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Mächtig was los "Polizeiruf 110 - Der Tag wird kommen"

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Charly Hübner als Kommissar Bukow im letzten "Polizeiruf" vor der Sommerpause.

(Foto: Christine Schroeder/NDR/ARD/dpa )

Als Katrin König einer jungen Frau helfen will, gerät sie selbst zwischen die Fronten. Kurze Zeit später wacht sie mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus auf, die Frau wird tot aufgefunden. Königs seelische Krise spitzt sich weiter zu, nur Bukow scheint ihr noch helfen zu können.

Es hatte sich zuletzt abgezeichnet, Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Katrin König (Anneke Kim Sarnau) kann die Gespenster der Vergangenheit einfach nicht abschütteln. Der Fall um den Mörder Guido Wachs (Peter Trabner), dem König und Kollege Alexander Bukow (Charly Hübner) einen weiteren Mord unterschoben, um ihn nur ja unschädlich zu machen und hinter Gitter zu bringen, verfolgt sie bis in den unruhigen Schlaf. Weder ihre körperlichen Wunden noch die seelischen Narben wollen verheilen, Salben und Pillen sorgen da nur für temporäre Verbesserung.

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Katrin König ist am Ende; Sascha Bukow ist bestürzt.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Ein wenig Entspannung findet König nur bei den morgendlichen Joggingrunden, aber auch damit ist es jetzt vorbei. Als sie während ihres Laufs am Rostocker Hafenbecken Zeuge wird, wie eine junge Frau von zwei Männern belästigt wird, geht sie dazwischen. Doch die Typen gehen rabiat zu Werke und schlagen König bewusstlos. Kaum ist sie im Krankenhaus aus der Ohnmacht erwacht, ruft der nächste Fall - und der liegt Katrin König näher, als ihr lieb ist. Die Frau, die auf einer Trage an ihr vorbeigeschoben wird, ist jene Frau vom Hafen, Nadja Flemming (Xenia Rahn), und die erliegt wenig später ihren Stichverletzungen.

Der Verdacht fällt auf Roman (Anton Weil) und seinen Kumpel Mike (Florian Kroop). Mithilfe der Obdachlosen Erna (Rike Eckermann) sind die Schläger ausfindig gemacht worden, aber die beiden leugnen die Tat. Weitere Verdachtsmomente ergeben sich, als König und Bukow den Ex-Mann der Ermordeten, Klaus Flemming (Helgi Schmid), aufsuchen, der mit seiner neuen Partnerin den Sohn aus erster Ehe großzieht. Greifbares lässt sich aber auch hier nicht finden. Ohnehin ist der Mordfall nur eine von diversen Baustellen in diesem letzten "Polizeiruf 110" vor der Sommerpause.

Alles in Bewegung

Da ist Kollege Pöschel (Andreas Guenther), der sich mächtig ins Zeug legt und mit der Leitung der Anti-Drogen-Einheit liebäugelt. Unterwelt-Größe Tito (Alexandru Cirneala) ist back in town und heizt die Szene mit der neuen Droge Carfentanyl an. Von ihm aus gibt es eine Verbindung zu Bukows Vater (Klaus Manchen), dem wiederum beim gemeinsamen Essen mit Sohnemann eine Broschüre über Chemotherapie aus der Tasche fällt.

Mächtig was los in "Der Tag wird kommen", so der Titel der von Florian Oeller ersonnenen und von Eoin Moore in Szene gesetzten Rostocker Episode. Alles ist in Bewegung, ständig wechseln die Perspektive, zudem arbeitet Kameramann Andreas Höfer mit einer Makrolinse, die insbesondere die psychotischen Szenen mit Katrin König - und von denen gibt es einige - ganz besonders wirkungsstark aussehen lassen. Als Krönung des Ganzen feiert Guido Wachs ein Comeback als Hannibal Lecter light, manipuliert Katrin König bei ihren Besuchen im Gefängnis und hat noch einen weiteren tödlichen Trumpf im Ärmel, von dem an dieser Stelle jedoch nichts verraten werden soll.

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"Auf der Hälfte des Buches war ich schon voll im Rausch", erzählt Regisseur Eoin Moore im Interview. "Als ich gesehen habe, was da alles für tolle Sachen passieren mit den Figuren, die für mich ja quasi wie Familie sind, dachte ich, da möchte ich gern dabei sein." Ein Glücksfall, dass Moore es versteht, die vielen verschiedenen Schauplätze kompakt miteinander zu verbinden, gekonnt zwischen den klaustrophobischen Schüben Königs, dem Gefühlsleben Bukows und den diversen Sub-Plots zu wechseln, dabei die Spannung konsequent hochhält.

Schauspielerisch ohnehin chronisch auf Topniveau, legt Anneke Kim Sarnau hier noch eine Schippe drauf und zeigt eine ihrer großartigsten Vorstellungen, macht den Wahnsinn, wie er immer mehr von ihr Besitz ergreift, in jeder Geste, jedem Blick, jedem Gesichtsausdruck spürbar. Dass Florian Oeller in seinem Script noch einiges an mörderischen und hochemotionalen Pointen parat hält, rundet diesen Fall ab - ein einziger 90 Minuten langer Cliffhanger, wie gemacht für den hochintensiven Abschied in die großen Ferien.

Quelle: ntv.de