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Feuer durch Glas, Kippen, Autos?Das ist an den Waldbrandmythen dran

17.08.2026, 16:19 Uhr Max-01Von Max Patzig
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Glas kann unter Umständen Waldbrände auslösen, jedoch nicht das einer handelsüblichen Flasche. Dafür braucht es besonderes Brennglas. (Foto: picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Press Wire)

Immer wieder kommt es zu heftigen Waldbränden. Auch deutsche Wälder stehen zunehmend in Flammen. Wie kommt es zu den verheerenden Feuern? ntv.de nimmt gängige Mythen unter die Lupe.

Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen hat am Wochenende mit einer Theorie zur Entstehung des Waldbrandes in Hürtgenwald für Aufsehen gesorgt. Die CDU-Politikerin sagte im Deutschlandfunk, eine "weggeworfene Kippe" oder zurückgelassenes Glas würden reichen, um ein Feuer auszulösen. Doch was ist dran, an der Theorie mit der zerbrochenen Glasflasche, die achtlos im Wald liegengelassen worden sein könnte und plötzlich einen verheerenden Brand auslöst?

Schon im Jahr 2006 hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) dies nachgestellt - unter optimalen Brandbedingungen, die "in der Natur so gut wie nie anzutreffen" wären. Die Experten haben farblose Glasscherben verwendet, "die das Licht am stärksten fokussierten". Diese wurden "in einer Entfernung über der Streu montiert, die der Brennweite der Glasscherben entsprach. So wurde die Lichtkonzentration maximiert." Das Ergebnis: "Glasscherben - die das Licht noch so stark bündelten - schafften es nicht, unter sommerlich-trockenen Witterungsbedingungen lufttrockene Streumaterialien zu entzünden", teilt der Wetterdienst mit.

Gewöhnliches Glas als Brandauslöser ist seit Jahren wissenschaftlich widerlegt, sagt auch der Deutsche Feuerwehrverband. Was tatsächlich einen Waldbrand entfachen könnte, ist geschliffenes Glas, wie es in Lupen und anderen Vergrößerungsgläsern der Fall ist. Die konvex geschliffene Linse, auch Brennglas genannt, kann das einfallende Sonnenlicht so stark verdichten, dass die Zündtemperatur von trockenem Gras beispielsweise überschritten wird und brennbares Material Feuer fängt. Solche Gläser liegen in der Regel jedoch nicht im Wald. Es handelt sich eher um Getränkeflaschen oder hin und wieder ein Brillenglas.

Zigaretten fackeln Hunderte Hektar ab

Eine andere These als weggeworfenes Glas stellte NRW-Innenminister Herbert Reul auf. "Das Feuer ist entstanden durch irgendeinen Idioten, irgendein Idiot hat das Feuer verursacht", sagte der CDU-Politiker. Und weiter: "Darum muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen. Das ist das eigentliche Problem." Reul konkretisierte seine Aussage nicht weiter. Mutmaßlich zielte er wie schon Gorißen auf achtlos entsorgte Zigarettenstummel ab.

Anders als bei Glasaussagen ist hier etwas Wahres dran: Noch glimmende Zigarettenreste können Gräser, Nadeln, Blätter oder auch trockenes Unterholz entzünden. "Kippen können Feuer und Waldbrände auslösen", sagt die Alte Feuerwache Köln. "2017 löste eine Kippe einen Brand von 800 Hektar Wald in Frankreich aus, 2018 kam es in den USA zu einem Waldbrand von 600 Hektar", nennt die soziokulturelle Einrichtung zwei extreme Beispiele.

Problematisch sind zudem Einweggrills und Lagerfeuer. Teilweise werden diese unbeachtet abbrennen gelassen, während die Verantwortlichen auf ihren Wandertouren durch die Wälder weiterziehen. Wenn das Feuer aufgrund von Wind oder Funkenflug auf Bäume oder Büsche übergreift, ist niemand mehr in der Nähe, der es löschen könnte.

Doch das Feuer muss nicht nur weitergetragen werden, damit ein großer Brand entsteht. Schon die Hitze eines glühenden Einweggrills auf dem Boden reiche aus: "Trockene Vegetation, Laub oder Waldboden können sich dadurch entzünden und aus einer vermeintlich harmlosen Grillaktion kann innerhalb kürzester Zeit ein Waldbrand entstehen", erklärt die Feuerwehr Hünstetten kürzlich auf Facebook.

Können Autos Waldbrände entfachen?

Ein weiterer Auslöser für Waldbrände sind Autos und Motorräder. Katalysatoren befinden sich am Unterboden der Fahrzeuge und können sich auf mehrere Hundert Grad erhitzen. Gräser oder Laub könnten bei Berührung des Bauteils in Brand geraten.

Trockenes Gras entzündet sich ab 300 Grad, die Katalysatoren sind nach wenigen Minuten Fahrzeit schon 800 Grad heiß, informiert der Auto Club Europa (ACE). "Grundsätzlich können alle Fahrzeuge mit Katalysator einen Brand entfachen, wenn sie auf trockenem, brennbarem Untergrund abgestellt werden. Das betrifft sowohl Benziner als auch Diesel mit Oxi-Kat (Oxidationskatalysator)", so der Autoclub.

Gefährlich werden auch die Bremsen von Zügen. Vor allem im Güterzugverkehr kommt es hin und wieder vor, dass diese feststehen. Dann fliegen Funken, die Böschungsbrände entfachen. Diese können auf angrenzende Wälder übergreifen. Für Feuerwehrleute ist es oft schwer, die Flammen rasch einzudämmen, weil es einige Zeit dauert, an den Unglücksort zu gelangen und diesen gefahrlos zu betreten.

Das sagt die Statistik

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) dokumentiert Waldbrandfälle und versucht, wo immer möglich, die Ursache zu erfassen. Am häufigsten (46,3 Prozent aller Waldbrände in Deutschland im Jahr 2025) war der Grund des Feuers jedoch nicht benennbar. In 27,2 Prozent der Fälle gingen die Brände auf Fahrlässigkeit zurück. Fast jedes fünfte Feuer (19,3 Prozent) wurde der Statistik zufolge mutwillig gelegt. 2,2 Prozent führt die Bundesanstalt auf natürliche Ursachen zurück. Die übrigen 5 Prozent werden als "sonstige handlungsbedingte Einwirkungen" geführt.

Die verschiedenen Möglichkeiten der Fahrlässigkeit werden von der BLE weiter aufgeschlüsselt: Fast jeder zweite fahrlässig verursachte Waldbrand (46,4 Prozent) war auf Camper, Kinder und andere Besucher zurückzuführen. 7,8 Prozent entfielen auf Holzernte und andere forstwirtschaftliche Arbeiten, während 4,4 Prozent auf die Landwirtschaft entfielen. 1,9 Prozent der fahrlässigen Waldbrände entstanden durch "Kommunikation", die BLW versteht darunter Eisenbahnverkehr und elektrische Leitungen. 0,3 Prozent wurden 2025 von der Industrie fahrlässig verursacht. Etwas mehr als jeder dritte fahrlässig verursachte Waldbrand (39,2 Prozent) ließ sich nicht eindeutig in diese Kategorien zuordnen.

Kachelmann: "Dummheit ist auch Brandstiftung"

Feuerökologe Johann Georg Goldammer, Leiter des Zentrums für Globale Feuerüberwachung, sagt, dass zwischen 97 und 99 Prozent der Brände menschengemacht sind. "Wenn 99 Prozent der Feuer in Europa und Deutschland durch den Menschen entstehen, könnten wir eigentlich 99 Prozent davon vermeiden. Aber dafür müssten die Menschen mitziehen, und das ist offensichtlich nicht der Fall", so der Feuerexperte im Klimalabor-Podcast von ntv.

Drastischer formuliert es Meteorologe Jörg Kachelmann: In 99 Prozent der Fälle gehe es um Brandstiftung, sagt er zur "Bild"-Zeitung. "Die Frage ist nur noch intentionale Brandstiftung, Absicht oder eben aus Dummheit versehen. Aber das ist auch Brandstiftung, das nennt sich fahrlässige Brandstiftung."

Kachelmann zufolge sei es Glück, dass die "Brandstiftungen" bei Monschau und Schramberg (das ist noch nicht erwiesen, Anm. d. Red.) "nicht in eine Starkwind-Situation reingelaufen" sind. Der Wind war die vergangenen Tage eher schwach, drehte immer wieder in verschiedene Richtungen. Wäre ein starker Wind gegangen, "sähen Monschau und Schramberg heute ganz anders aus", sagt Kachelmann auf X.

Mit dem Klimawandel steigt zwar die Gefahr von Waldbränden deutlich. Doch Hitze allein sorgt nicht für Feuer. Auslöser sind den Daten zufolge zu einem deutlich überwiegenden Teil die Handlungen von Menschen. Nicht immer ist es die klassische Brandstiftung, etwa mit Brandbeschleuniger und Feuerzeug. Immer öfter sorgen die Hinterlassenschaften von Wanderern oder auch Autofahrern für ausufernde Feuer.

Quelle: ntv.de

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