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Holz-"Tatort" aus Österreich Wo gesägt wird, da sterben Menschen

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Hat keine Lust auf Kärnten: Kommissar Eisner (Harald Krassnitzer, l.)

(Foto: ARD Degeto/ORF/Graf Film/Helga R)

In einem holzverliebten Tal in Kärnten wird der hübsche Hubert ermordet und im Heizkessel seines eigenen Sägewerks entsorgt. Bei ihren Ermittlungen nehmen die extra aus Wien abkommandierten Kommissare Eisner und Fellner eine Dorfgemeinschaft auseinander, die schon lange keine mehr ist.

Wäre die Welt ein besserer Ort, wenn alle Menschen Bäume wären? Man könnte es jedenfalls meinen, wenn man den Bewohnern eines abgelegenen kärntnerischen Tals zuhört, das im neuen Wiener "Tatort" zum Ort des Verbrechens wird. Die Forstwirtschaft bestimmt dort nicht nur seit jeher das Leben der Einheimischen, sondern auch ihr Denken: "Wenn ein Baum schwach ist, versorgt ein anderer Baum ihn mit Nährstoffen. Und warum? Ein Baum allein ist noch kein Wald. Und deshalb wird auch das schwächste Glied in der Kette unterstützt."

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Hat ganze Arbeit geleistet: der Heizkessel.

(Foto: ARD Degeto/ORF/Graf Film/Helga R)

Gemeinsam statt einsam, das klingt doch erstmal nach einer ziemlich gesunden Philosophie. Blöd nur, dass das Holz unter der hübschen Borke - um mal im Bild zu bleiben - vor sich hin fault. Ob die Dörfler jemals eine eingeschworene Gemeinschaft waren, ist nicht ganz klar. Sie sind es in jedem Fall schon lange nicht mehr, weil ein mächtiger Holzunternehmer (Johannes Seilern) und sein gelackter Sohn Hubert (Christoph von Friedl) ganz eigene Vorstellungen davon haben, wie die "Unterstützung" der schwächeren Glieder in der Kette aussehen soll.

Vor allem der Filius kann mit dem Begriff "gute Sitten" eher wenig anfangen: Die kleineren Forstwirte der Region drängt er mit Geld, Knebelverträgen und Drohungen aus dem Geschäft, während er gleichzeitig mithilfe seines Charme und teuren Geschenken die Frauen des Tals reihenweise um den Finger wickelt. Von der einsamen Sekretärin des Sägewerks über eine verheiratete Holzarbeiterin bis hin zur eigenen Schwägerin, der porschefahrende Holzbaron kennt keine Skrupel. Oder besser: kannte, denn irgendjemand hat dem hübschen Hubert das Licht ausgeblasen und ihn im Heizkessel seines eigenen Sägewerks entsorgt.

Klassisch angelegte Mördersuche

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Der Seniorchef des Sägewerks (Johannes Seilern, l.) ist ein Despot mit schwacher Pumpe.

(Foto: ARD Degeto/ORF/Graf Film/Helga R)

Die Kommissare Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser), extra aus Wien abkommandiert, werden bei ihrer Ankunft im Schatten des Großglockners mit einem bunten Strauß an Mordmotiven und ebenso vielen Verdächtigen konfrontiert: War es der überengagierte und wegen Körperverletzung vorbestrafte Naturschützer? Oder doch eine von Huberts vielen Geliebten? War es vielleicht einer der gehörnten Ehemänner? Oder am Ende sogar ein klassischer Brudermord á la Kain und Abel? Und was hat Eisners alter Kollege Alois Feinig (Karl Fischer) eigentlich mit der ganzen Sache zu tun?

"Baum fällt" ist eine klassisch angelegte Mördersuche ohne große Schnörkeleien. Dass der Fall ebenso rustikal daherkommt wie die hölzernen Stuben der Talbewohner, tut der Spannung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Die Hatz hält ihre Spannung von Minute eins bis zum Ende des Films. Und dunkle Geheimnisse inmitten idyllischer Landschaft, das funktioniert ja bekanntermaßen ganz wunderbar - nicht nur in Österreich, dort aber aus unerfindlichen Gründen ganz besonders gut.

Wir hätten an dieser Stelle gerne noch ein Wortspiel gebracht, das sich geradezu aufdrängt, aber dafür sind die schauspielerischen Leistungen der Darsteller einfach nicht hölzern genug. Ups, jetzt ist es doch noch passiert - ein sicheres Zeichen dafür, langsam zum Ende zu kommen, sonst droht niveautechnischer Kahlschlag. Deshalb nur so viel: "Baum fällt" ist ein forstliches Vergnügen für Fans klassischer Krimis - und eine sichere (Holz)Bank für alle anderen.

Quelle: n-tv.de