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Daniel Radcliffe im TV-Himmel Gott, so ranzig

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Daniel Radcliffe spielt in "Miracle Workers" einen neurotischen Engel.

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Gott trägt Jogginghose und Socken in seinen Plastikschlappen. Sein langes graues Haar trägt er nicht voll, sondern fisselig und er wird nicht müde, das knappe "Lobe den Herrn" eines Leistungssportlers im Loop zu spielen. In der Serie "Miracle Workers" haben alle aufgegeben. Gott (Steve Buscemi) will das Projekt Erde einstampfen. Der Planet bleibt wohl ungerettet - es sei denn Engel Eliza (Geraldine Viswanathan) gewinnt ihre Wette gegen den dezent angeranzten Schöpfer. Gemeinsam mit ihrem neurotischen Kollegen Craig aus der Abteilung für Gebete muss sie aus zwei Verknallten Küssende machen.

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Daniel Radcliffe spielt Craig. Es ist das erste Serien-Engagement des einstigen Kinderstars. Seit seiner Zeit als "Harry Potter" hat der mittlerweile 29-jährige Brite schauspielerisch einiges hinter sich gebracht. Er hat nackt Theater gespielt und für ein Musical getanzt, seine Filmrollen könnten kaum eine absurdere Mischung sein. Nun gibt er für Serienmacher Simon Rich den neurotischen Engel, dessen Aufgabe es ist, Gebete der Menschen zu erfüllen. Mit n-tv.de spricht er über seine Vorstellung vom Jenseits und seine Leidenschaft für Senf.

n-tv.de: Die Welt ist verloren, aber zwei Engel kämpfen weiter, um sie vielleicht doch noch zu retten. Eine schöne Botschaft in einer Zeit, in der viele nicht mehr mit dem Guten rechnen. Ist "Miracle Workers" die Serie, die wir alle dringend nötig hatten?

Daniel Radcliffe: Es ist auf jeden Fall die Serie, die ich dringend nötig hatte. Als Schauspieler ist man immer auf der Suche nach Projekten, durch die man etwas ausdrücken kann, was man selber nie hätte in Worte fassen können. Jetzt gerade haben Leute das Gefühl, die Menschheit sei zum Scheitern verurteilt. Dabei waren wir schon immer verloren und werden für immer verloren sein. Allerdings gibt es auf dem Weg dahin viele Gründe für Liebe und Freude - bis wir uns gegenseitig vernichten. (lacht) Das ist doch eine aufregende und auch sehr befreiende Botschaft.

Eine Vorstellung vom Jenseits hat fast jeder - unabhängig von Religion. Was hat Ihre geprägt und hat sie sich durch die Arbeit an "Miracle Workers" verändert?

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Bei "Miracle Workers" hat Gott die Erde aufgegeben. Er würde sich lieber neuen Projekten zuwenden.

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In meiner Kindheit waren die Bilder, die ich im Kopf hatte, inspiriert von Gary Larson und seinen "The Far Side"-Comics sowie von den Simpsons. Einer der besten Filme, bei dem der Himmel vorkommt, ist "Irrtum im Jenseits" mit David Niven. So hat sich meine Vorstellung vom Leben nach dem Tod immer aus Versatzstücken kultureller Darstellungen zusammengesetzt. Mir gefällt, wie Simon (Rich, Macher der Serie; Anm. d. Red.) den Himmel in "Miracle Workers" konzipiert hat. Die Welt ist ein chaotisches Durcheinander und der Himmel spiegelt das wieder - nicht zuletzt in Gott selbst.

Sie waren bereits Fan der Buchvorlage. Wie sind Sie auf den Roman gestoßen?

Meine Freundin hat ihn mir geschenkt. Sie hat mich für Simons Werk begeistert. Also gebührt ihr mein ganzer Dank dafür, dass ich jetzt in seiner Serie mitspielen darf. Ich habe das Buch gelesen und ich habe es geliebt. Also habe ich um ein Treffen mit Simon gebeten. Ich habe ihm gesagt: "Die Sache ist so: Ich habe mich in dein Buch verliebt. Solltest du also irgendwann etwas daraus machen, wäre ich gern dabei. Ich stelle mich auch ans Set und mache Tee - Hauptsache, ich darf mitmachen." Ein paar Monate später hat er mich angerufen.

Was hat Sie ursprünglich an der Geschichte begeistert?

Da ist einerseits ganz viel Frust über die Menschheit als solche, aber eben auch ganz viel Liebe für den einzelnen Menschen. Es ist schwer, Comedy zu machen, die im Kern warm, süß und gut gemeint ist, aber trotzdem auch kantig und düster. Es ist schwer, da den richtigen Ton zu treffen.

Kostüme und Kulissen bei "Miracle Workers" sind offensichtlich aufwändig konzipiert. Aber es gibt doch sicherlich noch ein paar gestalterische Details, die Zuschauern nicht sofort ins Auge fallen, oder?

Ich würde mal auf die Buchtitel achten. Immer wenn irgendwo im Hintergrund ein Buch zu sehen ist - vor allem in meinem Büro, gibt es immer etwas zu entdecken. Manchmal kann man auch die Zettel mit den Gebeten der Menschen erkennen. Wenn da ein Foto drauf ist, ist das immer von jemandem aus der Crew.

Weil Sie bei "Miracle "Workers" von Anfang an involviert waren, haben Sie auch Casting-Entscheidungen treffen dürfen. Wie war es, mal die andere Perspektive einzunehmen?

Es war großartig. Ich hatte noch nie mehr Respekt für Schauspieler! Für eine Rolle, die der Laura, habe ich mir etwa 30 bis 40 Casting-Aufnahmen angeschaut. Der Großteil davon war wirklich, wirklich gut. Aber dann war da plötzlich Sasha (Compère, spielt Laura; Anm. d. Red.). Sie hat nicht nur alles richtig gemacht, sondern etwas völlig anderes als die anderen, womit wir nicht gerechnet hatten. Das war regelrecht berauschend! Sie hat die Rolle natürlich bekommen.

Irgendwann muss jemand das bei Ihnen so empfunden haben …

Vermutlich ja. Es wird schon eine Weile her sein, aber jemand wird ein Video von mir gesehen und zu seinen Kollegen gesagt haben: "Ihn und keinen anderen!" Es ist schön, das zu wissen.

Ihre Serienfigur Craig ist auf sehr liebenswerte Art neurotisch. Er belohnt sich zum Beispiel mit kleinen Senf-Packungen. Hat das den Dreh für Sie eher unappetitlich oder vielleicht sogar besonders angenehm gestaltet?

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Die engagierte Eliza zwingt Engel Craig seine Komfortzone zu verlassen.

(Foto: TM & © Turner Entertainment Networks, Inc. A WarnerMedia Company. All Rights Reserved. 1)

Ha, sie mussten mich sogar davon abhalten, so viel Senf zu essen! Einmal sollten Nahaufnahmen von meiner Kollegin Geraldine (Viswanathan, spielt Eliza; Anm. d. Red.) gemacht werden. Jemand aus dem Team hat mir zugerufen: "Daniel, du musst keinen Senf mehr essen, du wirst gerade nicht gefilmt." Aber ich war nicht zu stoppen. Ich liebe Senf - nicht unbedingt aus kleinen Packungen, aber ich nehme mir schon mal einen Löffel pur oder lade mir welchen auf den Teller, wenn alles andere bereits aufgegessen ist. Am besten sind Dijon oder Hot English. Bei dem glatten, gelben Senf aus den USA stimmt die Konsistenz nicht.

In den vergangen Jahren sind Sie für Filme durch Schlamm und Wasser gerobbt oder haben sich den ganzen Tag über Nazi-Parolen angehört. Verglichen dazu hatten waren die Arbeitsbedingungen bei "Miracle Worker" sicherlich wesentlich komfortabler, oder?

Es gibt eine Szene, da sitze ich bärtig im Schlamm und esse auch welchen! Der entspannteste Film, den ich je gedreht habe, war allerdings " The F-Word - Von wegen nur gute Freunde!" - kein Blut, kein Schweiß, kein Schlamm.

Schauspieler wollen möglichst vielfältige Rollen spielen. Sie scheinen dabei ein besonders breites Spektrum abzudecken. Sie waren Harry Potter, Allen Ginsberg, undercover in der rechten Szene und eine flatulierende Leiche … Wo wird es selbst Ihnen zu bunt?

Eigentlich bin ich für alles zu haben. Ich mache keine klassischen Actionfilme mehr - einfach weil ich mich nicht als glaubhaften Helden einer dieser Geschichten sehe. Ansonsten habe ich mittlerweile den Ruf weg, nischigen Projekten gegenüber aufgeschlossen zu sein. Wenn jemand ein ungewöhnliches Drehbuch hat, schickt er es zu mir. Ich bekomme echt merkwürdiges Zeug zu sehen. Und ich habe noch ein paar Jahre zu arbeiten. Es kann also noch deutlich merkwürdiger werden. Ich kann es kaum erwarten!

Mit Daniel Radcliffe sprach Anna Meinecke.

"Miracle Workers" läuft bei TNT Comedy.

Quelle: n-tv.de

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