Panorama

"Mein Gott, das ist ein Weinberg!" Die Burg hat keine Chance mehr

Volker Sieradzki ist eigentlich Imker. Vor knapp zehn Jahren begann er, sich in den Weinbergen an der Bergstraße einen Traum zu erfüllen. Er baute sich eine Burg. Weil er kein Geld hatte, nutzte er Baumaterialien vom Sperrmüll, herumliegendes Holz und viel Lehm. Und seine eigenen Hände. Romantisch schmiegt sich die Burganlage im Kleinformat nun an die Hügel. Das Problem nur: Die Burg wurde illegal errichtet, ohne Pläne, ohne Statik, ohne irgendwas. Der Kreisbeigeordnete des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf, zieht deshalb nun die Reißleine - und lässt die Burg abreißen. Im Interview mit n-tv.de erklärt der Grünen-Politiker, warum es dazu keine Alternative gibt.

n-tv.de: Hallo Herr Schimpf, es geht um die sogenannte Trutzburg Heppenheim.

Matthias Schimpf: Das habe ich befürchtet.

Ich bin wohl nicht der erste, der Sie deswegen anruft.

So ist es ...

Sie sind der, der die Burg von Herrn Sieradzki abreißen will.

Moment. Ich bin seit dem 1. November 2011 Kreisbeigeordneter für Bauen und damit am Kürzesten mit dem Vorgang befasst.

Seit wann läuft denn der Streit?

Das Ganze begann 2004, als dem Kreis von der Stadt Heppenheim gemeldet wurde, dass eine Bautätigkeit im Außenbereich auf einem Weinberg stattfindet.

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Die Spirale, Volker Sieradzki würde vom Kräutergarten sprechen, wurde bereits dem Erdboden gleichgemacht.

(Foto: dpa)

Außenbereich heißt, dass die Gegend nicht als Bauland ausgewiesen ist?

Richtig. Die Kreisverwaltung hat daraufhin einen Baustopp verhängt und eine Rückbauverfügung erlassen. Damals ging es um diese Spirale, die wir gestern abgerissen haben. Der Erbauer hat dann versucht, in Gesprächen mit Bürgermeistern und allen möglichen Stellen einen Aufschub zu erwirken. Das Verfahren wurde also stets durch den Erbauer verzögert. Parallel dazu hat er einfach weitergebaut, schwarz. Irgendwann im Jahr 2009 war endgültig klar, dass er keine Genehmigung bekommen wird. Dann fing er an, diesen Turm zu bauen.

Und jetzt?

Jetzt steht die Zwangsversteigerung des Grundstücks an, weil nach unserer Kenntnis Steuerschulden bestehen. So kam der Vorfall auf meinen Schreibtisch.

Aber jetzt, wo die Burg steht: Gibt es nicht doch eine Möglichkeit, mal eine Ausnahme zu machen?

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Der Burgherr, bald allerdings ohne Burg: Volker Sieradzki.

(Foto: dpa)

Im absoluten Außenbereich kann man nur bauen, wenn man Landwirt oder Weinbauer ist und ein Gebäude für den Betrieb benötigt: einen Unterstand für Pferde, einen Geräteschuppen, so etwas. Herr Sieradzki ist Imker. Ich sehe nicht, dass man eine Burg braucht, um Imkerei zu betreiben. Mittlerweile führt Herr Sieradzki Kinder durch seine Burg und spricht davon, dass er das Gebäude als Umweltzentrum nutzen will.

Dafür sehen Sie keine Chance, beim besten Willen nicht?

Es tut mir leid, nein. Das Gebäude erfüllt keinerlei Sicherheitsstandards, weder bautechnisch noch statisch. Aber Gebäude müssen einige Sicherheitsstandards erfüllen, gerade, wenn es um die Betreuung von Kindern geht. Diese Standards erfüllt die Burg nicht. Was, wenn das Gebäude einstürzt, wer ist dann verantwortlich, wer haftet dann? Ich gebe zu, das Ding ist beeindruckend und hübsch, auch das Engagement des Erbauers ist beeindruckend, aber das ist nicht das Thema, sondern ein anderes Thema.

Keine Möglichkeit, die Burg zu dulden?

Duldung hieße ja, dass der Kreis die Verantwortung übernimmt. Wenn sich einer dort verletzt, dann wäre der Kreis letztlich in der Verantwortung.

Es heißt, dass der Bürgermeister von Heppenheim die Burg unterstützt?

Das stimmt nicht. Bürgermeister Rainer Burelbach sagt, die Burg ist schön. Das sage ich auch. Aber Herr Burelbach sagt auch: Die Burg muss weg. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Stadt und Kreis.

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"Tragisch", findet auch Matthias Schimpf die Entwicklung. "Aber es gibt nur diese eine Lösung."

(Foto: M.Schimpf)

Könnte Herr Sieradzki nach einem Abriss einen Antrag stellen, auf dem Weinberg eine neue Burg zu errichten?

Sie können in Deutschland für alles Anträge stellen.

Hätte er eine Chance?

Nein. Mein Gott, das ist ein Weinberg! Der liegt im absoluten Außenbereich!

Wann wird die Burg abgerissen?

In vier bis fünf Wochen.

Mit Matthias Schimpf sprach Hubertus Volmer

Quelle: ntv.de

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