Panorama

Chef des Paul-Ehrlich-Instituts Cichutek: Impfstoff noch 2020 möglich

Viele Impfstoffkandidaten befinden sich derzeit auf der Zielgeraden. Nun schließt das Paul-Ehrlich-Institut erste Zulassungen noch in diesem Jahr nicht mehr aus. Gleichwohl soll es an der Sicherheit keine Abstriche geben. Auch nach der Zulassung werden weiter Daten gesammelt.

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, rechnet Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres mit der Zulassung von Corona-Impfstoffen. Derzeit befänden sich neun Impfstoffkandidaten in der abschließenden klinischen Phase III, sagte er ntv. "Hinsichtlich des Zulassungsverfahrens bin ich sehr optimistisch. Wir werden alles tun, das Zulassungsverfahren möglichst konstruktiv und mit der notwendigen Sorgfalt durchzuführen. Aber auch die entsprechende Geschwindigkeit dabei zu haben." Zwar sei der Zeitraum Spekulation, "aber rechnen wir mal Ende diesen Jahres, mit Beginn des nächsten Jahres mit den ersten Zulassungen".

Dann sei das Robert-Koch-Institut am Zug, um für Deutschland eine Priorisierung vorzunehmen. Die dortigen Experten müssen entscheiden, welche Bevölkerungsgruppen zuerst geimpft werden. "Ich nehme an, dass noch einige Monate im nächsten Jahr ins Land gehen, bis wir von flächendeckender Verfügbarkeit reden", sagte Cichutek weiter. "Weltweit kann das den größten Teil des nächsten Jahres, wenn nicht das gesamte nächste Jahr in Anspruch nehmen."

Der Institutschef rechnet damit, dass es in Deutschland eine große Bereitschaft gibt, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. "Ich glaube, dass die Menschen einen großen Bedarf an Impfstoffen sehen. Wir sehen das im Paul-Ehrlich-Institut daran, dass wir bereits beim Beginn erster klinischer Prüfungen sehr viele Anfragen hatten über Freiwillige, die gerne hätten teilnehmen wollen an den ersten klinischen Prüfungen." Außerdem seien die Folgen einer Corona-Infektion den Menschen sehr präsent. Man wisse, dass Covid19 schwer krank machen und sogar zum Tod führen könne. Bei anderen Infektionskrankheiten hapere es daran, dass die Menschen die Grausamkeiten der Krankheiten gar nicht mehr kennen.

Zugleich versicherte Cichutek, dass das Institut bei der Zulassung des neuen Impfstoffs dieselbe Sorgfalt walten lassen wie sonst auch. "Da werden keine Abstriche gemacht." Man werde bei der Zulassung erste Wirksamkeitsdaten haben, auch Informationen über mittelfristige Sicherheiten. Ein vollständiges Bild aber "wird sich erst nach der Einführung der Impfung im breiten Maßstab ergeben". Deswegen sei es "wahrscheinlich, dass wir zu einer Zulassung mit Auflagen greifen müssen, um dann weitere Daten noch während der Einführung der Impfung zu erheben".

Quelle: ntv.de, dst/jwu