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Feen-Sex und blutige Morde "Carnival Row" wird nicht das neue "GoT"

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Orlando Bloom und Cara Delevingne spielen die Hauptrollen in der Amazon-Serie "Carnival Row".

(Foto: Amazon)

Es ist ein Platz frei in den Herzen der Fantasy-Fans. Die Lücke, die "Game of Thrones" hinterlassen hat, könnte "Carnival Row füllen. Doch die Serie verläuft viel zu zäh.

Leichen sind quer durch den Wald aufgespannt. Feen rennen und fiese Fantasy-Viecher ihnen hinterher. Es wird geschossen, Feen fallen. Nur eine, die nimmt den zähnefletschenden Kontrahenten in den Würgegriff: Vignette Stonemoss. Die Heldenfee spielt Cara Delevingne, bekanntermaßen der Bad Ass unter den Supermodels unserer Zeit. Sie spielt eine der Hauptrollen in "Carnival Row", einer neuen Amazon-Serie, die vermutlich gern so etwas wäre wie der Lückenstopfer nach "Game of Thrones" - nur eben mit Flügeln an Feen statt an Drachen, Hauptsache, es flattert was.

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Die Welt von "Carnival Row" ist ein bisschen britisch-viktorianisch, ein bisschen Nokturngasse und ganz viel Gegenwart. Zwar bevölkern Unterwelt und Dienstbotenkammern behornte wie geflügelte Wesen, der Zielkonflikt der Serie - neben dem thematischen Dauerbrenner Herzschmerz - könnte aber zeitgeistiger nicht sein: Es regt sich Feen-Rassismus. Feen sind die Fremden im Land und die Fremden, die versuchen, ins Land zu geraten. Alte, weiße Männer rotten sich zusammen, um das Machtgefälle noch ein wenig weiter zu ihren Gunsten zu verschieben. Nur tragen sie eben keine roten Schirmmützen, sondern Bowler-Hüte.

Gemordet wird auch

Vor einer Kulisse von Menschen-, Verzeihung, Feen-Verachtung ist Orlando Bloom als Rycroft Philostrate einer von den Guten. Er hat im Krieg Seite an Seite mit den Feen gekämpft, nennt sie seine Freunde, hat - das wird sich zeigen - eine Fee geliebt und vielleicht, ganz vielleicht tut er das ja immer noch. Mittlerweile Polizist, ist es unter anderem an ihm, eine Mordserie aufzuklären, die der ohnehin angespannten Koexistenz all der Wesen von "Carnival Row" ein für alle Mal ein Ende bereiten könnte.

"Carnival Row" geht in die Vollen. Als einem Mordopfer die Organe aus dem aufgeschlitzten Leib baumeln, muss einer der Serien-Cops brechen. Und dann ist da natürlich noch der Feen-Sex, würdiger Nachfolger für das Vampire-Gebumse, das sich bei den "Twilight"-Streifen so herrlich fetischisieren ließ. Delevingne ist charmant und in ihrer Rolle glaubwürdig, Bloom spricht immerhin angestrengt mit sehr tiefer Stimme - ist ja schließlich noir, das Ganze. Doch die Serie schaut sich zäh.

Konfus und dunkel

Stunden muss der Zuschauer mit den Figuren von "Carnival Row" verbringen, ohne wirklich etwas Substanzielles über sie zu erfahren. Vieles wird angerissen, wenig erklärt. Die Geschichte ist konfus, zudem ist alles irrsinnig dunkel - übrigens schon nervig bei "Game of Thrones", also gern nicht mehr nachmachen. Es kann jedenfalls schon mal vorkommen, dass man beim Streamen gedanklich abschweift.

Wirklich niemand braucht das melodramatische Feuerwerk, was da zwischen Delevingne und Bloom abgefackelt wird, oder die Morde à la Jack the Ripper. Reizvoller sind Nebenstränge der Handlung, zum Beispiel die Geschichte von Argeus Astrayon (David Gyasi), dem Neuen im Nobel-Bezirk, der mit schwarzer Haut und Hörnern die Eliten aufscheucht, oder die des Kanzlers Absalom Breakspear (Jared Harris) und seiner Frau Piety (Indira Virma), die als Strippenzieher des politischen Apparats längst nicht alle Fäden in der Hand halten. Das Gesamtpaket "Carnival Row" bleibt jedoch vor allem anstrengend - und das nicht auf die gute, herausfordernde Art und Weise.

"Carnival Row" ist ab dem 30. August abrufbar über Amazon Prime Video. Die deutschsprachige Fassung folgt am 22. November.

Quelle: n-tv.de

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