Panorama
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Mittwoch, 14. September 2011

"Mit alles?": Döner goes Osteuropa

Der Döner ist eine gigantische Erfolgsgeschichte. Die Branche macht Milliarden-Umsätze - und expandiert immer weiter. Deutsche Firmen, meist in der Hand türkischer Unternehmer, erobern den Fast-Food-Markt in Osteuropa. Gleichzeitig kämpfen die Akteure um das Image.

Der Döner ist in den Ländern Osteuropas angekommen. Vor allem in Polen habe es in den letzten zehn Jahren ein starkes Wachstum gegeben, sagte Tarkan Tasyumruk, der Vorsitzende des Vereins türkischer Dönerhersteller in Europa ATDiD. Wie fast überall in der EU stamme der Döner überwiegend aus Deutschland. Bei ihrer anstehenden Fachmesse DÖGA (Döner-Gastronomie) will die Branche Variationen des Döners anbieten und ein neues Qualitätssiegel einführen.

Die "Döner-Industrie" macht dicke Umsätze, hat aber auch schon Skandale hinter sich.
Die "Döner-Industrie" macht dicke Umsätze, hat aber auch schon Skandale hinter sich.(Foto: picture alliance / dpa)

Die 250 Betriebe der deutschen Döner-Industrie beliefern nach Angaben des Vereins 80 Prozent des EU-Markts. 600 Tonnen Fleisch stecken sie dafür pro Tag auf die Spieße. Es stamme zu 60 Prozent aus Deutschland, der Rest vor allem aus den Niederlanden und Belgien, ein Teil auch aus Frankreich. Die deutschen Hersteller und Imbisse erwirtschafteten laut Tasyumruk zuletzt einen Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro.

Die europäischen Geschmäcker sind demnach jedoch verschieden: Franzosen mögen Pute im Fladenbrot. Schweden und Spanier bevorzugen Hähnchen. Es gibt auch Händler, die Tofu-Döner herstellen. Insgesamt seien aber immer noch mehr als zwei Drittel aller Dönerspieße mit Kalbfleisch bestückt.

Nach Lebensmittelskandalen, die auch Döner betrafen, wirbt die Branche mit dem neuen Qualitätssiegel bei den Kunden um mehr Vertrauen. Es sei an feste Kriterien gebunden, sagte Tasyumruk. "Ich mag dich sehr, du kriegst ein Siegel. Nein, so ist es nicht.", sagte er weiter. Gemeinsam mit der Fleischerinnung seien Seminare geplant: zur Hygiene bei der Lagerung, Zubereitung und Ausgabe des fertigen Döners. Nur wer die Abschlussprüfung bestehe, erhalte das Siegel des ATDiD.

Zuerst auf dem Ku'damm

Saftig gegrilltes Fleisch vom Spieß, serviert mit etwas Salat, Zwiebeln, ein paar Scheiben Tomate und Soße im Fladenbrot - "mit und ohne scharf", so kennen die Deutschen den Döner. Erfunden haben soll ihn ein Türke in Berlin. Kadir Nurman heißt er.

Der sieht gut aus.
Der sieht gut aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Nurman kam mit den zahlreichen sogenannten Gastarbeitern aus der Türkei nach Deutschland. Schnell sei ihm aufgefallen, dass Deutschland ein Arbeiterland sei und Menschen es gewohnt gewesen seien, im Laufen aus den Händen zu essen - in kürzester Zeit. 1972 kam ihm dann die Idee: "Erst hat er nur Fleisch ins Brot gelegt. Später kam dann der Salat hinzu", berichtet Tasyumruk. "Und die Soße." In den Anfangsjahren hätten nur Gastarbeiter Döner Kebab in Nurmans Imbissbude beim Zoo am Ku'damm gegessen - bis die Deutschen den Snack auf der Hand für sich entdeckt hätten.

Seither ist der Döner zu einem der beliebtesten Fast-Food-Gerichte der Deutschen geworden. Und lange hielt sich die Legende, er sei typisch türkisch, doch: "Der Döner ist deutsch", widerspricht Tasyumruk. In der Türkei habe es das Kebab-Fleisch vom Spieß früher nur einmal die Woche gegeben - im Palast und bei den feinen Leuten als Delikatesse auf dem Teller. "Aber erst mit einem Update, der deutschen Version, sag ich mal, hat sich der Döner mit der Zeit durchgesetzt", sagt Tasyumruk. So sei das Kebab schließlich auch in der Türkei im Fladenbrot als Döner gelandet.

Video

Quelle: n-tv.de