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"Mögen Sie Tafelspitz?" Der Berliner "Tatort" im Schnellcheck

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Karow (Mark Waschke, l.) und Rubin (Meret Becker) ermitteln in einer deutsch-deutschen Familientragödie.

(Foto: rbb/Stefan Erhard)

Die Berliner Kommissare Karow und Rubin müssen sich zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung nicht nur mit alten und neuen Nazis herumschlagen, sondern bekommen es auch mit suizidalen Stasi-Offizieren und einem deutsch-deutschen Familiendrama zu tun.

Das Szenario

Am Morgen nach seinem 90. Geburtstag wird der greise Bauunternehmer Klaus Keller (Rolf Becker) erschossen auf seiner Charlottenburger Dachterrasse gefunden, um seinen Hals ein Schild mit der Aufschrift "Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen". Der Tatort erinnert frappierend an die schrecklichen Szenen vom Ende des Zweiten Weltkriegs, als mit Deserteuren ebenso verfahren worden war. Weil sich der Ermordete dem Gedenken an die Opfer des Holocausts verschrieben hatte, scheint ein rechtsradikales Tatmotiv nahe zu liegen - doch bei ihren Ermittlungen merken die Berliner Kommissare Karow (Mark Waschke) und Rubin (Meret Becker) bald, dass die Familie des Toten der Schlüssel zur Aufklärung des Falles ist.

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Kommissar Karow (Mark Waschke, l.) nimmt den Enkel des Keller-Clans ins Visier.

(Foto: rbb/Stefan Erhard)

Die Kellers erstrecken sich nicht nur über mehrere Generationen, sondern waren bis 1989 auch noch nach Ost und West geteilt: Während West-Opa Klaus als klassisches Wirtschaftswunderkind groß wurde, war sein Bruder Gert (Friedhelm Ptok) bis zur Wiedervereinigung ein hochrangiger Stasioffizier - und danach einer der großen Wendeverlierer. Die Wellen, die die Schicksale der Großväter schlagen, sind so groß, dass auch die nachfolgenden Generationen davon betroffen sind.

Die eigentliche Botschaft

"Ein paar Worte nach Mitternacht" handelt von einem Jahrhundert deutscher Schuld, erzählt anhand einer deutsch-deutschen Familiengeschichte - pünktlich zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Da gibt es gleich einige Szenen, die tief unter die Haut gehen. Am eindrücklichsten, weil merkwürdig deplatziert, ist dann aber doch der Moment, in dem Karow die eben erst kennengelernte Kellnerin mit nach Hause zu seinen Eltern nimmt und über die Qualität von Tafelspitz sinniert.

Der Plausibilitätsfaktor

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Sehr hoch. Natürlich ist die Familiengeschichte der Kellers hoch verdichtet, aber alles, was in "Ein paar Worte nach Mitternacht" erzählt wird, hat so oder so ähnlich stattgefunden.

Die Bewertung

8 von 10 Punkten. Dieser Berliner "Tatort" ist in jeder Hinsicht ein echtes Schwergewicht -dass die Macher trotz der Vielzahl schwerer Themen niemals den roten Faden verlieren, zeugt von großem Können. Da kann man dann auch mal verzeihen, dass ein paar Szenen etwas zu schwerfällig daherkommen.

Quelle: ntv.de

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