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Letzter "Tatort" aus Luzern Nobody is perfect

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Stefan Gubser (r) als Reto Flückiger tappt - noch - im Dunkeln.

(Foto: dpa)

Mit dem 17. Fall verabschieden sich Kommissar Reto Flückiger und sein Luzerner Team vom Bildschirm. "Der Elefant im Raum" versucht einiges, um es beim Ausstand der Schweizer krachen zu lassen. Wehmut will dennoch nicht aufkommen.

Eigentlich stimmt das Timing bei den Schweizern diesmal. Der Staub um Til Schweiger,  Kommissar Murot und die Augsburger Puppenkiste hat sich wieder gelegt. Da käme einer dieser niedrigtourigen Kriminalfälle der Eidgenossen doch genau richtig, um den sonntäglichen Krimi-Puls noch ein wenig weiter zu beruhigen. Wie gesagt: eigentlich. Denn der Fall um den Anschlag auf einen Raddampfer mitsamt hochrangiger Polit- und Society-Riege ist der Letzte seiner Art aus Luzern und steht damit noch einmal unter besonderer Beobachtung.

Anno 2008 war Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) zum ersten Mal in Erscheinung getreten. Im Konstanzer Fall "Seenot" bekam es die damalige Kommissarin, die mittlerweile ebenfalls frühpensionierte Klara Blum (Eva Mattes), mit dem Schweizer Kollegen zu tun. Ab 2011 zückte Flückiger hauptverantwortlich seine Dienstmarke, vom zweiten Fall an, "Skalpell" (2012), gemeinsam mit Kollegin Liz Ritschard (Delia Meyer).

So richtig leidenschaftlich geriet die Beziehung zwischen dem "Tatort"-Publikum, insbesondere dem deutschen, und den eidgenössischen Ermittlern nur selten. Die Fälle hatten oft Reißbrett-Charakter, die Figuren waren reihenweise bieder, zudem stellte sich die deutsche Synchronisation häufig als hörbares Hindernis zwischen Zuschauer und Cast. Eine der wenigen Ausnahmen: "Die Musik stirbt zuletzt" aus dem Sommer 2018, ein überaus gelungenes Echtzeit-Experiment, das ohne einen einzigen Schnitt auskam, dafür aber jede Menge Spannung lieferte. 9 von 10 Punkten vergab n-tv.de Autor Julian Vetten: "Einen besseren Auftakt der "Tatort"-Saison hätte man sich kaum wünschen können", lautete sein damaliges Fazit.

Feuer, fast Michelle Pfeiffer und Tiermasken

Ähnlich euphorische Sätze wird es über das Flückiger-Farewell eher nicht zu lesen geben, dabei kann man Regisseur Tom Gerber und seinem Autoren-Duo Felix Benesch und Mats Frey kaum den Vorwurf machen, sich nicht reingehängt zu haben, im Gegenteil: Es gibt Tiermasken und Explosionen, miese Businesstypen und ölige Online-Rechercheure, verblendete Öko-Aktivisten und tote Informanten, dazu eine Journalistin, die wie Michelle Pfeiffer gucken kann und als Krönung - dezenter Spoiler-Alert an dieser Stelle - einiges an Rauch und Explosionen.

Das Problem wie so oft: Nur weil die einzelnen Zutaten irgendwie pikant sind, muss der Eintopf noch längst nicht schmecken. Allein durch die Tatsache, dass Flückiger sich rein zufällig genau dort befindet - an Bord eines stimmungsvollen Raddampfers auf dem Vierwaldstätter See - wo sich das Verbrechen ereignet, sticht sich "Der Elefant im Raum" mit dem Rüssel schon selbst ins Auge. Von so einer konstruierten Volte zu Beginn eines Krimis erholt sich der Plot nur selten. Das ist auch diesmal der Fall, und das nicht nur, weil Kollegin Ritschard die ganze Zeit hustend und schnupfend durchs Bild schleicht, wo sie doch viel eher ins Bett gehörte.

Die Figuren mit ihren plakativen Sätzen könnten aus Krimi-Hörspielen für Grundschüler stammen, alles verharrt in seinem Stereotyp. In kurzen Formulierungen gibt es Statements vom Reißbrett, in längeren Sätzen wird immerzu erklärt, das Offenkundige regelmäßig noch einmal erläutert. Allein wie Team-Assistentin Corinna Haas (Fabienne Hadorn) dem guten Flückiger zuraunt, das Handy sei wohl ausgeschaltet worden, "damit man es nicht orten kann" - das hat fast komödiantische Qualität. "Den Figuren habe Fleisch gefehlt", so hatte Stefan Gubser einem Interview das bevorstehende Ende seines "Tatort"-Engagements kommentiert. Für ihn persönlich wird der Ausstand - vielleicht tröstet das den sympathischen Schweizer - eine überaus körperliche Angelegenheit. Abschiedstränen gibt es wohl dennoch nicht, auch wenn die Schlusspointe sich charmant Richtung Billy Wilder verneigt. Salü, Reto und Liz, vielleicht sieht man sich mal in Zürich wieder. Dort geht es ab 2020 mit neuem Team weiter.

Quelle: ntv.de

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