Musik

Versteckspiel mit der PolizeiZaz' Liebeserklärung an Paris

07.11.2014, 10:13 Uhr
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Von der Straßensängerin zu Charles Aznavours Liebling: Zaz. (Foto: imago/PanoramiC)

Zaz wird in Frankreich als "neue Édith Piaf" gefeiert und gilt als der größte Star, den das Mutterland des Chansons in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Mit n-tv.de sprach sie über ihr neues Album, ihre Anfänge auf der Straße und ihr gesellschaftliches Engagement.

Die Sängerin Zaz, die eigentlich Isabelle Geffroy heißt, schaffte vor drei Jahren mit ihrem Hit "Je veux" auch bei uns den großen Durchbruch. Auf ihrem neuen Album "Paris" feiert die 24-jährige Chanteuse, die vor acht Jahren in der "Stadt der Liebe" als Straßenmusikerin anfing, ihre Wahl-Heimat mit prominenter Unterstützung von Charles Aznavour und Quincy Jones. Wundervolle Interpretationen von "Champs Eysées", "Paris sera toujours Paris" und "La romance de Paris" im Duett mit Françoise Hardys Sohn Thomas Dutronc gibt es darauf zu hören. Zaz begrüßt uns mit einem "Ça va?" und vermittelt beim Interview genauso viel Lebensfreude wie mit ihren Songs.

n-tv.de: Zaz, dass ausgerechnet eine Zugezogene ein Album mit den berühmtesten Songs über Paris aufnimmt, ist eigentlich bemerkenswert, oder?

Zaz: Mag sein. Aber bisher hat sich noch kein Nachbar bei mir darüber beschwert. (lacht) Es wäre mir auch scheißegal, um ehrlich zu sein. Ich fühle mich als Pariserin, seitdem ich in der Stadt lebe. Und ich mache, worauf ich Lust habe.

Was ist Ihr Lieblingsort in Paris?

Das 20. und das 11. Arrondissement (steht für die Verwaltungsbezirke Ménilmontant und Popincourt, Anm. d. Red.). Es ist das Paris der einfachen Leute, wo es eine große kulturelle Vielfalt gibt. Dort habe ich auch mein Appartement. Im Stück "Dans mon Paris" erzähle ich davon.

Es hieß, dass Sie gerne aufs Land ziehen würden.

Ich würde gerne irgendwann in die Berge ziehen, ja. Denn ich gehe gerne auf Hiking-Touren. Ich werde aber immer einen Fuß in Paris behalten, dazu liebe ich die Stadt zu sehr.

Was ist typisch pariserisch an Ihnen?

Ich denke, dass ich den freien, revolutionären Geist mit Paris gemeinsam habe. Ich bin ehrgeizig und auch sehr romantisch - so wie meine Stadt. Und nicht zuletzt liebe ich die Ästhetik und die Schönheit - und natürlich das Essen!

Dass Sie Ihre Interviews nur auf Französisch geben, ist auch typisch Paris, oder?

Ach, ich würde sagen, dass das eher typisch für mich ist, aber nicht für Paris. Mittlerweile sind dort auch viele gewillt, Englisch zu sprechen. (lacht)

Als Sie vor acht Jahren nach Paris kamen, verdingten Sie sich im Cabaret und als Straßensängerin auf dem Montmartre.

Das war eine großartige Zeit! Ich konnte viel ausprobieren und experimentieren. Auf der Straße ist man ganz auf sich allein gestellt, es gibt keine große Inszenierung, keine Bühne oder Scheinwerfer. Das Theater sind die Passanten und Touristen um dich herum, von denen du eine direkte Reaktion bekommst. Seinerzeit gab es noch viele Straßenmusiker, jetzt sind es weniger geworden, weil alles etwas mehr reglementiert wurde. Ganz am Anfang hatte ich gar keine offizielle Erlaubnis aufzutreten, da habe ich immer ein bisschen Verstecken mit der Polizei gespielt. (lacht)

Hat diese Zeit auch Ihren Blick auf Paris geprägt?

Wenn man die Maler auf dem Montmartre sieht, kann man sich leicht in die Zeit hineinversetzten, als zum Beispiel Édith Piaf dort flanierte. Viele französische Sänger haben ja als Straßenmusiker begonnen. Ihnen fühle ich mich verbunden, und ihr Geist ist noch deutlich spürbar. Der Ort besitzt eine künstlerische Seele. Später wurde die Straße einfach zu einer Form von Freiheit. Denn der Blick auf die Stadt ist niemals endgültig, er verändert sich kontinuierlich. Man entdeckt immer wieder etwas Neues, selbst dann, wenn man hier lebt.

Sie werden ja gerne als neue Édith Piaf bezeichnet!

Nein, das ist Quatsch. Ich bin Zaz. Ich bin nur ich selbst! Aber meine Fans wollten immer und unbedingt, dass ich ein Cover-Album aufnehme und am besten sollte es ein reines Édith-Piaf-Cover-Album sein. Ich wollte aber nicht nur eine Piaf-Platte machen, sondern eine Liebeserklärung an Paris.

Den Song "J’aime Paris au mois de mai" haben Sie im Duett mit Charles Aznavour aufgenommen. Ist er Ihr Mentor?

Er lobt mich immer über den Klee und macht mir viele Komplimente! Die Chemie hat von Anfang an zwischen uns gestimmt. Natürlich schaue ich zu ihm auf: Er ist eine echte Persönlichkeit des französischen Chansons, die muss ich erst noch werden!

Ist Paris denn wirklich im Mai am schönsten, wie es der Song besagt?

Auf alle Fälle! Ich bin am 1. Mai geboren, allein schon deshalb! (lacht) Die Stadt erwacht nach einem langen Winter, sie reflektiert das Licht, sie riecht gleich ganz anders.

Aznavour ist nicht der einzige ältere Herr, mit dem Sie kollaboriert haben: Produziert hat das Werk Quincy Jones, unter anderem bekannt durch seine Arbeit an Michael Jacksons "Thriller"!

Ich wollte unbedingt Quincy als Produzent gewinnen, weil er ein unglaublicher Musiker und Arrangeur ist, der den populären, amerikanischen Jazz mitentwickelt hat. Er hat dann auch relativ schnell zugesagt. Charles Aznavour und Quincy Jones sind wie große Kinder! Das gilt übrigens auch für Quincys rechte Hand, Jazzbassist John Clayton, der ebenfalls mitwirkte. Sie haben im Studio viel herumgealbert und waren sehr enthusiastisch. Sie haben sich die Liebe für das Musikmachen und die Freude daran, sie mit anderen zu teilen, bis ins hohe Alter erhalten.

Ist es eher das alte Paris, das Sie auf der Platte feiern, oder doch das junge?

Obwohl man in Paris ständig Neues entdecken kann, gibt es auch eine große Kontinuität, die das Paris von heute in vielen Bereichen vergleichbar macht mit dem alten. Die Chansons verlieren also nicht ihre Aktualität. Paris ist immer noch Paris - "Paris sera toujours Paris"! Es gibt zwar keinen Krieg, aber eine sowohl in Frankreich als auch im Rest der Welt große Unterdrückung der Authentizität, der Unterschiede - auch deshalb haben die ausgewählten Chansons heute noch Gültigkeit.

Auch fernab der Musik gelten Sie als engagierte Person.

Das hoffe ich! Das ist meine Mission. Das ist, was ich bin. Statt ohnmächtig zuzusehen, kann man versuchen, etwas zu bewirken, um die Situation zu verbessern - zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Umwelt oder in der Ökonomie. Denn ich weiß, dass es anderen Lösungen und Möglichkeiten gibt. Und meine Popularität hilft mir dabei, diese Dinge zu vermitteln, zu fördern und zu finanzieren. Ich setzte mich seit Jahren für die Organisation "Colibri" ein, die genau dort ansetzt.

Das tun Sie, indem die Gewinne aus dem Verkauf Ihres Merchandising an "Colibri" fließen. Haben Sie schon konkrete Erfolge erkennen können?

Es gibt viele Projekte, die gerade umgesetzt werden, mit Menschen aus der ganzen Welt, die sich ein Aktionsfeld wählen - zum Beispiel in der Bildung, vor allem in Schulen oder auch im Bereich der Umwelt und Landwirtschaft. Viele denken, Alternativen seien Utopien oder Träume. Dabei zeigt die Realität, dass es möglich ist, Dinge zu verbessern, so dass die Menschen wieder eins sind mit sich und der Umwelt. Wir müssen nur unser Bewusstsein verändern. Es gibt noch viel zu tun.

Mit Zaz sprach Katja Schwemmers

Das Album "Paris" erscheint am 7. November 2014 - bei Amazon bestellen

Zaz gibt am 6. Dezember 2014 im Berliner Tempodrom ein Konzert

Quelle: ntv.de