Unterhaltung

"Tatort" aus Köln Ballauf sieht tote Menschen

Ein toter Professor, eine malende Psychiatrie-Patientin, ein undurchsichtiger Anwalt und seine schweigsame Frau – für die Kölner Kommissare wird es diesmal besonders rätselhaft, auch weil Ballauf Besuch von einer Toten bekommt.

Sie finden viele Wege, um sich bemerkbar zu machen, jene Leichen im Keller, die einfach keine Ruhe geben wollen. Morgens um drei Uhr unterbrechen sie den Schlaf, immer und immer wieder. Sie besetzen die Gedanken, sie verderben einem den Appetit oder machen Durst auf Hochprozentiges. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) kann davon ein Lied singen, sein ganz persönliches Gespenst aus der Vergangenheit taucht unvermutet auf, als wäre nichts geschehen.

Wir erinnern uns: Zum Showdown des Falles "Kaputt" hatte Ballauf seine Kollegin Melanie Sommer (Anna Brüggemann) in Notwehr erschossen. Die steht nun plötzlich am Rand des Schwimmbeckens, in dem Ballauf seine Bahnen zieht, ein anderes Mal neben ihm am Schießstand, und meldet sich mahnend aus dem Jenseits zurück.

"Ich glaub', ich werde verrückt", entfährt es ihm gegenüber Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär), der angesichts von Ballaufs mentaler Unwucht zwischen Ratlosigkeit und Ungeduld schwankt. Auch die Gespräche mit der Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) verlaufen im Nichts. Erst als Ballauf die Psychiatrie-Patientin Julia Frey (Frida-Lovisa Hamann) kennenlernt, kommt etwas Bewegung in sein Seelenleben, fühlt der Kommissar eine Verbindung zu der jungen Frau, deren Schwager, Chef der sie beherbergenden Klinik, ermordet wurde. Eine letzte SMS hatte Professor Krüger (Thomas Fehlen) kurz vor seinem Tod an Florian Weiss (Andreas Döhler) geschickt. Der Jurist ist mit Julia Freys Schwester Christiane (Franziska Junge) verheiratet, die beiden kümmern sich um ihr Baby.

Als ähnlich undurchsichtig erweist sich das Miteinander in der Psychiatrie. Da ist die karrierehungrige Ärztin Maren Koch (Adina Vetter), der linkische Pfleger Dennis (Thomas Schubert), der auf Krawall gebürstete Insasse Ringo (Konstantin Gerlach) und Elfi (Sophia Burtscher) mit ihrem Teddy. Als sich herausstellt, dass Krüger die Medikation von Julia Frey etwas eigenwillig zusammengestellt hat, tun sich erste Verdachtsmomente auf - doch die Eulen sind nicht, was sie scheinen.

Autor Christoph Wortberg hat "Gefangen" weniger als Krimi, denn als Psychogramm entworfen. Wo verlaufen die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit, wie überkommt man die vehementen Einschnitte der eigenen Biografie und wie hält man eigentlich Patienten und Gesunde auseinander?

Nun ist der seelisch angegraute Kommissar per se schon fast ein Archetypus der letzten beiden Dekaden und wieviel Seelenballast der geneigte Krimigucker seinen Sonntagsabend-Helden noch zugesteht, ist auch fraglich. Regisseurin Isa Prahl schafft dennoch eine Atmosphäre, der man sich nur schwer entziehen kann, bürdet ihrem traurigen Helden Ballauf nicht zuviel Drama auf, hat zudem mit dem Soundtrack von Volker Bertelmann und den aufgeräumten Bildern von Kameramann Moritz Anton zwei Asse im Ärmel. Beim Personal der Psychiatre mag der Pinselstrich arg dick geraten sein, auch einige Logik-Nachlässigkeiten gilt es zu tolerieren, dennoch erweist sich die Kölner "Tatort"-Filiale diesmal als durchweg einschaltungswürdig.

Quelle: ntv.de