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"Tatort" aus Weimar Grob gestrickt

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Ihre Ermittlungen führen Lessing (Christian Ulmen, M.) und Dorn (Nora Tschirner) diesmal in eine Textilfabrik.

(Foto: MDR / Steffen Junghans)

Bräsige Entführer, ein Familienkonzern am Abgrund, eine Leiche im Güllebecken und ein Fleischhammer, der zum Mordinstrument wird - in Weimar geht auch beim zehnten Fall wieder einiges. Das Problem bei Dorn und Lessing: Wenn die beiden nicht aufpassen, droht ein zweites Münster.

Beim Ehepaar Schrey (Jörg Schüttauf und, leider nur kurz im Einsatz, Nina Petri) wird eingebrochen, die Besitzer einer traditionsreichen Strickwaren-Firma sollen entführt werden. Doch die Chose gerät flugs in Schieflage, das Entführer-Tandem Zecke und Freya (Christopher Vantis und Sarah Viktoria Frick) entpuppt sich schnell als Wiedergänger von "Dumm & Dümmer", zwei Doofmannsgehilfen mit überaus überschaubarer Denk-Expertise.

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Marlies Schrey (Nina Petri, l.) trifft der finale Fleischhammer.

(Foto: MDR / Steffen Junghans)

So kommt es, wie es kommen muss: Alles geht schief. Erst erwischt es das Schoßhündchen der Familie, dann trifft auch Marlies Schrey der finale Fleischhammer. Den unvermittelt Verwitweten im Auto, flüchten Zecke und Freya mit dem Plan, Schrey junior, den strebsamen Näher Max (Julius Nitschhoff), um zwei Millionen Euro zu erleichtern.

All das steht den Plänen von Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) entgegen. Die jungen Eltern wähnen ihren wie gewohnt absenten Nachwuchs in bester Obhut, Zweisamkeit ist angesagt. Als die tote Marlies Frey in einem Rapsfeld gefunden wird, entwickelt sich aus dem Tête-à-Tête jedoch ein gewohnt turbulenter Arbeitseinsatz. Während bei Zecke und Freya zügig so ziemlich alles aus dem Ruder läuft, tun sich die Kriminalen erst einmal in der Familie Schrey um. Hat der angespannte Max etwas auf dem Kerbholz? Was hat es mit seiner undurchsichtigen Verlobten Doreen (Antonia Münchow) auf sich? Und wieso findet Dorn beim kurzen Blick in einen Aktenordner der Firma ausgerechnet eine Versicherungspolice gegen Kidnapping?

Auch die Coen-Brüder würden grinsen

Autor Murmel Clausen blickt in Sachen Film- und vor allem TV-Humor auf ein pralles Portfolio. An der "Bullyparade" und "Der Schuh des Manitu" hat der Münchner ebenso mitgearbeitet wie an "Ladykracher", "Die Comedy-Falle" und "Die Gipfelzipfler". Und eben an allen bislang gesendeten Fällen des Weimarer Teams. Dass der Mann also weiß, was er mit der anarchischen Achse Dorn/Lessing so anstellen kann, ist nicht zu übersehen.

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Tschirner und Ulmen feiern mit "Der letzte Schrey" Jubiläum - es ist ihr zehnter "Tatort"-Einsatz.

(Foto: MDR / Steffen Junghans)

Die Chemie zwischen den jungen Eltern ist entsprechend prickelnd angerührt, der Fall selbst mit lockerem Händchen gestrickt und von all den kleinen und größeren Nebenschauplätzen hätte der eine oder andere ganz sicher auch die Coen-Brüder zum Grinsen gebracht. Vom tragischen Hundetod über die einfaltspinseligen Entführer bis zu Lupos (Arndt Schwering-Sohnrey) verkappten Urlaubsplänen mit Chefchen Kurt Stich (Thorsten Merten) und der Odyssee von Schrey senior mit seinen Entführern - all das hat für sich Witz, auch dank des durchweg superben Ensembles.

Kurzweiliges Krimivergnügen

Und dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass sich in Weimar das Münster-Syndrom unausweichlich festbeißt. Auf dem Grat zwischen urkomisch und hochbrutal, zwischen feinsinnig dialogisierend und prollig pöbelnd fällt die Entscheidung zunehmend schwerer: Ist das Krimi oder kann das weg? Soll das Komödie sein oder hätten's doch gern ein wenig mehr Drama?

Fast könnte man meinen, sogar Ulmen und Tschirner selbst unter der Last der Genre-Verwirrung ächzen zu sehen, verkommt das Spiel der beiden doch in manchen Szenen zum etwas abgerockten Bonmot-Bingo. Auch wenn es dem Finale dann vollends am Timing mangelt, ein kurzweiliges Krimivergnügen, dennoch - um im Handarbeitsduktus zu bleiben - zum großen Patchwork-Überwurf reicht es nicht, ein paar schicke Topflappen sind dennoch drin.

Quelle: ntv.de