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"Promi Big Brother" - Tag 20 Simone tappt in die Abseitsfalle

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(Foto: Sat.1)

Werner und Ikke schreiben Emmy vor, wie man sich als junge Frau zu präsentieren habe, die "Stunde der Wahrheit" endet in schallendem Gelächter und Simone echauffiert sich über Emmys Freizügigkeit. Am Ende kostet sie die Lästerei den Einzug ins Finale.

Schwupp, das war's dann plötzlich mit Simone. An Tag 20 hatte der Zuschauer die Nase voll von der Frau, die bitte nicht "Madame" genannt werden möchte. Zu viel waren die Lästereien in den letzten Tagen gegen Emmy, zu laut das Jammern über ihr Image als Ex-Spielerfrau. Obschon ich Ihnen sagen könnte, wissen'se was, liebe*r Leser*in, im Grunde brauchen Sie einfach nur nachlesen, was an Tag 19 war - hier der Überblick über die Tristesse des 20. Tages:

Belehrung des Tages: Simone nimmt sich Emmy zur Brust. Wieder die gleiche Leier: warum Emmy so rumläuft, die Simone sei schließlich auch Mutter und mache sich Sorgen. Ist die Freizügigkeit Provokation oder Hilfeschrei? Und was würde wohl Emmys Papi machen, würde er sein Töchterchen so sehen, wie sie im Bikini rumläuft ... usw. usf. Ja, Simone ist Mutter - aber nicht Emmys. Eine junge Frau darf selbst entscheiden, wie sie sich präsentiert. Da kann sich Frau Mecky-Ballack zehnmal hinter ihrem Rücken echauffieren und Sätze frotzeln wie: "Für 21 schon ganz schön abgewichst!"

Moralapostel des Tages: Ikke und Werner. Echt märchenhaft, wie sich vor allem der Ballermann-Barde erdreistet, über Emmy zu urteilen und Simone nach dem Munde redet. Katy erklärt dazu: "Drei Wochen stört Emmys Aufzug Ikke nicht, aber jetzt, drei Tage vor dem Finale, schon." Plötzlich ist da die Rede von der "Charakterschwäche" der 21-Jährigen und von ihrer angeblichen Verweigerung des Putzdienstes. Ja, ziemlich unerquickliches Gequatsche auf den letzten Poeng, aber verständlich, schließlich ist Emmy eine "starke Konkurrentin".

Nahezu ungeheuerlich aber ist es, dass da zwei alte Säcke im Märchenland rumtrollen, die einer jungen, wilden Prinzessin erklären wollen, wie sie sich gefälligst als Frau zu verhalten habe. Nur soviel: Wenn eine Frau entscheidet, sich billig zu geben, dann kann das auf Dauer gewiss nervtötend sein, aber das ist weder Werners noch Ikkes Bier, sondern ganz allein Emmys. So weit scheint die verstaubte Moral, die selbstverständlich nur bei anderen gilt, aber nicht zu reichen. Nur eine setzt sich vollends für Emmy ein: Kathy.

Lappalie des Tages: ist - man glaubt es kaum - die von Sat.1 groß angeteaserte "Stunde der Wahrheit". Endlich sollen die Bewohner erfahren, wer sich hinter ihrem Rücken über sie das Maul zerreißt. Es wird ein bisschen gehechelt und getratscht: Oh, die Emmy ist "charakterlich nicht gefestigt", hach diese "Dauergeilheit nervt". Irgendwo in der Ferne, so weit weg, dass es auch aus einem anderen Leben sein kann, hallt das Wörtchen "Bitch." Immer wieder wird zwischen Bildschirm und Bewohner geschwenkt. Die lachen sich kaputt. Und lachen und lachen und lachen. Es fallen Fragen wie: "Was, das war's? Wann kommt der Hammer?" Das will auch der Zuschauer wissen. Wo sind Katys Keifereien? Wieso werden die nicht endlich mal gezeigt? Übrig von "Stunde der Wahrheit" bleibt ein so penetrantes Gruppen-Gelächter, das selbst Schroppischropp diesen Wahnwitz parodiert. (Bester Moderatoren-Moment übrigens, falls der Jochen hier mitliest.)

Was sonst noch geschah: Ach, kieke an: Katy landet tatsächlich auch mal bei Penny. Aber selbst "Big Brother" alias "Biggi" scheint nach nunmehr 20 Tagen den Durchblick verloren zu haben. Wie auch die anderen Bewohner darf Katy zuerst einen Testlauf starten. Sie scannt Spaghetti und sagt den Namen des Produkts definitiv nicht vorher. Genauso wie es andere Bewohner auch schon gemacht haben. Während des Testlaufs wird Katy von "Biggi" nicht korrigiert, vermutlich, weil der sich nebenbei ein Bierchen vor Langeweile genehmigt und mit den Cuttern Karten spielt. Doch plötzlich heißt es: "Du musst zwei Mal Spaghetti stornieren." Darauf Katy: "Ich habe aber nur ein Mal drin". Bloß nicht wundern oder irgendwas hinterfragen! "Biggi" scheint die Regeln vermutlich zu würfeln.

Bei der Nominierung zählten die Stimmen der Männer übrigens doppelt, weil sie in so einem Märchenmatch gegen die Frauen gewannen. Werner nominiert erneut Emmy, weil die "nur vor die Kamera möchte". Darf der Senior für diesen Geistesblitz, der eiskalt aufdeckt, was Menschen dazu treibt, an einem Reality-TV-Format überhaupt teilzunehmen, zur Belohnung bitte, bitte zu Penny?

Abschließend ein paar Wörtchen zur Geschassten: Liebe Simone, du hast dich die ersten Wochen tapfer geschlagen. Du bist eine liebe Mami und selbstverständlich hast du Recht, wenn du sagst, dass es nicht okay ist, dass es immer noch heißt, Frauen, die den kompletten Haushalt allein schmeißen und alles für die Familie unterordnen, hätten keinen Fulltimejob. Und natürlich ist es asozial, wenn Piefkes eines Drecksblattes nachts vor deinem Haus rumlungern, um dein Privatleben auszuspionieren. Aber es gibt Millionen Frauen, deren Job nicht nur Haushalt und Kinder sind, sondern die tagtäglich zu einer weiteren Arbeit müssen - ihrem Beruf. Viele von ihnen haben sogar mehrere Jobs, sind alleinerziehend oder haben - jetzt in Corona-Zeiten - Probleme, die Miete pünktlich zu zahlen.

Werner fasst zusammen, was viele ZuschauerInnen während Simones Wehklage denken: "Dein Ex-Mann verdiente ein Riesen-Vermögen!" Simone führt ein privilegiertes Leben ohne finanzielle Sorgen und wurde "mit Gold zugeschissen". Aber nervige Fans, nervige Medien oder Kritiker - nein, diese Seite der Medaille findet die Simone "unfair". Darauf Werner verständnislos: "Wer die Hitze nicht verträgt, soll die Küche meiden."

Quelle: ntv.de

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