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"Du bist nichts Besonderes!" Das Mantra des Daniel Radcliffe

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"Die Serie ist wahnsinnig lustig": Daniel Radcliffe (und eine Gans).

(Foto: Martin Schoeller / Turner Entertainment Networks, Inc.)

Daniel Radcliffe stellt sich höflich vor, zieht dann aber doch noch zwei, drei Mal an seiner Zigarette. Er trägt eine schwarze, schimmernde Pumphose, dazu ein schwarzes T-Shirt. Letzteres muss er sich schnell übergezogen haben. Ansonsten sieht er noch aus wie Prince Chanceley, als der er gerade eben noch vor der Kamera stand und als der er gleich auch wieder vor die Kamera muss.

In Prag dreht er die zweite Staffel der Anthologie-Serie "Miracle Workers". Darin war er zunächst als neurotischer Engel zu sehen. Die neuen Folgen spielen im Mittelalter, Radcliffe wurde geadelt. "Prince" steht sogar auf seinem Kaffeebecher. Darauf angesprochen ist ihm das allerdings furchtbar peinlich. "Ich schwöre, damit hatte ich nichts zu tun", beteuert er. Es sei die Crew gewesen. Der Zirkus um seine Person ist ihm unangenehm. Radcliffe will lieber über sein Herzensprojekt reden. Nun, rund ein Jahr nach unserem Treffen, erscheinen die neuen Folgen "Miracle Workers" auf Deutsch.

ntv.de: Herr Radcliffe, Sie haben sichtlich besonders viel Freude an "Miracle Workers". Woran liegt das?

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Auch als Serienstar bricht ihm kein Zacken aus der Krone.

(Foto: Martin Schoeller / Turner Entertainment Networks, Inc.)

Daniel Radcliffe: Die Serie ist wahnsinnig lustig. Das klingt banal, oder? Aber ich bin wirklich einfach begeistert darüber, wie sie so albern und dusselig, dabei aber gleichzeitig ungemein gescheit und clever sein kann. Die Balance zu halten ist für Comedy-Autoren eine immense Herausforderung. Ich könnte das nicht. Und dann sieht alles auch noch so hervorragend aus. Haben Sie die Sets gesehen?

Ja, habe ich.

Sind die nicht unglaublich? Seit "Harry Potter" habe ich keine so aufwändige Gestaltung mehr erlebt. Dabei ist "Miracle Workers" kein Hochglanzdrama, sondern ein halbstündiges Comedy-Format. Wir haben Sets wie "Game of Thrones" und Witze wie "Die Simpsons". Ich komme gerade sehr gern zur Arbeit.

Hätten Sie gedacht, dass Sie sich mal so für ein Serien-Engagement begeistern würden?

Tatsächlich werde ich an diesem Job festhalten, so lange ich kann. Ich liebe meinen Beruf, aber oft geht damit eine Menge Stress einher. Ein entscheidender Faktor ist die Arbeit mit immer neuen Menschen. Als Schauspieler ist man am besten, wenn man maximal entspannt ist. Wenn man sich sorgt, wie man bei den Kollegen ankommt, die man eben erst kennengelernt hat, lenkt das furchtbar ab. "Miracle Workers" ist ein fantastisches Projekt, es ist toll geschrieben, vor allem aber arbeite ich mit Menschen, die ich liebe, mit denen ich auch privat gern Zeit verbringe und in deren Gegenwart ich gern und gut arbeite. Ist das nicht schön?

Es gibt ja in jeder Gruppe immer die Lustige, den mit dem guten Rat und so weiter. Welche Rolle spielen Sie unter Ihren Cast-Mitgliedern?

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Aus seiner "Harry Potter"-Zeit hat er viel mitgenommen.

(Foto: imago images/Prod.DB)

Ich wäre gern derjenige, zu dem die Leute kommen, wenn es ein Problem gibt. Ich bin auf jeden Fall nicht der Lustigste. Das ist John Bass. Und wenn es um irgendeine logistische Frage geht, ist Karan Soni der Ansprechpartner. Er liest jeden Vertrag von vorn bis hinten durch, bevor er ihn unterschreibt - das macht sonst kein Schauspieler! Deswegen weiß er immer, wann wir Nein sagen dürfen, weil wir vertraglich nicht dazu verpflichtet sind. (lacht)

Die zweite Staffel "Miracle Workers" könnte von der ersten kaum unterschiedlicher sein. Und auch Sie spielen eine ganz andere Rolle. Gibt es zwischen dem Engel Craig und Prinz Chanceley dennoch eine Verbindung?

Aus ganz unterschiedlichen Gründen sind beide Figuren von Angst getrieben. Beide haben Angst vor den Mächten in ihrem Leben, die sie nicht kontrollieren können. Craig fühle ich mich da in gewisser Weise nahe. Er ist nicht ohne Fehler, im Kern aber ein sehr anständiger, hart arbeitender Kerl. Chancely hingegen ist in einer privilegierten Blase aufgewachsen und entsprechend faul. Aber er wird im Verlauf der Serie lernen, dass es nicht alle so gut haben wie er. Und wer weiß, vielleicht wird er sein bisheriges Leben hinterfragen. Zunächst einmal ist er vor allem furchtbar dumm - und das wiederum macht mir Spaß, es zu spielen.

Ist es einfacher, eine kluge oder eine weniger kluge Figur zu spielen?

Eine kluge, vermute ich. Wenn eine Rolle klug geschrieben ist, muss ich als Schauspieler mir nur die Sätze im Drehbuch aneignen und sofort klinge ich intelligent. Dumm zu spielen, verlangt mehr schauspielerischen Einsatz. Aber Moment, das klingt, als würde ich mir gerade selbst ein bisschen zu gut gefallen … (lacht)

Erklären Sie es mir!

Denken Sie an typische dumme Charaktere, zum Beispiel an Joey aus der Sitcom "Friends". Matt LeBlanc spielt die Rolle brillant nuanciert und unglaublich präzise. Oder denken Sie an Woody aus der Serie "Cheers", gespielt von Woody Harrelson. Matt LeBlanc kenne ich nicht persönlich, aber von Woody Harrelson weiß ich, dass er wahnsinnig intelligent ist. Ich glaube, man kann jemanden sehr Dummen nicht spielen, wenn man den Witz der Figur nicht versteht.

Was macht das Mittelalter heute zu einer so passenden Kulisse für "Miracle Workers"?

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Das Mittelalter bildet die Kulisse für "Miracle Workers".

(Foto: Martin Schoeller / Turner Entertainment Networks, Inc.)

Wir vergessen ja gerne, dass die Menschen in der Vergangenheit sich nicht als Figuren der Vergangenheit verstanden haben. Man begreift immer die Welt, in der man lebt, als die vollständigste, beste Welt bisher. Das war im Mittelalter nicht anders. Die Menschen glauben seit jeher, ihre Probleme seien einzigartig und sie dadurch auch. Dabei mussten wir schon immer mit Chaos klarkommen. Wir haben schon immer gedacht: Jetzt sind wir geliefert. Und dann ging es weiter. Ich finde, das hat etwas Befreiendes. Wenn die Serie im Kern eine Aussage hat, dann ist es: Wir sind nichts Besonderes.

Ist es für Sie wichtiger als für andere, sich daran zu erinnern, weil Sie seit Ihrer Kindheit irgendwie doch etwas Besonderes sind?

Ich habe jedenfalls früh gelernt, dass es wichtig ist. Ich bin am Set aufgewachsen. Ich war während der gesamten Drehzeit vor Ort, zehn oder elf Monate im Jahr. Alle meine Freunde waren Teil der Filmcrew - und ich habe gehört, wie sie über Schauspieler gesprochen haben. Sagen wir es so: Man wollte nicht zu denjenigen gehören, die dachten, sie wären etwas Besonderes. Schauspieler, die glauben, ihr Beruf sei komplizierter oder schwieriger als der der Kollegen am Set, finde ich lächerlich. Weil ich mir der Tatsache bewusst war, dass die Leute mich vielleicht anders behandeln könnten als andere, habe ich immer eher versucht, dem aktiv entgegenzuwirken. Ich finde es sehr unangenehm, eine Sonderbehandlung zu bekommen.

Aber es gibt doch sicherlich auch Vorteile, Daniel Radcliffe zu sein?

Oh, definitiv. Es hat auch enorme Vorteile, berühmt zu sein. Man kriegt zum Beispiel leichter einen Tisch in einem angesagten Restaurant. Wenn man das möchte, kann man als bekannter Schauspieler in einer Blase leben. Man kann Menschen um sich versammeln, die einem den ganzen Tag über sagen, wie toll man ist. Aber zu was für einer Person macht einen das? Ich möchte mich nicht verlieren, also erinnere ich mich immer wieder daran: Du bist nichts Besonderes.

Mit Daniel Radcliffe sprach Anna Meinecke

Die zweite Staffel "Miracle Workers" läuft ab sofort bei TNT.

Quelle: ntv.de

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