Technik

Transfer in jede Richtung Das "Spiel zum Film"

Mit quietschenden Reifen brettert Doc Hudson um die Kurve. "So stelle ich mir ein Rennen vor!", brummt der alte Straßenkreuzer zufrieden. Jetzt wären eigentlich Lacher aus dem Publikum fällig. Doch dies ist nicht der Kino-Hit "Cars", sondern das gleichnamige Videospiel. Immer öfter kommen Filme und Titel für den PC oder die verschiedenen Konsolen im Doppelpack auf den Markt. Neu ist diese Kombination allerdings nicht -und sie hat neben großen Erfolgen auch schon zu großen Flops geführt.

Das "Spiel zum Film" gibt es schon, seit es überhaupt Videospiele gibt, sagt Stephan Slabihoud aus Bottrop. Er beschäftigt sich auf der Webseite "www.8bit-museum.de" vor allem mit den Anfängen des Genres. "Das ging in den frühen Achtzigern mit den Automatenspielen los." Zu diesen zählte Nintendos "Donkey Kong": Der Titel rund um den Gorilla, der eine Frau gefangen hält, war vom Kinoklassiker "King Kong" inspiriert. Das Filmunternehmen Universal wollte das nicht hinnehmen, strengte eine Urheberrechtsklage an - und unterlag.

Die meisten Umsetzungen für die Spielautomaten oder Heimcomputer entstanden allerdings mit voller Unterstützung aus Hollywood: "Die Studios haben das früher oft genutzt, um ihre Lizenzen zu verkaufen", sagt Guido Alt von Sony Computer Entertainment in Neu-Isenburg bei Frankfurt/Main. Umgekehrt waren die Spieleentwickler immer wieder scharf darauf, Filmhelden zu den Hauptfiguren ihrer Titel zu machen.

Die Ergebnisse, die dabei herauskamen, waren aber oft bescheiden: "Diese Art von Umsetzungen waren in 90 Prozent der Fälle Flops", sagt Stephan Slabihoud - sowohl spieltechnisch als auch kommerziell. "Meistens hat es am Spielprinzip gehakt." Das sehen heute auch Branchenvertreter so: Vielen der Spiele habe es an Qualität gemangelt, sagt zum Beispiel Paul Ashcroft vom Hersteller THQ mit Deutschlandsitz in Krefeld, der jüngst die "Cars"-Umsetzung für sämtliche Spieleplattformen veröffentlicht hat.

Ein Beispiel für die frühen Flops ist "E.T.": In der Erwartung, mit der Umsetzung des Kino-Hits einen Hit zu landen, ließ Atari 1981 Millionen von "E.T."-Modulen für die Konsole "2600" herstellen. "Aber das Spiel war eine Katastrophe", sagt Slabihoud. Dieser Meinung waren auch die potenziellen Käufer, und Atari blieb auf dem größten Teil der Auflage sitzen. "Diese Module sollen irgendwo in einer Wüste verbuddelt worden sein", erzählt Andr Horn, Chefredakteur der in München erscheinenden Zeitschrift "GamePro".

Auch Filme, die auf Videospielen basieren, gibt es nicht erst, seit Angelina Jolie 2001 auf der Leinwand in die Rolle der Pixel-Archäologin Lara Croft schlüpfte. Und ebenso wie das "Spiel zum Film", ist auch der "Film zum Spiel" kein garantierter Erfolg: "Anfang der Neunziger gab es mal eine Realverfilmung von "Super Mario Bros." mit Bob Hoskins in der Hauptrolle -das war ein kompletter Reinfall", erzählt Andr Horn.

Mittlerweile gibt es aber auch eine immer länger werdende Reihe von Beispielen, in denen der Transfer vom Film zum Spiel oder umgekehrt funktioniert. Andr Horn von "GamePro" fallen aus der jüngsten Vergangenheit spontan die Spiele zu den Leinwandhits "King Kong" und "Herr der Ringe" ein. "Man achtet jetzt mehr auf das Spielprinzip", bestätigt Stephan Slabihoud.

Die Tatsache, dass Spiele- und Filmproduzenten immer öfter Hand in Hand arbeiten, hat laut Horn eine einfache Ursache: Ihre Arbeitsweisen ähneln sich zunehmend: "Wenn man für einen Film wie "Spiderman" die Animationen macht, liegt es nahe, sie auch für ein Computerspiel zu verwenden." Immer wieder werden bei Filmdrehs mit Hilfe von Sensoren die Bewegungen der Schauspieler aufgezeichnet. "Das Spiel dazu wird dann auf der Basis dieser Daten animiert", sagt Andr Horn.

"Motion Capture" nennt sich das Verfahren. Genutzt wurde es etwa für das Spiel zur in Echtzeit ablaufenden Fernsehserie "24" mit Kiefer Sutherland, das 2006 für die Playstation 2 erschienen ist. "Es ist als Brücke zwischen der zweiten und der dritten Staffel der Serie angelegt", erklärt Guido Alt vom Publisher Sony. Sutherland dürfte nichts dagegen gehabt haben, dass seine Bewegungen dafür aufgezeichnet wurden: "Computerspiele sind für Schauspieler ein gutes Vehikel, um den eigenen Marktwert zu steigern", sagt Horn.

Doc Hudson, dem alten Straßenkreuzer aus "Cars", kann der eigene Marktwert egal sein. Schließlich steckt zwar jede Menge Leben in ihm, aber ein Star aus Fleisch und Blut ist er freilich nicht. Das gilt auch für eine ganze Schar von Wesen, die derzeit nicht nur auf den Leinwänden für Furore sorgen -für die Pinguine aus dem Warner-Bros.-Film "Happy Feet". Das gleichnamige Spiel von Midway kam quasi zeitgleich mit dem Filmstart in den Handel -für alle Plattformen.

Von Florian Oertel, dpa

Quelle: ntv.de