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"Tatort" aus München Familienhölle mit Pool

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Haben sich nichts mehr zu sagen: die Schellenbergers.

(Foto: Hendrik Heiden/ BR)

Welches ist Münchens gefährlichster Ort? Ist es a) ein Sexparkplatz an der Peripherie, b) ein nebliger Auenwald am frühen Morgen oder doch eher c) eine gutbürgerliche Wohnlandschaft? Dieser "Tatort" hat die Antwort.

Man kann ja von München halten was man will, aber landschaftlich hat es die Stadt ziemlich gut erwischt: Während in Berlin schon eine Tretbootpartie am Müggelsee als Naturerlebnis gilt, laden an der Münchner Peripherie verwunschene Auenwälder zum Wildwasser-Rafting auf der Isar ein. Aufpassen sollte man nur, wenn es zwischen blauem Wasser und grünen Bäumen plötzlich golden aufblitzt: Es ist dann wahrscheinlich kein Schatz, der dort wartet, sondern im schlimmsten Fall eine in eine Rettungsdecke eingewickelte Kinderleiche - so wie zu Beginn des neuen "Tatorts" aus der bayrischen Landeshauptstadt.

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Emils Rad wird unweit eines Sexparkplatzes gefunden.

(Foto: BR/Bavaria Fiction GmbH/Hendrik )

Es ist Emil Kovacic (Ben Lehmann) aus der 8b, der da im Unterholz treibt. Emil war ein etwas merkwürdiger und nicht sonderlich beliebter Schüler, vor allem aber unschuldig - was man von den übrigen Protagonisten dieses Sonntagskrimis nicht behaupten kann: "Lass den Mond am Himmel stehn" führt schnurstracks hinab in die Untiefen gutbürgerlicher Familienhöllen. Das bekommen auch die Kommissare Leitmayer (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) schnell mit, die den Mord an Emil aufklären wollen.

Dabei scheint das Motiv auf der Hand zu liegen: Emils Fahrrad wurde weit entfernt vom Fundort des Toten in einem Waldstück nahe eines Sexparkplatzes gefunden. Die Ermittler vermuten, dass der Junge etwas gesehen hat, was er nicht hätte sehen dürfen. Trotzdem lassen sich Leitmayer und Batic nicht in die Irre führen, graben sich Schicht für Schicht tiefer in die Familiengeschichte der Kovacics ein und finden schließlich heraus, dass die Wahrheit noch unappetitlicher ist als ursprünglich angenommen - und eng mit Emils bestem Freund Basti Schellenberg (Tim Offerhaus) und seiner Familie verwoben ist.

Unheimlicher Drive

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Die wohlgeordneten und akkurat ausgerichteten Wohnlandschaften in diesem "Tatort" treffen auf maximal zerrüttete Familien, die ihre seelischen Abgründe und ihre Abgestumpftheit hinter hübschen Fassaden verstecken wollen. Im krassen Kontrast dazu steht die urwüchsige, wilde, am Ende aber doch friedliche Natur vor den Fenstern. Schöne Worte machen noch lange keine schönen Menschen, das könnte eine der Botschaften von "Lass den Mond am Himmel stehn" sein.

Eine andere müsste lauten: Geduld zahlt sich aus. Davon brauchen die Zuschauer nämlich eine ganze Menge, bevor die Saat aufgeht und die verschiedenen subtilen Neben-Handlungsstränge in einem echten Aha-Moment kulminieren. Ist es aber erstmal soweit, entwickelt dieser letzte "Tatort" der laufenden Saison einen unheimlichen Drive - und entlässt seine Zuschauer am Ende angenehm verstört in eine lange Sommerpause.

Quelle: ntv.de