"Wer wird Millionär?""Ich rufe Sie wieder an!!" Wuschiger Jauch pfuscht Kandidaten rein

Willkommen zur "Pleiten, Pech und Pannen"-Ausgabe von "Wer wird Millionär?". Günther Jauch fällt irgendwann vom Glauben ab. Er sorgt an diesem Abend persönlich für den größten Patzer. Nur ein Reset kann ihn retten: "Ich rufe Sie wieder an!!"
"Werde ich alt?", fragte sich Günther Jauch irgendwann. Klar ist: Bei dieser Ausgabe von "Wer wird Millionär?" (WWM) ging es drunter und drüber. Es fing vergleichsweise harmlos mit einem Mikrofon an, das dem Moderator vom Revers gefallen war. Die Tontechnik sorgte in der Sendung vom Montagabend für zwei weitere Zwischenfälle. Dann aber gab ein Kandidat mit leicht chaotischer Energie den Horst Schlämmer und Jauch verlor völlig den Faden.
Axel Wolf hatte es in der ersten regulären Folge von "Wer wird Millionär?" 2026 als dritter Kandidat auf den heißen Stuhl geschafft. Der Softwareentwickler hatte also zweimal hautnah miterlebt, wo die Kandidaten bei Jauch Platz nehmen. Er steuerte aber schnurstracks auf den Sitz des Moderators zu und ließ sich wie selbstverständlich nieder. Jauch spielte mit.
Kandidat sorgt für Gelächter
Ohne mit der Wimper zu zucken, nahm Jauch auf dem Kandidatenstuhl Platz. Das Gekicher aus dem Publikum irritierte Wolf, aber der Moderator fuhr ungerührt fort, den 29-Jährigen aus Winterbach in Baden-Württemberg vorzustellen. Das Gelächter nahm zu. Jauch wurde deutlicher. "Was versprechen Sie sich persönlich von dem Perspektivwechsel, den Sie jetzt bei 'Wer wird Millionär?' eingenommen haben?", fragte er.
Da fiel bei Wolf der Groschen: "Ich sitze auf dem falschen Stuhl - es hat eine Weile gedauert." Jauch nahm es ihm nicht übel und schwelgte in Erinnerungen an Horst Schlämmer. Beim Prominenten-Special zur Fußballweltmeisterschaft 2006 hatte Hape Kerkeling in seiner Paraderolle mit Jauch den Platz getauscht. "Ihr Stuhl ist viel bequemer, ich bleibe hier sitzen, ich habe es am Rücken und ich habe ein Attest dabei", erklärte Schlämmer damals.
"Hier geht ja alles durcheinander", ahnte Jauch noch nicht wirklich etwas Böses, als ein Techniker erneut sein Mikrofon richten musste. Dann aber wurde der Moderator doch misstrauisch. Wolfs Zusatzjoker wartete zunächst vergeblich auf das Mikrofon, denn das war nicht bei der Zuschauerin aus der vorherigen Runde abgeholt worden. Jauch wollte den Transfer persönlich beenden. Aber da hatte der zweite Joker doch schon ein Mikro in der Hand. "Werde ich alt?", fragte sich der Moderator.
Dann setzte Jauch dem Pannenreigen die Krone auf. Wolf zog bei der Frage für 8000 Euro seinen Telefonjoker. Nach dem üblichen Anfangsgeplänkel sagte Jauch "Sind Sie bereit? Dann probieren wir's" - und las die Frage einfach selbst vor: "Wohin war Trainer Carlo Ancelotti im Sommer von Real Madrid aus gewechselt?" Nach den ersten beiden Antwortmöglichkeiten "Seleção" und "Inter Miami" wurde das Gelächter aus dem Publikum so laut, dass Jauch stutzte und merkte: "Jetzt habe ich's vorgelesen!"
Jauch spielt einfach selber
Der "Wer wird Millionär?"-Moderator konnte sich nur fassungslos an die Stirn greifen, während der Countdown unerbittlich herunterzählte. "Heute ist ... Ich rufe Sie wieder an!!!", verabschiedete sich Jauch von dem perplexen Telefonjoker. Er habe die Frage außerdem viel zu langsam vorgelesen, übernahm Jauch die Verantwortung für die verschenkte Runde und versank kurzzeitig hinter seinem Bildschirm.
Es folgte Anlauf Nummer zwei. Jauch wollte es nur noch hinter sich bringen. "Es kommt noch mal die Frage offiziell. War ein kleiner technischer Defekt. Also Achtung, los geht's", bereitete er den Joker vor. Dessen Antwort war aber plötzlich wegen einer gestörten Leitung nicht zu verstehen. Erst beim letzten Nachfragen vor Ende der Zeit drang sein "Brasilien!" durch. Wolf ignorierte das nachgeschobene "Aber" seines Kumpels und loggte die korrekte Antwort ein. Der Kandidat behielt trotz des Pleitereigens die Nerven und sicherte sich 16.000 Euro. "Sie haben heute hier irgendwie den Laden so aufgemischt - alle sind ein wenig wuschig, alle!", verabschiedete sich Jauch.
Mit beeindruckender Zielstrebigkeit hatte zu Beginn der Sendung Claudia Koch 125.000 Euro geholt. Die Personalkauffrau, die ihr Eheglück mit zwei getrennten Wohnungen am Leben erhält, kam anfangs so souverän durch die Runden, dass Jauch schnell hellhörig wurde - und leicht frustriert. "Sie weiß es schon wieder, ich sehe es", klagte er, als Koch auch die 16.000-Euro-Frage ohne Joker beantworten konnte. Sie wusste, dass die Schauspieler Joe Pesci und Daniel Stern als Einbrecher in "Kevin allein zu Haus" Kultstatus erlangt haben.
Bei der Frage für 125.000 Euro konnte Koch ihren letzten Joker ziehen und der war Gold wert. Jauch wollte wissen: Was hat ein gewisser Rudolf Kunzmann 1956 als Erster in Flaschen abgefüllt und bekam dafür prompt einen Bußgeldbescheid: Glühwein, Trinkkakao, alkoholfreies Bier, Cola? Ein Lehramtsstudent im Publikum bot sich als einziger Zuschauer als Zusatzjoker an und hatte schon einmal gehört, dass es für den ersten Glühwein eine Strafe gegeben hatte.
Ein Ruck geht durch WWM
Koch war nicht vollständig überzeugt. Sie bewies aber den Mut zum Risiko, den Jauch in letzter Zeit bei vielen Kandidaten vermisst. Sie riskierte den Absturz auf 500 Euro und konnte jubeln. "Das war mein kompletter Mut für heute Abend", winkte sie anschließend ab. Das Bußgeld hatte es damals übrigens gegeben, weil Glühwein noch nicht bekannt und Zucker als Zutat für Wein verboten war.
"Hatten wir lange nicht mehr, eine halbe Million Euro", freute sich der Moderator anschließend. Seiner Ansicht nach hätte sich die richtige Antwort logisch herleiten lassen. Die Frage lautete: Was wird hierzulande mit "2", "26" und "264" klassifiziert? Mögliche Antworten: Kiwi, Banane & Orange; Rhein, Mosel & Saar; Gold, Silber & Platin oder Sonne, Erde & Mond. Nachdem Koch sofort ausgestiegen war, erklärte Jauch, dass es sich um Gewässerkennzahlen handelt. Die 2 steht für den Rhein und Mosel und Saar sind jeweils Nebenflüsse. "Der Sendungsetat ist ausgeschöpft, kommen Sie nächste Woche wieder" scherzte Jauch anschließend.
Milena Wein aus Köln konnte zumindest 32.000 Euro holen. Die Doktorandin in Anglistik bewegte sich dabei jedoch auf schwankendem Boden. Bei der 2000-Euro-Frage gingen zwei Joker drauf. In der 16.000-Euro-Runde fiel Wein glücklicherweise noch rechtzeitig auf, dass nicht die gesamte irische Insel zur Europäischen Union gehört.
Sie loggte schließlich bei der Frage nach der größten Insel, die vollständig Teil der EU ist, die korrekte Antwort "Sizilien" ein. Die Doktorandin wusste für 32.000 Euro selbst, dass der Mandela-Effekt das psychologische Phänomen beschreibt, wenn sich viele Menschen kollektiv falsch an etwas erinnern - etwa, dass der südafrikanische Freiheitskämpfer Nelson Mandela in den 1980er Jahren während seiner Inhaftierung gestorben war.
Zur Gewinnerin der besonderen Art wurde in der Sendung vom Montagabend außerdem Irmgard Bogenstahl aus Hannover. Die Zuschauerin diente Wein als Zusatzjoker und entpuppte sich als alte Freundin von "Wer wird Millionär?". 2006 hatte sie 16.000 Euro gewonnen und war 2016 ebenfalls als Zusatzjoker in Erscheinung getreten. Damit setzte Bogenstahl ihre Serie von Stippvisiten alle zehn Jahre fort. "Das Geld ist alle, ich brauch' wieder was", verkündete sie. Uwe Schmitz aus Düsseldorf kam zum Ende der Sendung bis zur 4000-Euro-Frage und steigt nächsten Montag wieder ein.