft. (LGBTQ steht für "Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transgender und Queer"; Anm. d. Red.) Warum auch immer: Burlesque ist zu einem ungewöhnlichen Ausdruck von Feminismus und Toleranz geworden. Einige der weltbesten Künstlerinnen sind keine kleinen, 20-jährigen Pin-Up-Girls. Die besten und stärksten Auftritte liefern Personen, die für Vielfalt stehen - egal, ob es um Schönheit, Figur, Ethnie oder Alter geht. Burlesque hat sich zu einer neuen Form, Sinnlichkeit zu feiern, entwickelt. Ich sage nicht, dass das meine ursprüngliche Mission war. Aber es ist so gekommen.

Was war denn Ihr ursprünglicher Antrieb, Burlesque-Künstlerin zu werden?

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Ich hatte nicht das Gefühl, viel mit den modernen Schönheitsikonen gemein zu haben - mit den "Victoria's Secret"-Models, Heidi Klum, Elle Macpherson oder Cindy Crawford. Ich hatte nicht das Gefühl, wie sie sein zu können. Aber mit dem Stil der 1940er und 1950er kann man roten Lippenstift auftragen, sich auf eine bestimmte Art kleiden und die Haare auf eine besondere Art tragen. Damit kann man Interesse wecken und Glamour erzeugen. Wenn man sich damit auseinandersetzt, steht dieser Weg jedem offen.

Sie haben sich auch bereits in die "MeToo"-Debatte eingeschaltet. Sie sagten, jeder hätte über das Verhalten von Harvey Weinstein Bescheid gewusst ...

Ja, aber ich meinte das eher generell: Ich meinte, dass doch alle von dieser althergebrachten Casting-Couch-Methode wussten, die es seit den Anfängen der Filmindustrie gibt - und in anderen Bereichen wahrscheinlich auch schon davor. Wir wussten alle davon, aber nicht wie tief das geht und wie finster es wirklich ist.

Unterstützen Sie die "MeToo"-Bewegung denn jetzt?

Ich finde es großartig, dass darüber jetzt gesprochen wird. Aber es ist auch ein wirklich komplexes Thema, bei dem gerade jeder seine Position und seinen Weg hindurch erst noch finden muss. Einige Leute sagen "Me too" - und erzählen dann von einem Date, das schiefgelaufen oder etwas zu direkt vonstattengegangen ist. Da geht es aber um etwas ganz anderes, als wenn wir über schweren Missbrauch, Vergewaltigung oder andere Dinge außerhalb jeder Diskussion sprechen.

Haben Sie selbst Belästigungen erfahren?

Nicht viele.

Auch nicht, als Sie Donald Trump begegnet sind, weil Sie für eine Rolle in seiner TV-Show "The Celebrity Apprentice" im Gespräch waren?

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Lust auf eine Ausfahrt? Das Album von Sébastien Tellier und Dita von Teese ist ab sofort erhältlich.

(Foto: Camille Vivier)

(lacht) Nein, ich hatte den Eindruck, dass er mich nicht besonders mag.

Mögen Sie ihn?

Ich habe mir nie großartig Gedanken über ihn gemacht. Als ich ihm begegnet bin, habe ich mich eigentlich nur an seine Frauen und seine lustige Frisur erinnert. Ich hatte keine Vorstellung von ihm. Als ich sein Büro betrat, saß er hinter einem großen Tisch und wirkte sehr blasiert. Mir war schnell klar, dass ich nicht sein Typ bin. (lacht)

Wenn man Sie so persönlich spricht, wirken Sie sehr aufgeschlossen. Auf der Bühne dagegen müssen Sie sich dann doch eher distanziert geben. Wie sehr unterscheidet sich die private Dita von Teese von ihrem Charakter auf der Bühne?

Natürlich gibt es da einige Unterschiede. Aber auch auf der Bühne versuche ich, nicht nur Distanz zu halten, sondern auch Wärme auszustrahlen und in Verbindung mit dem Publikum zu treten. Ich bemühe mich, authentisch zu sein. Ich möchte den Menschen nicht nur einen Blick auf die Dita von Teese gewähren, die ich erschaffen habe, sondern auch auf die Heather Sweet aus Michigan, die bei vielen Dingen oft unsicher ist.

Stimmt es eigentlich, dass Sie kein einziges Paar Jeans besitzen?

Nicht ganz. Ich habe die Jeans, die ich jedes Jahr an Halloween trage. (lacht) Und inzwischen besitze ich auch eine Jeans im 40er-Jahre-Stil. Ich habe mir nämlich eine wirklich märchenhafte Blockhütte im Wald zugelegt. Sie sieht aus wie eine deutsche Blockhütte aus den 20ern, befindet sich aber in Kalifornien. Ab und an arbeitete ich etwas an der Hütte oder gehe in den Wald. Da dachte ich mir: "Jetzt brauche ich ein Paar Jeans!" (lacht) Also habe ich sie mir nun im passenden Stil dafür besorgt.

Sie stehen inzwischen seit über 20 Jahren als Burlesque-Künstlerin auf der Bühne. Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?

Dita Von Teese
EUR 13,99
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Ich denke, wir alle haben Angst davor - selbst dann, wenn wir es nicht zugeben wollen. Aber was ist die Alternative? Sterben? (lacht) Das hört sich doch noch etwas erschreckender an. Seit ich 25 bin, werde ich gefragt, was ich mal machen will, wenn ich alt bin. Das ist schon bizarr, denn es impliziert automatisch, dass man Angst davor haben sollte.

Nun sind Sie aber keine 25 mehr ...

Ja, im Moment bin ich in einer komischen Situation. Ich werde 46. Da ist man deutlich älter als viele Menschen, aber zugleich auch viel jünger als andere. Ich sage manche dummen Dinge, die ich mit 25 vielleicht gesagt habe, nicht mehr. Trotzdem sitzt man in diesem mittleren Alter irgendwie zwischen den Stühlen. Ich war mal mit Anjelica Huston beim Essen. Sie ist wirklich toll und klug und meinte immer zu mir: "Ach, du Jungspund ..." Da fühlt man sich immer noch ein bisschen dumm. Andere wiederum kommen auf einen zu und sagen: "Ich möchte mal so wie Sie sein, wenn ich alt bin." (lacht) Das ist schon schräg.

Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken, würden Sie dann alles wieder genauso machen?

Fast alles. Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich einige Verträge nicht mehr unterschreiben. Als ich angefangen habe, habe ich alle möglichen Model-Verträge unterschrieben. Das führte etwa dazu, dass später irgendwelche Bilder von mir verkauft wurden, die ich lieber nicht in Umlauf gebracht hätte - Fesselfotos und dergleichen. Aber damals wusste ich nicht, dass ich mal berühmt werden würde. Damals hatte ich einfach Spaß. Darüber hinaus gibt es ... ich sage mal ... zwei Menschen in meinem Leben, von denen ich wünschte, dass ich sie nie getroffen hätte.

Ich frage mal nicht nach, um wen es sich handelt ...

Das ist auch echt egal. Aber man fragt sich eben im Nachhinein: "Warum habe ich darauf meine Energie verschwendet?"

Mit Dita von Teese sprach Volker Probst

Quelle: n-tv.de

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