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Schifffahrt als Krisenseismograf "Wir sind auf Seefahrer angewiesen"

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"Die Lieferketten werden sich nicht über Nacht ändern", warnt Hapag-Lloyd-Vorstand Maximilian Rothkopf.

(Foto: picture alliance/dpa)

In den vergangenen Monate liegt zeitweise jedes zehnte Containerschiff der Hamburger Reederei Hapag Lloyd still. Fatal, denn die Lieferketten brauchen die Verkehrswege über die Ozeane. Inzwischen gibt es Hoffnung.

Die Weltmeere sind der Blutkreislauf unserer Wirtschaft: 90 Prozent des Handels laufen über die Ozeane. Die Schifffahrt ist deshalb ein guter Seismograf für die Krise - je nachdem, wie viele Container irgendwo beladen und verschifft werden, wird auch produziert, bestellt und exportiert. Und hier sind die Signale ermutigend.

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Maximilian Rothkopf ist seit Mai 2019 im Vorstand der Hapag-Lloyd AG.

(Foto: Hapag-Lloyd)

"Wir sehen wieder mehr Beschäftigung für unsere Schiffe und fast alle sind in Betrieb", sagte Maximilian Rothkopf, der als Chief Operation Officer für Hapag-Lloyd die operative Verantwortung für das weltweite Schifffahrtsgeschäft hat, im Podcast "Die Stunde Null". "Auch wenn die Krise lange nicht vorbei ist."

Die vergangenen Monate waren für die Hamburger Reederei extrem herausfordernd, sagte Rothkopf. Routen wurden zusammengelegt, geändert oder gestrichen, Kapazitäten heruntergefahren. Zeitweise fuhr etwa jedes zehnte Containerschiff der weltweiten Flotte nicht. "Teilweise haben sich ganze Verkehrsströme über Nacht geändert", berichtete Rothkopf, der mit gerade mal 40 Jahren im Vorstand von Hapag-Lloyd sitzt. Trotzdem sei die Versorgung immer aufrechterhalten worden. Auch zur Hochzeit der Krise hat die Supply Chain sehr gut funktioniert: "Die Häfen waren offen, die Schiffe sind gefahren. Am Ende des Tages sind die Warenströme nie zum Erliegen gekommen."

Hapag-Lloyd ist die fünftgrößte Reederei der Welt und die letzte deutsche von Weltrang: Die Hanseaten steuern 239 Containerschiffe, fahren normalerweise 600 Häfen auf allen Kontinenten an. Die Reederei, deren Wurzeln auf das Jahr 1847 zurückgehen, hat 11.000 Mitarbeiter an Land und 2000 zu See in rund 130 Ländern.

Die Zahlen, die Hapag-Lloyd vor wenige Tagen präsentiert hat, waren überraschend gut. Die Transportvolumina gingen zwar zurück, der Umsatz aber blieb stabil bei 6,4 Milliarden Euro. Seit Jahresbeginn stieg unter anderem dank strenger Kostenmaßnahmen das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um knapp ein Drittel auf 511 Millionen Euro. In der Krise hatte Hapag-Lloyd rund 98 Prozent seiner Mitarbeiter an Land im Homeoffice.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null", wie sich die Routen und Lieferketten neu sortieren, warum die Seeleute zeitweise jeden Mittag in den Höfen ihr Horn ertönen ließen - und warum manche Schiffe in der Krise nicht mehr durch den Suez-Kanal fuhren. Den Podcast gibt direkt bei Audio Now, bei Apple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de, ddi