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Ludwigshafener Drohnen-"Tatort" Aua von oben

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Johanna Stern und Lena Odenthal ((Lisa Bitter und Ulrike Folkerts, v.l.) ermitteln in Ludwigshafen.

(Foto: SWR/Sabine Hackenberg)

Nach zwei heimatduseligen und absolut unterirdischen Impro-Krimis versuchen es die Ludwigshafener diesmal mit den ganz großen Themen: den Folgen moderner Kriegsführung. Verheben sich die Pfälzer auch diesmal?

Ordnung muss sein, auch und gerade nach einem Mord. Klingt nach "Tatortreiniger", ist aber der neue Ludwigshafener "Tatort". In dem feudelt eine Psychologin bereits ganz zu Beginn praktischerweise alle Spuren beiseite, die den Mörder ihres erschlagenen Praxiskollegen überführen könnten. Die Gute ist allerdings zu entschuldigen, auf dem Boden durch die Praxis robbend fehlt ihr einfach der Überblick. Nicht zu entschuldigen ist dafür der zuständige Kriminaltechniker, der den Mordgegenstand mit Kennermiene als "Des Ding do!" identifiziert. Kriminologische Gemütlichkeit, das kennt man aus Ludwigshafen.

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Der US-Außenminister (Peter Gilbert Cotton, l.) ist Ziel eines Anschlags.

(Foto: SWR/Alexander Kluge)

Was man aus der Pfalz dagegen nicht kennt, ist die Beschäftigung mit den ganz großen Themen. "Vom Himmel hoch" möchte das ändern und nimmt sich gleich mal einen besonders schweren Brocken vor: die Folgen moderner Kriegsführung. Zumindest geografisch hat das Sinn. Ludwigshafen liegt nur einen Steinwurf von der US-Basis Ramstein entfernt, die eine zentrale Rolle im Drohnenkrieg der Vereinigten Staaten spielt. Im Film besucht der US-Außenminister die Basis und will mit seinem deutschen Kollegen über eine weitere Kooperation sprechen. Unabhängig voneinander planen gleich zwei Parteien Anschläge auf den Minister: eine ehemalige und stark traumatisierte Drohnenpilotin und zwei Deutsch-Kurden, deren Kinder bei einem Drohnenangriff getötet wurden.

Staatssekretär oder Außenminister?

Die Ausgangslage ist also durchaus vielversprechend, die Ausführung dagegen auf üblichem Ludwigshafener Niveau: Zwar müssen die Zuschauer diesmal keine Impro-Katastrophe über sich ergehen lassen, der Kulturclash zwischen globalen Problemen und Pfälzer Betulichkeit ist aber auch ohne kaum auszuhalten. Das fängt bereits bei der Vorstellung des Autors und Regisseurs in Personalunion Tom Bohn von großem Kino an: Es muss natürlich zwingend ein übertrieben zwielichtiger Staatsanwalt mitspielen, der den eingehenden Mord zum Wohle eines Drohnendeals vertuschen möchte. Und auch der Rest des Casts wirkt so, als hätte Bohn versucht, so viele Thrillerklischees wie möglich in einen Film zu packen.

Dazu kommt eine ganze Reihe von Übersetzungsfehlern, die für haushohe Fragezeichen sorgen, was die Recherchearbeit des Filmteams betreffen: So wird der US-Staatsgast von seinen Soldaten als "Secretary of State" begrüßt, im Deutschen wird daraus Staatssekretär. Wörtlich mag das zwar richtig sein, es unterschlägt aber die tatsächliche Bedeutung: Der Besucher ist in Wahrheit nämlich das US-Pendant zu einem deutschen Außenminister. Wer das nicht weiß, muss sich zwangsläufig fragen, warum a) so ein Gewese um einen einfachen Staatssekretär gemacht wird und b) auch noch gleich zwei Parteien versuchen, ihn zu ermorden.

Dazu kommen reichlich anmaßende Videocollagen aus Kampfgebieten und eine Moral, die den Zuschauern mit dem Holzhammer eingetrichtert werden soll. Was am Ende eines kaugummiartig langen Fernsehabends übrig bleibt, ist die Erkenntnis, dass man ebenjenen besser anders verbracht hätte. Und das ist mehr als schade, schließlich verdient es das Thema, angemessen behandelt zu werden.

Quelle: n-tv.de

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