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"Der letzte Schrey" Der Weimarer "Tatort" im Schnellcheck

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Lessing (Christian Ulmen, M.) und Dorn (Nora Tschirner) bewegen sich zwischen Krimi und Klamauk.

(Foto: MDR / Steffen Junghans)

Die Eheleute Schrey, Besitzer einer Strickwarenfirma, werden entführt, kurze Zeit später ist einer der beiden tot. Für Lessing und Dorn beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, besonders eilig haben sie es jedoch nicht. Der rote Faden ist beim zehnten Fall des Duos nur mäßig vernäht.

Das Szenario

Ach, wenn doch nur alles so einfach wäre wie im Kino: Man schnappt sich ein paar Industrielle mit ordentlich Zaster, jagt die Erpresserstimme durch einen schicken Vocoder, bestimmt die Höhe des Lösegeldes, dazu ein verzwicktes Übergabe-Prozedere, schwupps, ist man um zwei Millionen reicher und verprasst den Mammon anschließend unter südländischer Sonne. So ähnlich haben sich das auch Zecke und Freya (Christopher Vantis & Sarah Viktoria Frick) vorgestellt, als sie in die Strickfirma der Schreys eindringen, um das Besitzer-Ehepaar zu kidnappen. Leider sind die beiden nicht eben die schärfsten Messer in der Besteckschublade, zudem machen ganz persönliche Rachegelüste die große Mission am Ende "impossible".

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Im Kern geht es um eine Entführung.

(Foto: MDR / Steffen Junghans)

Im Prinzip also müssten Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) den beiden zügig auf die Schliche kommen, aber dann wäre der Fall halt schon nach einer Viertelstunde vorbei. Stattdessen gibt es einiges an mal mehr, mal weniger ekligen Seitensträngen, muss Lessing ein Telefon aus der Gülle ziehen, setzt Zecke den Fleischhammer auch noch gegen die eigene Komplizin ein und verschmurgelt sich am Ende das bisschen Hirn, das er hat, an einer Starkstrom-Leitung.

Die eigentliche Botschaft

Mit Message hat man es beim doppelbödigen Klamauk in Weimar ja zumeist nicht so, hier stehen Humor und Ironie im Vordergrund. Wenn überhaupt, dann die nicht nur im Kriminalfilm bestehende, universelle Wahrheit, dass es nie eine gute Idee ist, wenn Eltern ihre Kinder im Stich lassen.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Vielleicht darüber, dass man sich mal wieder einen Coen-Klassiker im Heimkino gönnen sollte. Vorschlag aus der Redaktion: Wie wäre es mit "Ein einfacher Plan"?

Der Plausibilitätsfaktor

Siehe Botschaft, vielleicht daher nur die eine Frage: Bei der Bauernhof-Szene sind im Hintergrund sogar lange Holzstäbe und rechenartige Geräte zu sehen - warum um alles in der Welt muss Lessing denn mit der guten Manchester-Hose zwecks Beweismittel-Sicherstellung in den Tümpel voller Gülle steigen? Und wenn wir schon dabei sind: Kann es sein, dass er die Büx danach nicht einmal mehr wechselt?

Die Bewertung

6 von 10 Punkten. Die Typen sind spitze, aber beim Fall selbst werden zu viele Maschen fallen gelassen.

Quelle: ntv.de