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"Polizeiruf 110" Wenn der Vater ohne den Sohne

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Nicht ihr bester Fall: Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau).

(Foto: NDR / Christine Schroeder)

In Rostock verdunkelt sich der Himmel: Zwar entspannt sich Bukow endlich einmal, dafür geht es Katrin König zunehmend schlechter. Flachmann im Schreibtisch, ein kniffliger Mord - dazu ein Fall aus der Vergangenheit, der sie einzuholen droht.

Zunächst einmal sieht alles nach einem ganz entspannten Abend aus. Alexander Bukow (Charly Hübner) sitzt an der Wasserkante, schaut versonnen in die Ferne. Er säuselt sogar noch Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) auf die Mailbox, als plötzlich ein Notruf eingeht. Ein paar Straßen weiter soll in eine Villa eingebrochen worden sein. Bukow übernimmt, ist schnell vor Ort, nach einem Einbruch sieht es jedoch nicht aus. Der Besitzer der Villa, Jungunternehmer Michael Norden (Tilman Strauß), arbeitet noch am Schreibtisch, alle Fenster sind intakt, keine Spuren von aufgebrochenen Schränken oder Türen. Fehlalarm, so scheint es. Doch gerade als Bukow sich wieder trollen will, dringen Geräusche aus der angrenzenden Garage. Als Norden das Tor öffnet, fällt Bukow ein blutüberströmter Mann entgegen und stirbt kurz darauf in seinen Armen.

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Bukow wird wegen eines Einbruchs zu Michael Norden (Tilman Strauß) gerufen.

(Foto: NDR / Christine Schroeder)

Ein überaus griffiger Auftakt, den Autor Markus Busch und Regisseur Christian von Castelberg dem "Polizeiruf"-Publikum da servieren. Leider bleibt es in der Folge nicht so kompakt. Der Tote ist ein gewisser Frank Fischer - und Michael Norden macht sich Hals über Kopf vom Acker. Die beiden kannten sich, das finden die Rostocker Ermittler zügig heraus. Norden besucht schließlich auf der Flucht einen alten Mentor, dem er partiell die Bude demoliert, als dieser sich weigert, ihm mit einer millionenschweren Finanzspritze aus dem Gröbsten herauszuhelfen. Währenddessen kommen Bukow und König nicht nur Nordens Freundin (Romina Küper) auf die Spur, sie lernen auch seine Ex, Beate Hövermann (Katharina Behrens), und deren Sohn Jon (Oskar Belton) kennen, der in einem ganz besonderen Verhältnis zu Norden steht.

Idee der Schnitzeljagd

"Es gab die Idee, so etwas wie eine Schnitzeljagd durch ein Leben und durch eine Geschichte zu erzählen. Normalerweise würde man bei einer Schnitzeljagd ja nur die Zeichen sehen und schauen, wo man als Nächstes hin muss. Dieses Prinzip haben wir aber aufgebrochen, weil wir es schöner fanden, nicht nur bei den Ermittlern zu bleiben, bei den Jägern, sondern immer wieder auch zu den anderen Figuren zu springen, um die es hier geht, zu den Menschen, die in diesen Strudel mit hineingezogen werden", so Markus Busch über die Entwicklung seiner Story. "Deshalb ist es nun keine echte Schnitzeljagd mehr, aber die Struktur, dass man relativ lange immer wieder Zeichen und Spuren findet, denen man nachgeht, und Ereignisse stattfinden, die man sich nicht erklären kann, das kam von dieser ursprünglichen Idee."

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Die Szenen mit Beate Hövermann (Katharina Behrens) und ihrem Sohn Jon (Oskar Belton) gestalten sich zäh.

(Foto: NDR / Christine Schroeder)

Was sich aus der eigentlichen Version entwickelt hätte, wird der Zuschauer wohl nicht mehr erfahren, die gewählte Variante jedoch schwächelt immer genau dann, wenn sie sich eben den Figuren zuwendet. Die Szenen mit Mutter Hövermann, die überlangen Dialoge mit ihrer einstigen Schwiegermutter, das Gespräch mit Bukow und König, Nordens dezent groteske Auseinandersetzung mit seinem einstigen Geschäftspartner, das alles gerät überaus statisch, um nicht zu sagen, zäh. Sozialstudie gut und schön, aber keine dieser Szenen bringt den Fall so richtig weiter, stattdessen einiges an Redundanzen, trübsinniges Anstarren und Stillstand.

Aus der Spur

Dabei tut sich doch auf Revierseite einiges, denn König hat nicht nur ihren Appetit auf Hochprozentiges während der Arbeitszeit entdeckt, es dräut auch Ungemach aus der Vergangenheit. Guido Wachs, ein Vergewaltiger, den sie und Bukow einst qua Falschaussage hinter Gittern gebracht hatten, meldet sich mit bedrohlichen Anrufen.

Der "Polizeiruf" aus Rostock, lange Zeit eine Klasse für sich, kommt mit "Söhne Rostocks" für den Moment etwas aus der Spur. Story-Details wie Termin-Geschäfte, Vater-Sohn-Konflikt, Alkohol und Kommunikationsprobleme werden in spannungsarm verschlagworteten Szenen ausgebreitet - das bietet zwar einiges an Atmosphäre, spannend oder fesselnd ist das auf Strecke aber leider nicht.

Quelle: ntv.de

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