Panorama

Schlag gegen brutale KartelleArmee tötet Mexikos mächtigsten Drogenboss

22.02.2026, 20:22 Uhr
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Nur jahrzehntealte Bilder existieren von dem Kartellboss. (Foto: IMAGO/Newscom World)

1994 wurde das letzte bekannte Polizeifoto vom mexikanischen Drogenhändler "El Mencho" gemacht. Jahrelang ist er neben "El Chapo" der berüchtigste und brutalste Drogenboss Mexikos, wird aber nie gefasst. Nun meldet die mexikanische Armee, ihn während eines Einsatzes getötet zu haben.

Mexikos mächtigster Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, genannt "El Mencho", ist von mexikanischen Sicherheitskräften getötet worden, wie das mexikanische Verteidigungsministerium bestätigte. Insgesamt sieben Menschen seien bei dem Einsatz ums Leben gekommen. Neben Joaquin "El Chapo" Guzman und Ismael "El Mayo" Zambada zählte Oseguera Cervantes zu den berüchtigsten Drogenbossen des Landes. Die USA hatten zuletzt eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Mio. Euro) auf ihn ausgesetzt. Der Ex-Polizist hatte seit 2011 das von ihm gegründete Drogenkartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) angeführt.

Sicherheitskräfte führten eine Operation in Tapalpa im Bundesstaat Jalisco durch, die eine starke Reaktion von mutmaßlichen Bandenmitgliedern auslöste, wie Gouverneur Pablo Lemus auf X mitteilte. In mehreren Bundesstaaten, darunter in Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, wurden Straßen mit brennenden Autos, Lastwagen und Bussen gesperrt.

Auch wurden Feuer in Apotheken und kleinen Einzelhandelsgeschäften gelegt. In der von Touristen beliebten Stadt Puerto Vallarta an der Pazifikküste waren in Videos brennende Autos und große schwarze Rauchwolken zu sehen, die zwischen den Gebäuden aufstiegen. In sozialen Netzwerken kursieren Videos, die Chaos am Flughafen der zweitgrößten Stadt Mexikos, Guadalajara, nach Angriffen von Bandenmitgliedern zeigen sollen. Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Auch die US-Botschaft in Mexiko gab eine Sicherheitswarnung für US-Bürger aus. Aufgrund laufender Sicherheitsoperationen und Straßensperren sollten US-Bürger an den betroffenen Orten bis auf weiteres in ihren Unterkünften bleiben, hieß es.

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Zahlreiche Autos wurden in mehreren Bundesstaaten als Protest von Bandenmitgliedern gegen den Einsatz angezündet. (Foto: AP)

"El Mencho" wurde 59 Jahre alt. Er wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla geboren, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der "Herr der Hähne" genannt. Sein weiterer Spitzname, "El Mencho", soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein. Zahlreiche Narco-Lieder, "narcocorridos" genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften.

Die US-Regierung hatte das extrem gewalttätige Drogenkartell von "El Mencho" als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das von ihm geführte Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien. Neben dem Handel mit Fentanyl ist sie demnach auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt.

Nach Angaben des US-Finanzministeriums ist Oseguera seit den 1990er Jahren in den Drogenhandel verwickelt. 1994 wurde er in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien wegen Heroinschmuggels verhaftet. Nach drei Jahren Gefängnis wurde er nach Mexiko abgeschoben - und heuerte im westlichen Bundesstaat Jalisco als Polizist an.

Später schloss er sich dem Milenio-Kartell an, eines der ersten mexikanischen Verbrechersyndikate, die mit synthetischen Drogen handelten. Er arbeitete dabei mit dem Sinaloa-Kartell des Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán zusammen. Später kam es zur Abspaltung und Gründung des CJNG-Kartells. Unter Osegueras Führung entwickelte es sich rasch zu einer der mächtigsten kriminellen Organisationen Mexikos.

Das "Unternehmen mit den vier Buchstaben", wie das Kartell von seinen Mitgliedern genannt wird, verfügt über ein großes Waffenarsenal und gepanzerte Fahrzeuge. In Mexiko verübte es blutige Anschläge auf Sicherheitskräfte, hängte Leichen an Brücken auf und schoss einmal sogar einen Militärhubschrauber ab, wobei neun Menschen ums Leben kamen. Dem Kartell wird vorgeworfen, junge Menschen auch mit falschen Jobangeboten anzulocken, um sie zwangsweise zu rekrutieren.

"El Mencho", der ein unauffälliges Leben führte, soll ein Milliardenvermögen besitzen und Geld mit Immobilien, Viehzucht und Musikgeschäften gewaschen haben. Regionale Musikgruppen haben Lieder über ihn komponiert. In den sozialen Netzwerken kursieren immer wieder mutmaßliche Propagandavideos des Kartells. Darin sind schwer bewaffnete Männer in Kampfuniformen zu sehen, die sich als "Leute von Señor Mencho" bezeichnen.

Obwohl die genauen Hintergründe noch nicht bekannt sind, ist der Einsatz ein wichtiger Erfolg für die mexikanische Präsidentin Sheinbaum. Seit Amtsantritt hatte sie einen verstärkten Kampf gegen die Gewalt und Drogenkriminalität des Landes versprochen und die Drohung der US-Regierung über einen Militäreinsatz scharf zurückgewiesen.

Quelle: ntv.de, Andrea Sosa Cabrios, dpa

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