TV

Voss und Ringelhahn in Bayreuth Der Franken-"Tatort" im Schnellcheck

117261815.jpg

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Toter im Gerichtssaal, eine Tote im Uni-Labor, ein dritter Mord im Theatersaal wird nur knapp verhindert, der Killer erschossen. Eigentlich ist "Ein Tag wie jeder andere" nach einer Dreiviertelstunde zu Ende. Wenn da nicht dieser Mann im Rollstuhl wäre …

Das Szenario

Sie hatten sich so sehr ein Kind gewünscht. Alles war vorbereitet, das Kinderzimmer, die Windelpakete, das Nachtlämpchen. Doch in den liebevoll hergerichteten Raum zieht niemand ein, denn Jana Kessler (Karina Plachetka) bringt ein totes Kind zur Welt. Schuld ist, das erfährt Martin Kessler (Stephan Grossmann) später, die Milch vom Molkerei-Giganten Rolf Koch (Jürgen Tarrach), in der sich Giftstoffe befanden. Angezeigt hatte Koch sich selbst und war damit einer Strafe entgangen. Zu viel für Kessler, der nicht nur sein Wunschkind verliert, sondern im Nachgang auch seine Frau, denn Jana verlässt ihn schließlich. Als auch noch Kesslers Selbstmord-Versuch schiefgeht und er im Anschluss nicht nur auf einem Auge blind, sondern auch an den Rollstuhl gefesselt ist, gibt es für ihn nur noch zwei Dinge: Schnaps. Und Rache.

Die eigentliche Botschaft

So unkonventionell und komplex "Ein Tag wie jeder andere" erzählt ist, so klassisch sind die Learnings hier: Rache lohnt sich nicht. Die Großen lässt man laufen. Auch Polizisten haben Gefühle. Und am Ende ist Teamgeist immer noch das beste Erfolgsrezept.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Da gäbe es wieder einmal einiges: Wie fies Jürgen Tarrach doch spielen kann und wie gern man ihn öfter sehen würde. Oder über Stephan Grossmann, der den entstellten, vom Schicksal völlig zerstörten Racheengel im Rollstuhl mit subtiler Bösartigkeit nach Hannibal-Lecter-Art darstellt, so mitleiderregend wie grausam.

Der Plausibilitätsfaktor

Mit dem Rezitieren des Paragrafen 44 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzes wird dem Fall das realistische Rückgrat gegeben: Wer sich selbst anzeigt, heißt es darin stark verkürzt, der kommt um eine Strafe herum, ganz gleich wie vergiftet sein Produkt (in diesem Fall die Milch des Koch-Konzerns) auch sein mag. Das Thriller-Konstrukt, das Autor Erol Yesilkaya um diesen Paragrafen herum konstruiert, bietet dann einiges an Logik-Löchern - die zurückgekehrte Gattin im Polizeidienst, die Waffe im Gerichtssaal, zudem die Frage, wie der körperlich stark eingeschränkte Kessler die Entführung von Peters' Tochter vorbereitet und in die Tat umgesetzt hat, auch der eheliche Giftmord am Ende ist ein wenig hanebüchen - dennoch ist das alles so gekonnt in Szene gesetzt und auf den verschiedenen Ebenen derart spannend erzählt, dass man sich dem Sog der Geschichte nur schwer entziehen kann.

Die Bewertung

8 von 10 Punkten. Bei einem guten Thriller muss man sich zuweilen entscheiden, was wichtiger ist: Erhöhter Realismus-Faktor oder gekonnt gedrechseltes Drama? Die Entscheidung für letzteres macht den fünften Franken-"Tatort" letztlich so überaus unterhaltsam.

Mehr zum Thema