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Aus "Die Lochis" rausgewachsen "Wir haben das Ding jetzt durchgespielt"

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Die Lochis bringen mit "Kapitel X" ihr letztes Album raus. Doch als Roman und Heiko Lochmann werden sie weiterhin Musik machen.

(Foto: Philipp Gladsome / Warner Music)

Heiko und Roman Lochmann sind schon ein halbes Leben lang Stars. Dabei sind die beiden erst 20. Als die Lochis schufen sie sich erst ein Youtube-Imperium und räumten dann als Musiker auf der Bühne ab. Aber die Jungs aus der hessischen Provinz sind älter geworden und sie wollen sich verändern. Im Mai kündigten sie mit einem Abschiedsvideo "Das Ende von die Lochis" an. Jetzt erscheint mit "Kapitel X" das letzte Lochi-Album, bald geht es auf große Abschiedstour. n-tv.de erzählen die beiden, wieso auf dem Höhepunkt des Erfolgs erst einmal Schluss ist und was sie vorhaben, sobald sie einfach wieder Heiko und Roman Lochmann sind.

n-tv.de: "Kapitel X" ist euer letztes Album als die Lochis, mit Youtube ist auch Schluss. Da geht gerade eine wichtige Lebensphase zu Ende. Fühlt sich das trotzdem alles auch schon wie ein Anfang an?

Heiko Lochmann: Es gibt dieses Sprichwort: "Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue." So ist es ja wirklich.

Roman Lochmann: Gerade genießen wir es, nochmal die Lochis zu sein. Wir wollen abends gar nicht mehr schlafen gehen, weil alles so geil ist. Der Zuspruch ist enorm, das ist schön. Auf der Abschlusstour wollen wir nochmal abfeiern und erst dann geht es weiter. Dann wird es spannend! Wir sind jetzt 20 Jahre alt. In den letzten achteinhalb Jahren konnten wir superviel lernen. Mit diesem Erfahrungsschatz starten wir jetzt richtig ins Leben.

Als Lochis habt ihr eine irre Fanbase. Ob die Veränderung mitmacht, ist nicht garantiert. Habt ihr Angst, dass es das letzte Mal gewesen sein könnte, dass ihr so große Hallen füllt?

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Über acht Jahre lang waren Roman und Heiko Lochmann die Lochis. Damit ist jetzt Schluss.

(Foto: Philipp Gladsome / Warner Music)

Heiko: Wir lieben es, auf der Bühne zu stehen, und wollen das bestenfalls auch ein ganzes Leben lang weitermachen. Damit das überhaupt möglich ist, mussten wir Konsequenzen ziehen. Unsere Fans wachsen mit uns. Das haben wir gemerkt. Damit wir uns auch als Künstler entwickeln können, müssen wir dieses Kapitel die Lochis beenden.

Roman: Die Lochis - das steht für unsere Kindheit und Jugend. Wir haben uns den Namen gegeben, als wir elf oder zwölf waren. Jetzt werden wir erwachsen. Da ist es logisch, dass man auch mal loslassen muss. Aber klar, in der Wuhlheide standen wir kürzlich vor 14.000 Leuten und bis in die letzte Reihe hat wirklich jeder mitgesungen. Das war schon groß.

Wie trifft man die Entscheidung, mit etwas wahnsinnig Erfolgreichem aufzuhören?

Roman: Es ist ja keine Trennung und auch kein Karriereende - das sollte man vorwegsagen!

Heiko: Die letzten eineinhalb Jahre war wie so ein kleiner Elefant im Raum. Es lag uns beide auf dem Herzen und wir hatten nicht mehr so ein gutes Gefühl. Ich glaube, ich war der, der es dann zum ersten Mal auch angesprochen hat.

Roman: Nee, das war ich.

Heiko: Ist ja völlig egal. Auf jeden Fall war schnell klar, dass es das Richtige für uns ist.

Roman: Wir sind aus dem Lochis-Shirt rausgewachsen. Es ist Zeit für etwas Neues.

Heiko: Als Lochis gibt es für uns Grenzen - beim Sound, bei den Inhalten. Die wollen wir jetzt auch mal überschreiten. Die Leute nehmen uns nicht ernst. Sie stecken uns noch immer in diese Schublade: Das sind die Youtube-Kiddies und die stellen halt irgendwie Videos online. Das ist total frustrierend. Es gibt vieles, was wir gern ausprobieren würden und was uns die Leute im Moment einfach nicht abkaufen würden.

In eurem Abschiedsvideo erzählt ihr, dass eure Beziehung gelitten hat. War das auch ein Grund für den Bruch?

*Datenschutz

Heiko: Nein, das war eher wie ein Wachrütteln! Wenn es darauf ankommt, muss man auf sein Herz hören. Man darf sich nicht verlieren zwischen Tausenden Terminen, irgendwelchen Forderungen und Ansprüchen. Die Lochis waren immer ein endliches Thema. Wir wollen uns nicht verstellen. Würden wir die nächsten Jahre als Lochis weitermachen, müssten wir eine Rolle spielen. Das wäre doch doof. Deswegen sagen wir unseren Fans ganz ehrlich: "Ey, jetzt ist Schluss."

Hand aufs Herz, wie oft habt ihr geweint, seit ihr wisst, dass es vorbei ist?

Roman: Noch gar nicht! Es kam ja für uns nicht von einem Moment auf den anderen. Wir hatten die Entscheidung schon monatelang getroffen, bevor das Video online ging. Als ich es das erste Mal gesehen habe, hatte ich auf jeden Fall feuchte Augen. Ich denke, spätestens beim Abschlusskonzert werden die Tränen kommen.

Ihr wart oft Pioniere - auf Youtube und als Youtube-Stars im Musikgeschäft. Verspürt ihr Druck, auch in Zukunft irgendwo die Ersten zu sein?

Heiko: Wir haben immer aus unseren Erfahrungen gelernt. Auch wir haben Fehler gemacht. Von denen weiß nur einfach niemand. Es gab Zeiten, die waren unschön. Die letzten Jahre haben wir genutzt, um nochmal über alles zu reflektieren. Wir haben das Lochis-Ding einmal durchgespielt - so fühlt es sich jedenfalls an. Und jetzt geht's von vorne los. Wir wollen uns erstmal keinen Riesendruck machen. Sonst landen wir am Ende nur wieder in alten Mustern. Jetzt stehen erstmal Kreativität und Kunst im Vordergrund und nicht der Erfolg.

Wisst ihr schon, wie es weitergeht?

Heiko: Wir haben noch keine konkreten Pläne und das ist auch gut so. Diese Ungewissheit bringt uns auf ganz neue Ideen. Ohne irgendwelche Abgabetermine kann man anders kreativ sein.

Habt ihr nach der Tour nicht auch einfach mal frei?

Roman: Wir sind aber auch Macher. Zwei Wochen Urlaub? Wäre uns zu langweilig.

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Und nach dem Ende der Lochis? Erstmal zu Mama und Papa an den Küchentisch!

(Foto: Philipp Gladsome / Warner Music)

Heiko: Wir brauchen schon Urlaub. Machen wir auch demnächst und da freuen wir uns drauf. Für mich bedeutet Urlaub aber auch schon, einfach mal ein bisschen zuhause zu chillen.

Roman: Die letzten Jahre waren wir bestimmt 250 Tage pro Jahr unterwegs - eher noch mehr.

Heiko: Wenn unsere Eltern Essen kochen, ist das schon immer am besten. Lasagne von Mama ist der Winner! Unser Vater ist auch ein guter Koch. Im Moment kocht der viel thailändisch, da ist der richtig angefixt.

Roman: Es gibt schon einen Grund, warum wir nicht nach Berlin gezogen, sondern in der Heimat geblieben sind. Wir brauchen diesen Anker. Da sind unsere Freunde von früher, unsere Familie - das ist einfach superwertvoll.

Wenn ihr nicht mehr als die Lochis aneinandergebunden seid, wird es dann auch mal Zeit für eine räumliche Trennung?

Heiko: Das wollen wir nicht!

Roman: Zwilling zu trennen, das passt nicht. Wir ergänzen uns auch privat komplett. Im Haushalt zum Beispiel!

Heiko: Im Haushalt, ey … Der findet bei uns doch gar nicht statt! (lacht) Aber wir gehören schon einfach zusammen. Das kriegt man nicht auseinander. Wir sind Brüder, Zwillinge, Wegbegleiter und ja, auch Geschäftspartner.

Roman: Und beste Freunde! Das geben wir nicht auf - auf gar keinen Fall. Wir gehen zusammen ins nächste Kapitel. Zu zweit macht es einfach am meisten Spaß. Wir sind nicht dann nicht mehr die Lochis, aber eben Heiko und Roman Lochmann. Das waren wir schon immer und das werden wir immer bleiben.

Mit Heiko und Roman Lochmann sprach Anna Meinecke.

Quelle: n-tv.de

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