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Transhuma-was? Der Ludwigshafener "Tatort" im Schnellcheck

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Ein einsamer Rollstuhl im Wasser macht noch lange keine Leiche. Oder etwa doch?

(Foto: SWR/Sabine Hackenberg)

Silicon Valley trifft "2 Fast 2 Furious" trifft die beschauliche Kurpfalz. Das Ergebnis ist ein Krimi, der die ganz großen Themen anzapft, ohne ihnen gerecht zu werden. Nichts Neues also aus Ludwigshafen.

Das Szenario

Am Ludwigshafener Rheinufer wird ein Rollstuhl gefunden, herrenlos und mit den Rädern bereits halb im Wasser. Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihre Kollegin Stern (Lisa Bitter) haben wenig Hoffnung, dass der Besitzer noch am Leben ist und gehen bei ihren Ermittlungen von Selbstmord aus. Die Krankenakte des Verschollenen bestärkt die Beiden in ihrer Vermutung: Lukas Pirchner (Igor Tjumenzev) gilt als stadtbekannter Schläger und Frauenheld mit einem Faible für getunte Autos - und als jemand, der sich fast ausschließlich über seinen gestählten Körper definiert. Oder besser gesagt, definierte, denn seit einem folgenschweren Autounfall sitzt Pirchner querschnittsgelähmt im Rollstuhl.

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Versteckt sich zum Dienstjubiläum auf Toiletten: Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts)

(Foto: SWR/Sabine Hackenberg)

An sein neues Leben konnte sich der Mann mit dem amtlichen Vorstrafenregister offenbar nie gewöhnen, sondern setzte all seine Hoffnung auf die Arbeit des Hirnforschers Professor Bordauer (Sebastian Bezzel): Der sich offenbar ausschließlich von Cola ernährende Nobelpreisanwärter mit Wolle-Petry-Gedenkarm (Freundschaftsbändchen!) und transhumanistischen Allmachtsfantasien setzt seinen Patienten Platinen ins Hirn, um so Depressionen und Ähnliches zu heilen. Auch Pirchner hofft, durch einen Eingriff wieder laufen zu können, wird aber angeblich abgewiesen - das jedenfalls erzählt Bordauer den Ermittlerinnen. Als jedoch kurz darauf eine Ärztin aus Bordauers Stab tot aus dem Rhein gezogen wird, kommen Kommissarin Odenthal Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Forschers.

Die eigentliche Botschaft

Transhumanismus ist böse und gottlos, das suggeriert schon der aus dem lateinischen entlehnte Titel "Maleficius". Tatsächlich wird Transhumanismus je nach Perspektive als "gefährlichste Idee der Welt" oder Möglichkeit zur Erlösung der Menschheit gesehen. Regisseur Tom Bohn macht es sich mit seiner Schlussfolgerung allerdings ein bisschen zu einfach, seine Thesen sind arg plakativ - und ob er seiner Sache mit dem semitheologischen Exkurs einen Gefallen tut, soll mal dahingestellt bleiben.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Die Schlussszene, wenn der querschnittsgelähmte Ex-Raser mit seinem Exoskelett ungelenk und quietschend durch die Gänge wankt. Wenn so die Zukunft aussieht, müssen wir uns wohl keine Sorgen machen.

Der Plausibilitätsfaktor

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Überspannte Kommissarin, irrer Wissenschaftler, menschliches Versuchsobjekt: Eine typische Szene aus "Maleficius".

(Foto: SWR/Sabine Hackenberg)

Transhumanismus wird uns wohl in den kommenden Jahren wohl tatsächlich mehr und mehr beschäftigen: "In 50 Jahren werden wir Teile unseres Gehirns in der Cloud abspeichern können, dann sind wir fast unsterblich", frohlockt der irre Wissenschaftler im Film. Der berühmte US-Futurist Ray Kurzweil glaubt indes, dass es sogar noch viel schneller soweit sein könnte, nämlich schon in 20 bis 30 Jahren. Grund zum Gruseln? Auf jeden Fall.

Die Bewertung

5 von 10 Punkten. Nach "Vom Himmel hoch" überhebt sich der Ludwigshafener "Tatort" mit "Maleficius" schon wieder an einem Thema, das einfach zu groß für Lena Odenthal ist. Einzig der ansonsten anständige Cast und die in weiten Teilen nicht unspannende Handlung retten den Film vor dem Totalabsturz.

Quelle: ntv.de