Panorama
Samstag, 22. Mai 2010

Hochwasser-Gefahr: Brandenburg löst Alarm aus

Acht Zentimeter gestiegen ist die Oder bei Stützkow - ein Anlass, um Alarmstufe eins auszulösen. Die Schifffahrt läuft noch ohne Probleme. Dagegen brach im polnischen Breslau ein Deich, eine ganze Wohnsiedlung wurde überflutet.

Helfer stapeln vorsorglich Sandsäcke an einer Straße in Frankfurt an der Oder.
Helfer stapeln vorsorglich Sandsäcke an einer Straße in Frankfurt an der Oder.(Foto: dpa)

In Brandenburg ist wegen der aus Polen anrollenden Hochwasserwelle am Grenzfluss Oder die erste von vier Alarmstufen ausgelöst worden. Der Pegel bei Stützkow sei über Nacht acht Zentimeter über den Richtwert gestiegen, sagte ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums in Frankfurt an der Oder. Stützkow liegt in einem dünn besiedelten Gebiet am Rande des Nationalparks Unteres Odertal etwa 15 Kilometer südlich von Schwedt. Dort wird bei weiter steigenden Pegeln die Flutung eines großen Polders vorbereitet. Bei einer gezielten Öffnung von Deichtoren würde ein Teil des Hochwassers zur Entlastung der Deiche auf dafür vorgesehene Wiesen der Oderaue fließen.

Bei Ratzdorf, dem Ort des Übertritts der Oder aus Polen nach Deutschland, befand sich der Pegel nach Angaben des Hochwassermeldezentrums noch 28 Zentimeter unter der ersten Warnstufe. Damit stieg das Wasser dort seit Freitag um elf Zentimeter.

Die Schifffahrt auf der Oder war zunächst nicht eingeschränkt. Die Behörden rechnen damit, dass der Höhepunkt der Hochwasserwelle am Mittwoch oder Donnerstag deutsches Gebiet erreicht und dann Alarmstufe drei ausgelöst wird. Da alle Deiche nach der Oderflut von 1997 mit Millionenaufwand grunderneuert wurden, rechnen die Behörden in diesem Jahr nicht mit großflächigen Überschwemmungen.

Deichbruch in Breslau

Dramatischer sieht die Hochwasser-Situation in Breslau aus.
Dramatischer sieht die Hochwasser-Situation in Breslau aus.(Foto: dpa)

Derweil hat das Hochwasser auf der Oder zu einem Dammbruch in Breslau im polnischen Niederschlesien geführt. Das Wasser habe einen Deich an zwei Stellen durchbrochen, die Wohnsiedlung Kozanow sei überflutet worden, sagte ein Feuerwehrsprecher dem Fernsehsender TVN24. Ein Gebiet von zehn Hektar mit mehreren Häusern stehe unter Wasser. Die Feuerwehr und freiwillige Helfer versuchten, den Riss zu stopfen. Die Einwohner wurden aufgefordert, das bedrohte Gebiet zu verlassen. Kozanow hatte während der Jahrhundertflut 1997 besonders stark gelitten. Durch die Stadt fließt seit dem Morgen der Hochwasserscheitel der Oder.

Auch auf der Weichsel südlich von Warschau hatte es am Freitagabend Deichbrüche gegeben. Hunderte Menschen mussten evakuiert werden. Die Feuerwehr setzte Hubschrauber ein, um durch Wassermassen eingekreiste Menschen zu retten. In Warschau selbst blieb dagegen am am Nachmittag die Lage unter Kontrolle. Innenminister Jerzy Miller warnte vor einer neuen Regenwelle im Süden des Landes. Nach ersten Wetterprognosen sei mit heftigen Niederschlägen ab Donnerstag zu rechnen, sagte Miller. Genauere Informationen sollen aber erst Anfang der Woche bekannt sein.

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Quelle: n-tv.de