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Gorniak und Winkler ermitteln Der Dresdner "Tatort" im Schnellcheck

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Das Dresdner Team: Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel).

(Foto: imago images / Andreas Weihs)

Am Anfang steht ein Mord, kurz darauf befindet sich das Dresdner Team mitten in einer dramatischen Geiselnahme. Im Brennpunkt des Geschehens der tatverdächtige Louis Bürger, der kurz davor ist, völlig die Nerven zu verlieren und dabei seine Familie mit in den Abgrund zu reißen.

Das Szenario
Dass mit dem Paar etwas nicht ganz astrein ist, merkt man gleich. Als Anna (Katia Fellin) von ihrem Mann Louis (Max Riemelt) eine Handtasche zum Geburtstag bekommt, muss er ihr mit dem Bon beweisen, dass er das rote Luxusteil wirklich nicht gestohlen hat. Louis Bürger ist vorbestraft, ein netter, aber etwas unaufgeräumter Typ, der einiges auf dem Kerbholz hat, aber jetzt endlich, wirklich, ganz bestimmt ein besseres Leben führen will. Pech, dass Sohnemann Tim (Claude Heinrich) eine von seinen Ecstasy-Pillen geschluckt hat und im Heim gelandet ist. Wenn er aber erst einmal wieder nach Hause darf, dann wollen Bürgers noch einmal ganz von vorn anfangen.

Unglückes Geschick, dass ein Wohnungsnachbar vor ihrem Haus tot aufgefunden wird, und die Tatwaffe, ein Baseballschläger, aus dem Besitz Bürgers stammt. Der Verdacht fällt schnell auf ihn, Bürger verliert die Nerven und will mit Frau und Kind flüchten. Aus dem Versuch, Tim aus dem Heim zu holen, entwickelt sich eine folgenschwere Geiselnahme.

Die eigentliche Botschaft
In Sachen Botschaft hält sich "Die Zeit ist gekommen" eher bedeckt, vielmehr folgt der Film dem Muster klassischer Vorlagen, sei es "Die Katze" oder "Hundstage". Filme, bei denen Motiv oder Hintergründe des Geiselnehmers weniger eine Rolle spielen als vielmehr ein dramaturgisches Interesse am Innenleben des Täters, an der Beobachtung einer Versuchsanordnung mit sekündlich steigendem Puls und höchstwahrscheinlich dramatischem Ausgang.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Möglicherweise über Claude Heinrich, jenen Jungdarsteller, der zuletzt in "8 Tage" zu sehen war und als junger Udo in "Lindenberg! Mach' dein Ding" überzeugte, und auch hier durch sein intensives, natürliches Spiel die etwas losen Fäden der Inszenierung zusammenhält.

Der Plausibilitätsfaktor

Die Alles-wird-gut-Schwüre des verzweifelten Louis Bürger mögen nicht eben plausibel sein, aber sie sind so nervenzehrend wie tragisch. Und bei aller Brutalität lösen sie beim Zuschauer zuweilen sogar noch so etwas wie Mitleid aus. Selbst als alles schon den Bach runtergeht, lernt der Mann im blutbefleckten Tshirt noch kroatische Vokabeln mit Frau und Kind. Alles wird gut? Ganz sicher nicht.

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. Ein Geiseldrama mit sozialem Sprengstoff, das ehrlicherweise auch ganz gut ohne seine Kommissarinnen ausgekommen wäre.

Quelle: ntv.de