Panorama

Fälle in 20 Jahren verdoppeltDeutlich mehr Mädchen kommen wegen Essstörung in Klinik

11.08.2026, 10:44 Uhr
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Magersucht ist den Statistikern zufolge die häufigste Diagnose, gefolgt von Ess-Brech-Sucht. (Foto: Getty Images/iStockphoto)

Ob durch fatale Trends in sozialen Medien oder belastende Erlebnisse: Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an Essstörungen - Mädchen und Frauen deutlich häufiger als Jungen und Männer. Besonders die Zahl der stationären Behandlungen in einer Altersgruppe alarmiert.

Die Zahl der wegen Essstörungen im Krankenhaus behandelten Mädchen hat sich innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt. Kamen 2004 rund 2800 Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren aufgrund von Magersucht und ähnlichen Störungen in eine Klinik, stiegen die Fälle bis 2024 auf knapp 6000, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Damit machten Mädchen in dieser Altersgruppe im Jahr 2024 nahezu die Hälfte (48,1 Prozent) aller wegen Essstörungen Behandelten aus. Zwei Jahrzehnte zuvor waren es nur ein Viertel (24,9 Prozent).

Auch insgesamt stieg die Zahl der Patientinnen und Patienten, die wegen Essstörungen behandelt wurden, auf 12.400 Fälle im Jahr 2024. Das waren 300 Fälle oder 2,2 Prozent mehr als 2023 und 900 beziehungsweise 8,0 Prozent mehr als 20 Jahre zuvor. Die häufigste Diagnose war demnach Magersucht mit 9000 Behandlungsfällen, gefolgt von Ess-Brech-Sucht, der sogenannten Bulimie, mit 1300 Fällen.

Über alle Altersgruppen hinweg werden Mädchen und Frauen häufiger wegen Essstörungen stationär behandelt als Jungen oder Männer. 11.500 oder 92,9 Prozent derjenigen, die 2024 mit dieser Diagnose behandelt wurden, waren Frauen. 20 Jahre zuvor waren es 10.100 Patientinnen mit einem Anteil von 88,5 Prozent.

Gefährliche Trends in sozialen Medien

Neben familiären Problemen oder belastenden Erlebnissen zählen besonders Trends in sozialen Medien zu Auslösern von Essstörungen. Sichtbar wurde das zuletzt unter dem Schlagwort "SkinnyTok". Unter dem Hashtag sammelten sich bis zum Sommer 2025 Tausende TikTok-Videos über Kalorienzählen, winzige Mahlzeiten oder schnellen Gewichtsverlust. Häufig wurden dabei auch extrem schlanke Körper als Vorbild präsentiert. Inzwischen hat TikTok den Hashtag gesperrt. Die Inhalte, die extremes Dünnsein glorifizierten, verschwanden dadurch jedoch nicht. Sie tauchen nun unter anderen Begriffen oder in ähnlichen Formaten weiter auf.

Psychologinnen sehen darin ein Risiko. Ein Zusammenhang zwischen Social-Media-Konsum und Essstörungen sei durch viele Studien belegt, sagt etwa Beate Herpertz-Dahlmann, frühere Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Aachen.

Quelle: ntv.de, nbr/AFP/dpa

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