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"Entweder groß oder gar nicht" DJ Bobo hat keine Lust auf Kompromisse

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DJ Bobo (3.v.l.) mit seinen Kollegen Johannes Oerding, Ian Hooper, Stefanie Heinzmann, Nura, Joris und Gentleman (v.l.)

(Foto: TVNOW)

Am Dienstag startet bei Vox die achte Staffel des Musikformats "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert". Neben Gastgeber Johannes Oerding sind dieses Mal Gentleman, Stefanie Heinzmann, Joris, Frontmann der Folk-Band Mighty Oaks Ian Hooper, Rapperin Nura und DJ Bobo dabei. Der Schweizer hat ntv.de erklärt, was an diesem Dreh für ihn besonders war und welche Probleme die Corona-Krise für einen Live-Künstler wie ihn mit sich bringt.

Hast du die vorherigen Staffeln von "Sing meinen Song" verfolgt und wusstest, was auf dich zukommt, als du deine Teilnahme zugesagt hast?

DJ Bobo: Ich wusste sehr wohl, was auf mich zukommt, denn für uns in der Musikbranche ist es das schönste Format, das man machen kann. Wir waren schon seit 2018 deswegen in Kontakt. Es hat nur zeitlich nie hingehauen, meist war ich auf Tournee oder im Ausland.

Tournee, was war das noch gleich?

(lacht) Das kennst du vielleicht noch vom Hörensagen. Wo Menschen sich fröhlich nebeneinandergesellen und singen und klatschen.

Also war es fast ein bisschen Glück, dass es dieses Mal so gelaufen ist?!

Ja total, denn bei diesem Format kann man sich kulturell und künstlerisch austauschen. Und man kann miteinander Musik machen.

Alle Teilnehmer vor euch durften nach Südafrika. Ihr wart Corona-bedingt an der Ostsee. Schwang da nicht auch ein kleines bisschen Enttäuschung mit?

Nichts gegen die Ostsee. (lacht) Es war zwar ein bisschen frisch, aber es war hübsch. Aber natürlich wäre ich auch gern nach Südafrika gereist. Ich hatte sogar schon meine Golfschläger bereitgestellt und dachte, ich könnte dort eine Partie spielen. In Südafrika ist wohl ein schöner Golfplatz in der Nähe der Location. Ich habe dann mal gegoogelt und es gab sogar einen Golfplatz an der Ostsee. Das Problem war nur, dass wir unsere Bubble nicht verlassen durften, damit wir uns so bewegen konnten, wie man es dann im Fernsehen sieht. Wir bewegen uns dort ganz normal, als würde die Welt sich drehen.

Dabei würde man ja denken, dass sich auf dem Golfplatz das Ansteckungsrisiko in Grenzen hält.

(lacht) Ja, jetzt, wo du es sagst …

Kanntest du alle teilnehmenden Künstler der diesjährigen Staffel oder hast du dich richtig reinarbeiten müssen?

Ian Hooper sagte mir nichts. Ich kannte seine Band Mighty Oaks, aber mir wurde erstmal nur sein Name geschickt. Und ich kannte Nura nicht.

Hast du bei der Vorbereitung bei einem der Künstler die Sorge gehabt, dass du da nichts Vernünftiges hinbekommst? Musikalisch liegt ihr ja - ganz im Sinne des Formats - recht weit auseinander. Nura zum Beispiel …

Ich habe mir wirklich diese Gedanken gemacht. Und dann habe ich meiner Tochter gesagt, dass Nura dabei ist, hatte aber noch kein Lied von ihr gehört. Da fing meine 14-jährige Tochter laut an zu lachen und sagte: "Keine Chance. Hast du dir mal die Texte von der angehört?" Danach wusste ich, was sie meint. Ich hatte in der Tat bei Nura extrem Probleme, irgendeinen Song zu finden, der nur annähernd in meine Welt passt. Ihr könnt euch da auf was freuen.

Deine Songs werden gleich in der ersten Folge von den Kollegen neu interpretiert. Gab es im Vorfeld ein Stück, das dir persönlich am Herzen liegt und bei dem für dich die Spannung auf das Ergebnis besonders groß war?

Ich wusste ja vorher nicht, welche Songs sich die anderen ausgesucht haben. Das ist ganz wichtig, dass es gelungen ist, allen zu verheimlichen, welcher Song von wem gemacht wird. Früher ist das schon mal durchgesickert, weil irgendwo ein Notenblatt herumlag oder so. Aber dieses Mal wusste ich wirklich null. Deshalb hatte ich auch keine Erwartungen. Ich habe zum Glück so viele bekannte Songs, dass ich nicht wusste, welche kommen. Aber eins kann ich schon verraten: Es gibt keinen sanften Start in die Staffel. Da ist nichts mit "aneinander gewöhnen" und "mal gucken, wer wie tickt". Die sind gleich alle los, als gäbe es kein Morgen mehr.

Galt das auch für das persönliche Aufeinandertreffen?

Wir hatten keinerlei Restriktionen. Ich hatte noch niemanden von den anderen vorher mal gesehen, kannte keinen. Schon am ersten Abend haben wir dann bis morgens um fünf Uhr um den Kamin herumgesessen. Und ich bin normalerweise nicht der Typ, der um die Uhrzeit noch irgendwo sitzt. Wir wurden durch die Umstände zu einer WG, waren zehn Tage am Stück zusammen und konnten uns benehmen wie kleine Kinder, die endlich mal zum Spielen raus können. So kam es mir vor.

Privat trifft man ja schon lange nicht mehr so viele Menschen, schon gar keine Fremden, die dann auch noch eine Leidenschaft teilen. Auch nach einem Jahr Corona gab es bei euch keinerlei Berührungsängste?

Wir fühlten uns unglaublich privilegiert. Das ist ein kranker Umstand. Trotzdem haben wir uns am vierten Tag zum Frühstück zusammengesetzt und uns gefragt, ob das für die Menschen draußen komisch ist, wenn wir uns ständig alle in der Gruppe umarmen und sowas. Darüber haben wir diskutiert und es gab quasi zwei Lager. Die einen meinten, die Leute wollen das genau so, die wollen sehen, dass es auch geht. Und die anderen fanden es komisch, weil die Leute das eben nicht dürfen und es sich für sie anfühlen könnte, als würden wir sie verhöhnen. Es hat also auch bei uns nicht komplett Stopp gemacht.

Ihr habt in zehn Tagen acht Shows aufgenommen. Ist es dir nach einer längeren gezwungenen Auszeit leichtgefallen, in diesen doch sehr aktiven Modus zurückzuschalten? Wird man nicht ein bisschen träge und sozialautistisch?

Ich hätte schon noch länger so weitermachen können. Aber ich hatte auch Respekt davor, dass ich so eine Art - wie hast du es genannt - Sozialautist geworden bin. Es dauerte aber nur ein paar Stunden und ich war gefühlt wieder im alten Leben zurück. Das hat mich ein bisschen erleichtert. Ich habe auch gedacht, dass man das nicht ablegen kann, aber das war wie weggeblasen. Es war eher schwierig, als wir nach zehn Tagen wieder rausmussten. Das fühlte sich fremder an als vorher.

Ist durch die Entwicklung des letzten Jahres bei dir etwas Größeres auf der Strecke geblieben? Wärst du eigentlich auch jetzt auf Tour gewesen?

Für uns gilt das Gleiche wie für alle anderen auch. Das erste halbe Jahr haben wir verschoben. Das zweite halbe Jahr haben wir nach dem Sinn gesucht, überhaupt weiterzumachen. Und jetzt gehen wir in die nächste Phase. Wir schauen auch nur auf Sicht, wir haben jetzt unsere Tour 2022 verschoben. Die war noch nicht mal angekündigt, doch ich habe entschieden, sie auf 2023 zu verschieben. Das hat jetzt nichts damit zu tun, dass ich nicht glaube, dass 2022 schon wieder etwas geht. Aber ich spüre einfach, wie da draußen viele Menschen noch verunsichert sind. Und ich glaube, dass es länger dauern wird, bis wieder Normalität einkehrt, als wir uns das wünschen. Natürlich wird vieles mit Restriktionen möglich sein. Aber wir können nicht mit halber Kapazität die großen Arenen spielen. Das ist wirtschaftlich nicht möglich. Und bevor wir irgendwas runterfahren, verschieben wir alles nochmal um ein Jahr.

Du glaubst also, dass zu wenige Menschen sich ein Ticket kaufen würden, um die großen Hallen zu füllen?

Ich mache mir Sorgen um die 20 bis 30 Prozent, die schon von ihrem Wesen her vorsichtiger sind. Die werden einfach sagen: "Lass die mal ein halbes oder ein Jahr machen, mal gucken, was da passiert." Unser Problem ist mit den großen Arenen, dass wir auf diese Leute nicht verzichten können. Das sind diejenigen, die wir brauchen, um schwarze Zahlen zu schreiben.

Und direkt auf entsprechend kleinere Locations ausweichen, wäre keine Option gewesen?

Wir spielen entweder die großen oder gar nicht. Niemand will mich doch in einer kleinen Location sehen. Ein paar vielleicht schon, aber dafür habe ich nicht 25 Jahre gearbeitet, um dann den Leuten einem Unplugged-Abend zu geben - wenn "Sing meinen Song" davon auch gar nicht so weit weg ist. Das macht auch Spaß, keine Frage. Ich glaube aber, grundsätzlich möchte man uns richtig sehen und nicht mit halber Kraft. Und ich kann nur volle Kraft geben, wenn ich auch die Hilfe von Bühnen, Design, Tänzern und Musikern habe. Wenn alles großes Kino ist. Wir haben sieben Mitarbeiter, die möchten auch was essen.

Ich bilde mir ein, kein Problem damit zu haben, mich, sobald es möglich ist, wieder in eine Menschenmenge in einer Kneipe oder einer Konzerthalle zu quetschen. Glaubst du, dass das schwieriger wird, als wir uns das aktuell vorstellen? Wie schätzt du das für dich persönlich ein?

Ich habe auch kein Problem damit, auch wenn ich das erst dachte. Nein. Null. Und ich kämpfe auch dafür, dass da Normalität einkehrt. Ich will mich nicht damit abfinden, dass es jetzt so ist für den Rest unserer Tage. Ich war gerade in meiner Sturm- und Drang-Phase, als Aids ein Thema war. Da wusste man auch ein halbes Jahr oder noch länger nicht, ob man sich küssen darf. Das hat man schnell vergessen. Es geht aber zurück, man kann den Schalter umlegen, es ist nur dein eigenes Mindset. Es liegt an dir, was du draus machst.

Mit DJ Bobo sprach Nicole Ankelmann

"Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" läuft immer dienstags um 20.15 Uhr bei Vox und ist jederzeit bei TVNOW abrufbar.

Quelle: ntv.de

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